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Monsieur Teste (Gustav Kiepenheuer Bücherei, 14)
 
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Monsieur Teste (Gustav Kiepenheuer Bücherei, 14) [Gebundene Ausgabe]

Paul Valery
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Gebundene Ausgabe, 1983 --  

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 99 Seiten
  • Verlag: Gustav Kiepenheuer Verlag; Auflage: 2. Auflage (1983)
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B0034A4TWS
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.027.695 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von kpoac TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Paul Valery (1871-1945) gehört zu jenen Dichterkollegen, die beginnend mit Baudelaire, Verlaine, Rimbaud und Mallarme das Bild und die Geschicke der französischen Dichtkunst maßgeblich beeinflusst haben. Der Einfluss, insbesondere der Symbolismus Mallarmes, ging auch in die deutsche Literatur ein, hier über Stefan Zweig, Hugo von Hofmannsthal und auch Rainer Maria Rilke.

Valery ist von Hause Poet, Lyriker und Philosoph. Seine Werke umfassen Prosa, Essays und Lyrik. Sein mit Monsieur Teste intellektuell beobachtetes und vorgestelltes Ich, sein prosaisches Selbstbildnis ist eine Beschreibung unterschiedlicher Art. Als Essay beginnend, wechselnd in Briefform bis hin zu Aphorismen bleibt Valery auf höchstem intellektuellem Niveau. Dass Valery als Dichter bestens sein Metier beherrscht, die Fülle seiner Gedanken komprimiert und doch treffsicher in ein Gedicht zu fassen, ist bekannt und vorausgesetzt. Wie er aber hier auf kleinsten Terrain sich so blendend und doch komprimiert entfaltet, dass es nicht der Menge von Worten bedarf, sondern ausschließlich der nahezu mathematischen Präzision der Zusammensetzung von Worten zu den Aussagen, ist eine wunderbare, wenn nicht einmalige Darstellung. Am Ende weiß man nicht, wer wer ist.

Valery begann 1896 seinen Teste als Spiegelbild seiner Selbst und experimentierte in Folgejahren an neuen Einfällen. Es scheint fasst, als wenn Teste - und der Name ist Programm - doch tatsächlich den unkritischen Vorlauf weiterer Möglichkeiten des realen Lebens durchlaufen musste. Nicht umsonst formuliert Valery über Teste, dass dieser schon sehr früh die Wichtigkeit der menschlichen Bildsamkeit erkannte hatte. Und wie sehr hat Valery selbst von seiner Formbarkeit geträumt.

Wie die Existenz so eines Exemplars sich "nicht über die Dauer einiger Viertelstunden hinausdehnen" lässt, so wird klar, dass Teste eine nur denkbare Gestalt hat, die letztendlich von Valery verliehen wurde. Valery sieht hier das Leben als Möglichkeit und eigentlich sogar darüber hinaus, wenn er sagt, dass schon die Alltagssprache Vollkommenheiten erwartet, "die außerhalb ihrer Möglichkeiten sind". So verwundert es nicht, wenn er Teste sagen lässt: "Was ich mir selbst Unbekanntes in mir trage, das macht mich erst aus. [...] Meine Mängel sind meine Ausgangstelle. [...] Ich bin der Akt."

Und so ist Valerys Werk ein Werk der erhöhten intellektuellen Selbstreflexion, eine Überhöhung des Denkens an sich (Descartes Welt ist ihm schon zu einfach), letztendlich auch die Erkenntnis eines Fühlens, dass sich die Sinne vom Wirklichen, vom Wesen trennen.

Es geht ihm darum, dass Leben von Null nach Null zu sehen, sich selbst auf diesem Wege, dem Kreislauf des Lebens, zu begleiten. Ein wenig erinnert er mich an E.M. Cioran, wenn der Sarkasmus sich selbst und dem Leben gegenüber Überhand gewinnt, wenn er in letztendlicher Sehweise das Leben nur als Möglichkeit begreift und damit als unerreichbar einstuft. Seine Begegnung mit dem Realen liegt im Eventuellen, verbunden mit dem Wunsch: "zeige, dass du bist, wer du zu sein glaubst." Und dann bleibt die Partie mit dem Leben, mit dem Sein an sich, die nur dort gewonnen wird, wo man sich der eigenen Anerkennung als würdig erachtet. Und dieses unendliche Streben nach dem Höheren liegt doch schon bei Kleist, Hölderlin, Nietzsche so nahe und gebiert Unrast ohne Heimat und letztendlich ist alles Erreichte nur weit entfernt von diesem dämonischen Traum. Reales wird niemals genügen. (Es ist das höhere Herz, das sich quält. / Dostojewski)

Ein großes Werk, welches sicher etwas abverlangt.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Helga König #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Paul Valery 1871-1945 war Professor für Poetik am College de France. Er veröffentlichte zunächst Lyrik, setzte aber bald seine Bemühungen den reinen, von allen Gefühlen gelösten Geist zu ergründen, in Prosaform fort.

