Wolfram Knorr ist in seinem neuen Buch über die amerikanische Kultur und ihre deutsche Rezeption mit dem alliterativen Titel Monster, Movies, Macht und Massen in eine Falle getappt: Er reiht Preziosen aneinander, springt hin und her, zwischen Zeiten, Orten und Personen, ohne eine im groben erkennbare Richtung, ohne roten Faden. Seine Sprache, die im Feuilleton gut ankommt, wirkt über ein ganzes Buch, bei dem man geführt werden möchte statt von Überraschung zu Überraschung zu purzeln, ermüdend. Der dramatische Bogen trägt nicht über die einzelnen Details. Ein Sprachbeispiel S. 234:„Mit analytischem Scharfsinn, spielerischer Leichtfertigkeit, durchtriebenem Zynismus, resolutem Wirklichkeitssinn oder sinntrunkenem Eskapismus nahmen sie sie ins Visier, sparten nicht mit sensualistischen Darstellungen ihrer Verfehlungen, Machenschaften und Verblendungen, um gleichzeitig ihre Träume, Sehnsüchte und Glücksverheissungen offenzulegen." Vor jedem Substantiv ein Adjektiv? Der Inhalt ist in seiner Art auch „typisch deutsch", gerade für einen, der wie Knorr die deutsche Hintersinnigkeit stark ablehnt. Doch auch die Selbstkritik, die mir bei diesem Buch entgegenschlägt, hat einen mir sehr deutsch vorkommenden larmoyant-weinerlichen Zug. Wir Deutschen bringen dies nicht zustande, bei uns muss alles tief sein, wir haben keine Spasskultur, unsere Poeten sind alle gelahrt. Das Buch scheint bloss die Tribüne um diese vorgefasste Meinung auf tausend verschiedene Arten zu variieren. Es gibt auch Trouvaillen im Buch, z. Bsp Winnetous letzte Worte: „Scharlih, ich glaube an den Heiland. Winnetou ist ein Christ."