Ich habe mir "Monster" jetzt mehrere male durch gehört. Anfangs hätte ich der Platte wohl höchstens 3 Sterne gegeben, finde sie aber mittlerweile doch ganz okay.
Insbesondere als älterer Oomph!-Fan muss man sich halt erstmal an einige Umstände gewöhnen und diese auch aktzeptieren um am neuen Output Gefallen finden zu können:
1: Im Vorfeld las ich einiges darüber, dass die 10. Scheibe eine Art Querschnitt durch das Schaffen der Band bietet. Dies ist eindeutig falsch! Der Kurs der letzten beiden Platten wird hier ganz klar fortgeführt.
Der Großteil der Songs verbindet relativ hartes, aber stets rockiges Riffing mit sehr eingängigen, schön gesungenen Refrains und funktioniert nach dem gleichen Schema, wie "Gott ist ein Popstar" oder "Träumst du". Wer der Band vorwirft seit einiger Zeit ein wenig zu sehr auf die Charts zu schielen, wird diese Meinung nach "Monster" auch nicht ändern.
Auch fällt weiterhin auf, dass Deros Texte oftmals nicht mehr so viel Interpretationsspielraum lassen, wie auf früheren Alben, sondern direkt aussprechen, was gemeint ist. Dies schmälert meiner Meinung nach etwas den künstlerischen Aspekt und wirkt manchmal leider etwas plump.
2: Oomph! haben nichts mehr von dem intensiven Schmerz oder der Wut, sowie der Aggressivität in ihren Songs, wie auf den (ganz) alten CDs. Einen so gnadenlosen Schlag in die Magengrube, wie "Hast du geglaubt", "Krüppel" oder gar "Wunschkind" hat man wohl nicht mehr zu erwarten.
Oomph! machten nach "Unrein" einen gewaltigen Schritt und liessen mit "Plastik" und "Ego" wesentlich mehr Melodie und Melancholie in ihren Songs zu (Was ihnen mit Sicherheit einen gewaltigen Zulauf an weiblichen Fans einbrachte) und gingen ab "Wahrheit oder Pflicht" in eine wesentlich rockigere, "angeschwärzte", modernere Richtung (was die nächste Generation mit an Bord holte). Irgendwie ist das ja auch in Ordnung. Alles hat eben seine Zeit!
Nach meiner ersten Entäuschung und meinen neuen Erkenntnissen, gewährte ich der CD noch weitere Durchläufe und freunde mich mehr und mehr mit ihr an. Zwar plätschert das ein oder andere Lied für mich nach wie vor recht belanglos dahin, aber das ist ehrlich gesagt ja nun weder neu, noch ungewöhnlich.
Auch die oben kritisierte Direktheit der Texte finde ich mittlerweile teilweise sogar gut. Nachdem der Punk-Rock zu weiten Teilen tot ist, der HipHop sich momentan wohl lieber mit "Wer hat den Längsten?" beschäftigt und sich die meisten der deutschsprachigen Metal-Bands derzeit davon distanzieren politisch oder allzu sozialkritisch sein, finde ich es eigentlich ganz cool, wenn Oomph! bei "Wer schön sein will...", "Revolution" oder "In deinen Hüften" klare Stellungen beziehen!
Mit "Auf Kurs" hat man sogar eine richtige Ballade im Gepäck. Finde ich mutig! Und schön! Und gut!
Ich möchte auch noch die Vielseitigkeit und Experimentierfreude von Dero als Sänger positiv hervorheben und bemerken, das "Monster" ein ganzes Stück abwechslungsreicher als der Vorgänger gelungen ist.
Wer sich damit abfinden kann, dass Oomph! jetzt nunmal einfach recht eingängig klingen, eher rocken als Arschtreten und auch aus der Klingeltonsammlung eines 14jährigen in der S-Bahn zu einem rüber schallen, der kann mit "Monster" durchaus seinen Spaß haben! Denn Oomph! sind nach wie vor eine der coolsten deutschen Bands!
Also Regler nach rechts und Rock on!