Sein philosophischer Text "Monsieur Teste", den man als Aneinanderreihung von Dialogen, Essays und Aphorismen werten muss, ist wohl das fiktive intellektuelle Ich Valerys.

Aus heutiger Sicht scheint es ein wenig absonderlich, Geist von Gefühl fiktiv trennen zu wollen und die Wechselwirkung nicht von vornherein als gegeben zu akzeptieren.

Valery teilt dem Leser mit, dass dieser imaginäre Teste dem Zufall entsprungen und dass alles, was er an Geist besitzt oder besaß letztlich zufallsbedingt sei.

Teste ist ein von seinen Ideen, seinem Gedächtnis beobachteter, ja belauerter Mensch, dessen Denken von seinen Gefühlswerten getrennt ist. Welche Konsequenz dieses Phänomen allerdings auf Testes Handlungsmuster hat, kann man dem Text nur sehr schwer konkret entnehmen.

Valery lässt den Leser wissen, dass im ganzen Wesen von Monsieur Teste kein Körnchen Hoffnung ist. Das dürfte eine der fatalen Folgen reiner technischer Intelligenz sein, wenn es diese denn bei einem Menschen gäbe.
Banale Anmerkung von der Rezensentin:
Lebende Menschen sind immer beseelt, unbeseelte Menschen sind tot und können demnach nicht mehr denken.

Valery versteigt sich in die Vorstellung, dass Teste der Herr des Geistes ist, dem man kein seelisches Ungemach, keine innwendigen Schatten zuschreiben kann und ebenfalls nichts, was von Instinkten der Furcht oder Begehrlichkeit herrührt, wie auch nichts, was auf Nächstenliebe gerichtet wäre.

Infolge seiner Emotionslosigkeit ist Teste weder gut noch böse, schlau, zynisch oder anderes. Er beschränkt sich darauf zu wählen. Während er wählt, verbindet er einen Augenblick und sich selbst zu einer gefälligen Einheit. Dadurch, dass er keine Gefühle hat, kann er wirklich sehen und demnach frei entscheiden.

Der beseelte Mensch ist immer ein durch seine Gefühle in seinen Handlungen beeinflusster Mensch, nur der absolut vergeistigte Mensch ist frei in seinen Entscheidungen.

Demnach also ist keiner frei. Warum artikuliert Valery solche logischen Schlußfolgerungen nicht?
Vielleicht ist es aber dieser Wunsch nach Freiheit, der Valery nach fiktiven Auswegen suchen und ihn sagen lässt:" Etwas in uns, oder mir, empört sich gegen die erfinderische Macht, welche die Seele über den Geist ausübt."

Klarheit des Denkens ist meines Erachtens letztlich nur möglich, wenn man sich der Wechselwirkung von Geist und Psyche bewusst wird.

Wenn Valery Teste sagen lässt: Meine "Seele beginnt genau an dem Punkt, wo ich nichts mehr verstehe, wo ich nichts mehr vermag, wo mein Geist sich selbst den vor ihm liegenden Weg versperrt.." wünscht man Teste , dass er sofort mit zwei Dutzend guten Psychologiebüchern ausgestattet wird.

Testes Gedankenwelt bleibt mir fremd.

Schön allerdings ist Valerys Sentenz:

"Du steckst voller Geheimnisse, die du Ich nennst.
Du bist Stimme deines dir Unbekannten."

Diese Geheimnisse zu lüften macht allerdings Intellekt und Emotion erforderlich.
Freuen wir uns , dass es so ist!

Ich unterstelle Valery, dass ihm diese Tatsache bewusst war und er aus mir bislang nicht nachvollziehbaren Gründen eine Hypothese in den Raum stellt, die sich so nicht verifizieren lässt.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von kpoac TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
"Sie wollen sich nicht auf die Natur, sondern allein auf den
Geist verlassen, weil der Geist Wunder tut und nicht arbeitet!"
(Gottfried Keller in: Der grüne Heinrich)

Paul Valéry (1871-1945) gehört zu jenen Dichterkollegen, die beginnend mit Baudelaire, Verlaine, Rimbaud und Mallarmé das Bild und die Geschicke der französischen Dichtkunst maßgeblich beeinflusst haben. Der Einfluss, insbesondere der Symbolismus Mallarmés, ging auch in die deutsche Literatur ein, hier über Stefan George, Hugo von Hofmannsthal und auch Rainer Maria Rilke.

