Teuer, zweifelhafte Qualität, KEIN Support!
Nachdem ich die Beats Studio Kopfhörer bereits zweieinhalb Jahre besitze, möchte ich nun ein ernüchterndes und enttäuschtes Fazit ziehen.
Generelles
Keine Frage, das ganze Produkt ist edel aufgemacht (Kopfhörer selbst, Verpackung, Zubehör) und sieht wirklich gut und hochwertig aus. Das stylische Design mit seiner hochglänzenden Klavierlackoptik hebt sich klar von anderen Konkurrenzprodukten ab (inzwischen gibt es die Beats Headphones ja auch in jeder Bonbonfarbe!), und da sich viele Rapper, Ami-Musikstars und inzwischen auch z.B. viele deutsche Fußballer mit den Kopfhörern zeigen, ist ein gewisser Stylefaktor vorprogrammiert.
Für mich persönlich ist das Tragegefühl angenehm, zumal die Ohrpolster recht weich sind. Da ich allerdings Brillernträger bin, beginnen nach einiger Zeit die Brillenbügel durch den Druck der Ohrpolster schmerzhaft zu drücken. Ich muss also immer wieder Tragepausen einlegen.
Die Idee, eine Mutetaste an der Kopfhörerseite einzubauen ist durchaus nett, auch wenn die Umsetzung deutliche Schwächen zeigt (eine Erläuterung folgt weiter unten!). Auch das beiliegende (schwarze) Kabel, mit integriertem Mikrophon und Steuerung für das iPhone ist eigentlich (!) praktisch und ein sinnvolles alltagstaugliches Feature.
Klang
Ich persönlich empfinde den Klang als in Ordnung, auch wenn ich die vollmundigen Werbeversprechungen (nach dem Motto: 'Hören Sie die Musik so, wie sie die Musiker selbst hören möchten!') nicht ganz nachvollziehen kann.
Im Vergleich mit meinen Shure SRH 840, klingen die Shure ein Ecke runder, ehrlicher und ausgewogener. Auch die Beyerdynamic DT 770 M klingen im Vergleich natürlicher. Gerade durch diesen Vergleich kann ich nicht wirklich verstehen, welchen Grund bzw. Vorteil der 'aktive Betrieb' unter Verwendung von Batterien haben soll, ein tatsächlicher Klangvorteil ergibt sich meiner Meinung nach nicht.
Des Weiteren ist die Geräuschabschirmung höchstens mittelmäßig, im Zug z.B. kriegt man die üblichen Nebengeräusche recht deutlich mit. Für ernsthafte Musikanwendungen, also Proben oder Recording, sind sie somit nicht zu gebrauchen (obwohl der Namenszusatz 'Studio' gerade dies eigentlich impliziert!).
Verarbeitung und Qualität
Auf den ersten Blick gibt es bei der Verarbeitung nichts zu meckern. Allerdings kann die Hochglanzoptik nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Kopfhörer größtenteils aus Plastik gefertigt sind. Beim Blick in das Batteriefach wird deutlich, dass das verwendete Plastik dem von recht günstigem Spielzeug ähnelt, ein Punkt, der von außen durch den Klavierlack verschleiert wird.
Die Klappscharniere und der Auszugmechanismus sind eher fragil und wackelig, von anderen Kopfhörern in dieser Preisklasse ist man durchaus Stabileres gewöhnt.
Das erste Problem, das bei mir auftrat, hatte mit der Mutetaste and der Kopfhörerseite zu tun. Wahrscheinlich konstruktionsbedingt war diese Taste bei mir zeitweise so empfindlich, dass sie auf Erschütterungen (z.B. auch teilweise durch das Auftreten beim normalen Gehen) mit kurzen Aussetzern reagierte. Das Ganze wurde dann wirklich absurd, als diese Aussetzer auch bei kurzen, etwas stärkeren Luftdruckveränderungen (also beim Öffnen und Schließen der Zugtür! :-/ ) auftraten. Dies hatte nicht, wie manch einer glauben machen will, mit niedrigem Batteriestand zu tun, sondern trat unabhängig vom Energiestatus auf. Das Merkwürdige an der Sache war, dass dieses Phänomen nur zeitweise auftrat und inzwischen verschwunden ist.
Monster wirbt ja gerne mit Kabeln von angeblich höchster Qualität und verlangt dafür gepfefferte Preise. Die beiliegenden Kabel haben diesen angeblichen Qualitätsstandard aber in keinem Fall, zu schnell stellt sich bei ihnen ein Kabelbruch ein.
