Psychothriller u.ä. sind Geschmackssache, aber dieser Film ist kein Psychothriller, sondern eine unter die Haut gehende Dokumentation, wie eine Person, die am Abgrund steht, den letzten Schritt geht. Am Anfang ist "das Monster" keineswegs ein Monster. Sie ist eine abgehärmte Frau, ausgenutzt und ohne festen Stand im Leben, die aber noch den Traum in sich trägt, ein "normales" Leben zu führen. Sie lernt die um viele Jahre jüngere Selby kennen und verliebt sich in sie. Für sie ist diese Liebe das Ticket in ein besseres Leben, sie schöpft daraus den Lebenswillen und die Kraft, mit ihrem bisherigen Leben zu brechen. Ganz anders sind Selbys Wünsche: Sie sieht die ältere Frau als die Möglichkeit, der Bevormundung ihrer Eltern zu entkommen und in den Genuss der lang erwarteten Freiheit der Erwachsenenwelt zu gelangen. Unerbittlich führen diese beiden unterschiedlichen Haltungen in das Desaster, nutzt Selby skrupelos die Ergebenheit Aileens aus, gerät Aileen immer tiefer in die psychische Abhängigkeit und tut schließlich alles, um die Liebe Selbys zu erhalten. Innerlich zerbricht sie, als sie von Selby kein Verständnis für ihre Situation nach dem Missbrauch und ihrem Mord im Affekt erhält, sondern nur noch mehr Forderungen. Die Geschichte erinnert an die klassischen Tragödien, die Charaktere haben nie die Chance, den Verlauf ins Gute zu wenden. In der Präzision der Darstellung ist dieser Film berückend, in seiner Komplexität zutiefst traurig. Einer der besten Filme, die ich gesehen habe, und alle Auszeichnungen wert.