Valéry ist von Hause Lyriker und Philosoph. Seine Werke umfassen Prosa, Essays und Lyrik. Sein mit Monsieur Teste intellektuell beobachtetes und vorgestelltes mögliches Ich, sein prosaisches Selbstbildnis ist eine Beschreibung unterschiedlicher Art. Als Essay beginnend, wechselnd in Briefform bis hin zu Aphorismen bleibt Valery auf höchstem intellektuellem Niveau. Dass Valéry als Dichter bestens sein Metier beherrscht, die Fülle seiner Gedanken komprimiert und doch treffsicher in ein Gedicht zu fassen vermag, ist bekannt und vorausgesetzt. Wie er aber hier auf kleinsten Terrain sich so blendend und doch komprimiert entfaltet, dass es nicht der Menge von Worten bedarf, sondern ausschließlich der nahezu mathematischen Präzision der Zusammensetzung von Worten zu den Aussagen, ist eine wunderbare, wenn nicht einmalige Darstellung.

Valéry begann 1896 seinen Teste als Spiegelbild seiner Selbst und experimentierte in Folgejahren an neuen Einfällen. Es scheint fasst, als wenn Teste - und der Name ist Programm - doch tatsächlich den unkritischen Vorlauf weiterer Möglichkeiten des realen Lebens durchlaufen musste. Nicht umsonst formuliert Valery über Teste, dass dieser schon sehr früh die Wichtigkeit der menschlichen Bildsamkeit erkannte hatte. Und wie sehr hat Valery selbst von seiner Formbarkeit geträumt.

Wie die Existenz so eines Exemplars sich "nicht über die Dauer einiger Viertelstunden hinausdehnen" lässt, so wird klar, dass Teste eine nur denkbare Gestalt hat, die letztendlich von Valéry verliehen wurde. Er ist inspiriert vom Leben als Möglichkeit und eigentlich sogar darüber hinaus, wenn er sagt, dass schon die Alltagssprache Vollkommenheiten erwartet, "die außerhalb ihrer Möglichkeiten sind". So verwundert es nicht, wenn er Teste sagen lässt: "Was ich mir selbst Unbekanntes in mir trage, das macht mich erst aus. [...] Meine Mängel sind meine Ausgangstelle. [...] Ich bin der Akt."

So ist Valérys Werk ein Werk der erhöhten intellektuellen Selbstreflexion, eine Überhöhung des Denkens an sich, letztendlich auch die Erkenntnis eines Fühlens, dass sich die Sinne vom Wirklichen, vom Wesen trennen. Es geht ihm darum, dass Leben von Null nach Null zu sehen, sich selbst auf diesem Wege, dem Kreislauf des Lebens, zu begleiten. In letztendlicher Sehweise erfasst er das Leben nur als Möglichkeit und damit als nahezu unerreichbar. Seine Begegnung mit dem Realen liegt im Eventuellen, verbunden mit dem Wunsch: "zeige, dass du bist, wer du zu sein glaubst." Und dann bleibt die Partie mit dem Leben, mit dem Sein an sich, die nur dort gewonnen wird, wo man sich der eigenen Anerkennung als würdig erachtet. Und dieses unendliche Streben nach dem Höheren liegt doch schon bei Kleist, Hölderlin, Nietzsche so nahe und gebiert Unrast ohne Heimat und letztendlich ist alles Erreichte nur weit entfernt von diesem dämonischen Traum. Reales wird niemals genügen.

Valéry erzeugt mit diesem Essay den Grenzraum zwischen Sterben und Werden. Sein Ich gibt er auf im Bilde der neuen Denkseele, die dadurch vom biologischen Körper entkoppelt wird. Valéry hat seinen inneren Beobachter zu solcher Stärke aufgebaut, dass die eigene Existenz verschwindet im fernliegenden Ausgangspunkts des Seins. Mit Teste begreift er sich als einen variablen Punkt im Spiel der Möglichkeitskurven, wie man bei Sloterdijks "Scheintod im Denken" lesen konnte. Teste hat keine Meinungen, sagt Valery, sein Eifern ist belieben. Letztendlich trifft Valérys Aphorismus aus den Cahiers den Zustand am besten: "Er weiß zu viel, um zu leben." Oder anders: Teste ist reiner Intellekt, dem es nicht um die Selbstverwirklichung geht, er möchte vielmehr wie Robert Musils Ulrich als "Mann ohne Eigenschaften" sich in der intensivsten Möglichkeitsform bewahren.

In dieser Grenzzone im vita contemplativa ist jene platonische Besonnenheit, die nicht nur seit Sloterdijk die Arena des Scheintods heißt, bewegt sich Valéry. Wer einmal scheintot war, lesen wir bei Kafkas "Vom Scheintod", hat im Grunde nur etwas Besonderes erlebt und das nicht besondere, das gewöhnliche Leben ist ihm dadurch wertvoller geworden. Nur dem Entscheidenden der erlebten Grenzüberschreitung fehlen die Worte, es lebt durch Erfahrung und Schweigen.

Ein großes Werk, welches sicher etwas abverlangt.
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