Nur zur Info: Normalerweise habe ich meinen Musikplayer (u.a. auch iPhone) in der vorderen linken Hosentasche, die Kopfhörer verwende ich ausschließlich für Fußwege oder Zugfahrten, im Grunde wird das Kabel also nicht wirklich stark beansprucht. Nach ein paar Monaten waren aber beide Kabel hin, das normale, rote Kabel war an der Isolierung beschädigt, zeigte sein Innenleben und wollte nicht mehr funktionieren. Ein Ersatzkabel lebte auch nicht länger. Das schwarze Kabel mit der iPhone-Steuerung ist auf dem besten Weg, ihm zu folgen. Die Steuerung tat es von einem auf den anderen Tag nicht mehr und bestimmte Kabelbewegungen führen dazu, dass das Kabel ein Signal an das Telefon abgibt, wodurch die Lautstärke sprunghaft ansteigt. (Meine billigen Sennheiser Sportkopfhörer, haben bereits anderthalb Jahre intensive Beanspruchung beim Sport und auch bei Umzügen klaglos überstanden!).
Nun könnte man theoretisch ein defektes Kabel ganz einfach austauschen, immerhin besitzen die Kopfhörer selbst eine praktische 3,6mm Klinkenbuchse, doch sind Originalkabel hier in Deutschland nicht im freien Verkauf erhältlich und ein Großteil der Audiokabel anderer Hersteller passt einfach nicht an die Kopfhörer, da die Steckeraufnahme zu klein ist. Man muss also suchen, testen und sich ärgern.
Der nächste Knaller ist mir nun vor einiger Zeit aufgefallen. Das so genannte Headband, also die äußere Abdeckung des Kopfbügels ist bei mir gebrochen. Zwar sind die Kopfhörer noch benutzbar, doch wirken sie direkt wesentlich instabiler und es sieht einfach schlimm aus. Wie bereits beschrieben, die Kopfhörer werden von mir keinen übermäßigen Belastungen ausgesetzt und bei Nichtgebrauch in der dazugehörigen Tasche gelagert. Der Bruch kann also nur durch normale Benutzung hervorgerufen worden sein. Die Tatsache, dass Monster dieses Headband als Ersatzteil zumindest theoretisch in seinem Onlineshop vertreibt, deutet darauf hin, dass ich nicht der Einzige mit diesem Problem bin. Der Fehler bzw. Schwachpunkt ist also offenbar bekannt. Allerdings ist es mit diesem Ersatzteil, wie mit den Ersatzkabeln. In Deutschland ist es nicht frei erhältlich, müsste also im Monstershop in den USA gekauft werden (wäre es denn auch tatsächlich verfügbar!).
Alles in allem treten bei diesen Kopfhörern Probleme, Defekte und Schwachpunkte auf, die bei einem Produkt dieser Preisklasse eine absolute Frechheit sind. Gerade im Vergleich mit anderen, tatsächlich professionellen Produkten ist hier ein deutlicher Unterschied zu erkennen.
Support
Die größte Frechheit ist allerdings der so genannte 'Support'! Die Firma reagiert einfach nicht, oder höchstens sehr widerwillig auf Kundenanfragen. Als ich vor zwei Jahren den, zu dieser Zeit offenbar noch vorhandenen, europäischen Vertrieb hinsichtlich der Beschaffung eines Ersatzkabels anschrieb, kostete mich die Antwort gut vier Mails und zwei Monate. Letztlich bekam ich zwar ein kostenloses Kabel als Ersatz, auf meine eigentliche Frage wurde allerdings gar nicht eingegangen und da die Qualität dieser Kabel erfahrungsgemäß nicht sonderlich hoch ist, dauerte es nicht lange, bis ich erneut Ersatz benötigte.
Inzwischen kann ich keinen europäischen Vertrieb mehr finden. Meine Mail an Monster mit der Frage nach einem solchen wurde schlichtweg ignoriert. Der Anruf bei mehreren großen deutschen Händlern ergab, dass auch die Händler selbst von der Firma zur Verzweiflung getrieben werden. Auch diese erhalten keinen Support, selten Antwort auf Anfragen und werden nicht mit den Stückzahlen beliefert, die sie nun im Weihnachtsgeschäft eigentlich umsetzen könnten.
Alles in Allem tut man sich selbst einen Gefallen, wenn man in diesem Preissegment zu Kopfhörern einer anderen Marke greift. Hier gibt es genug Firmen, die tatsächlich professionellen Ansprüchen genügen können und darüber hinaus auch noch wirklichen Support anbieten.