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Als Rock-, aber nicht ausgesprochener REM-Fan finde ich es recht amüsant, daß manche REM-"Fans" mit dieser Platte wenig anfangen können, denn das hieße eigentlich die Vergangenheit von REM als Independent-Rock-Band zu verleugnen, die immerhin schon eine Dekade vor "Everybody hurts" begonnen hat...
Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: ich liebe AUTOMATIC FOR THE PEOPLE, halte es für eines der 20 besten Alben überhaupt, und würde ohne Zögern 5 Sterne dafür vergeben. Aber ich mag eben auch Independent Rock, Wah-Wah-Pedals, brettharte Gitarrenriffs und Rückkopplung. Und ich finde daß REM auf Monster klingen, als ob sie jede Menge Spaß am "Plug & Play" Sound hätten, und das ist ihnen - in Anbetracht des kommerziellen Drucks der auf ihren Schultern lastete - hoch anzurechnen.
MONSTER mag nicht zum vielschichtigsten gehören, was REM im Laufe ihrer langen Karriere vorgelegt haben, aber das trashige Cover im Seventies-Stil verspricht Spaß, und den bietet die Platte mit ihrem direkten, gitarrenlastigen Sound allemal. Und wenn sich manche Fans über mangelnde Abwechslung beklagen, so sollten sie sich vielleicht mehr REM-Alben besorgen, denn dann macht MONSTER genau diese Abwechslung aus!
DER herausragende Song ist für mich "Crush with Eyeliner", mit genial verzerrter Gitarre und dem wohl härtesten Refrain der Bandgeschichte. Die Kunst der Platte ist aber das Fehlen von Ausreißern - in "Star 69" lassen REM ihren Punkrock-Wurzeln freien Lauf und "Bang & Blame" verblüfft 5 Minuten lang mit dem Wechsel zwischen atmosphärischem Minimalismus und dem rockigen Chorus. "Strange Currencies" erinnert an "Everybody hurts", ist mit Michael Stipe's leidenschaftlichem Gesang aber eigentlich die bessere Ballade von beiden. Gegen Ende werden mit "I took your name", "Circus Envy", und dem Kurt Cobain gewidmeten "Let me in" noch härtere Töne aufgezogen, die fast schon das Prädikat "Grunge" oder zumindest "Alternative Rock" verdienen!
Sicher kein Fehler, auch wenn damit so mancher Fan, der REM bloß vom Kommerz-Radiosender kannten, verschreckt wurde... für mich gehört diese Platte jedenfalls zu den besten 3, die die Band gemacht hat!
monster (erschienen 1994) hat dabei die undankbare aufgabe der nachfolger der (zumindest in den augen der öffentlichkeit) besten REM alben "out of time" und "automatic for the people" zu sein.
die damals noch 4 südstaatler meistern diese aufgabe mit einem stilbruch. ein bisschen klingt es wie "gitarren eingestöpselt, verzerrer an, und dann losgerockt!"
fast alle lieder werden von Peter Buck's verzerrter und oftmals mit tremoloeffekten angereicherter gitarre getragen. für große orchestrierungen oder ausgefallene instrumente bleibt wenig platz.
dadurch wird das album sicherlich zur direktesten und rockigsten REM-platte der neunziger. was allerdings dabei ein wenig auf der strecke bleibt ist der musikalische tiefgang, der z.B. "automatic for the people" oder das unterschätzte "new adventures in hi-fi" auszeichnen. außerdem fehlt bei der doch recht einseitigen instumentierung teilweise die abwechslung.
rühmliche ausnahme: das grandiose TONGUE. Michael Stipe singt hier im falsett zu klavier und hammondorgel und schafft damit eine der großartigsten balladen der band.
außerdem hörenswert: der gradlinige opener WHAT'S THE FREQUENCY KENNETH und das schräge BANG AND BLAME.
insgesamt eine empfehlung für alle die REM mal gradliniger, direkter, rockiger hören wollen. ansonsten kommt "monster" nicht ganz an einige andere alben der band heran.
daher "nur" GUT!
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