"Monpti" ist eine Romanverfilmung des deutschen Regisseurs Helmut Käutner, dem vielleicht einzigen großen Meister des Melodrams, der sich künstlerisch behaupten konnte, obwohl er überwiegend in Deutschland blieb und arbeitete. Weder für 1933-45 noch für die 1950er Jahre hat der deutsche Film einen sonderlich guten Ruf, aber natürlich gibt es Ausnahmen, hier nun ist eine Perle der Nachkriegszeit. Insbesondere zu Beginn muss man jedoch befürchten, alle Vorurteile über den piefigen deutschen Film und vor allem das piefige deutsche Publikum bestätigt zu bekommen. Allzu sehr nimmt Käutner Letzteres als Erzähler ans Händchen; dies wäre nicht nötig gewesen, denn Geschichte wie Bilder und Gestaltung wirken für sich. Ungewöhnlich ist das alles aber schon. Französin Anne-Claire (Romy Schneider, noch sehr unschuldig, aber darin von berührender Kraft) und Ungar Imre (Horst Buchholz, sehr zart, fast naiv, aber ebenfalls von aufrichtigem Gefühl) treffen in Paris aufeinander und sind füreinander bestimmt. Sie nennt in "Monpti", also mon petit, mein Kleiner, und fast wirken beide noch wie Kinder. Sie sind so jung und unbeholfen, dass ihre Beziehung voller Missverständnisse ist, aber das alles verschafft der Liebe auch eine unschuldige Reinheit, die genauso kraftvoll wie berührend ist. Käutner zeigt, dass beides miteinander zusammenhängt, auf absurd-tragikomische Weise miteinander untrennbar verknüpft ist: Wären beide nicht so rein, könnten sie einander nicht so sehr lieben, hätten aber auch nicht die Probleme, die mit ihrer Unentschlossenheit, Unbeholfenheit und mangelnden Abgebrühtheit einhergeht. Was das Ganze zur ausweglosen Tragödie in reiner Form machen könnte - wäre da nicht immer noch die Romanze, die sagt, dass eine solche Liebe dennoch oder vielleicht gerade deshalb wert ist, gelebt und geliebt zu werden.
Daneben gibt es "Monpti", die Komödie! Wie in der Beziehung von Anne-Claire und Imre das Naiv-Unsichere mit dem Intensiven Hand in Hand geht, oder brutal aufeinanderprallt, zeigt Käutner auch künstlerisch: Die absurde, fast slapstickhafte Komödie und die Tragödie gehen ungeschützt ineinander über, das ist gelegentlich wie in Filmen der 1920er Jahre, in deren besten Exemplaren der Mann, über den man lacht, eine unglaublich tragischer, gebeutelter Tropf war (Charlie Chaplin, Buster Keaton, Harold Lloyd). Man hat selten jemanden so Unentschlossenen und Chaotischen gesehen wie Imre, der im wahrsten Sinne des Wortes die seltsamsten Verrenkungen anstellen muss, um Alltagssituationen auch nur ansatzweise zu meistern. Seine Jugend bringt es mit sich, dass er oftmals nicht weiß, was er tut, spontane Handlungen sofort wieder bereut und rückgängig machen will, oftmals Situationen nicht gewachsen ist. Bei Anne-Claire ist es nicht viel anders, man hat selten eine Beziehung von so viel Missverständnissen, Wankelmut und Halbwahrheiten gesehen. Ja hätten sie halt etwas kühlere Köpfe und sagten sie sich immer die Wahrheit - aber wären sie dann überhaupt romantisch, oder vielmehr lieblos und abgebrüht? Letzteres wird nämlich anhand eines "reiferen" Parallelpaares thematisiert, man steigt bis zum Ende nicht ganz durch, Ehebruch, eine ménage à trois, oder ist der männliche Part sogar noch bisexuell und hat eine weitere Beziehung mit einem Mann? Wie dem auch sei, wenn diese Zyniker von "Liebe" reden und es vielleicht sogar ernst meinen, möchte man um nichts in der Welt mit denen tauschen. Viel schöner erscheint da der ganzen Unbill, durch den unsere unschuldigen, tragikomischen Helden müssen. Und - soviel sei verraten - es wird knüppeldicke für die beiden kommen. Dass "Monpti" letztlich dennoch ihre Liebe feiert, dass er trotz aller aus Unsicherheit geborenen Lügen Imre behaupten lässt, Anne-Claire hätte ihn nie belogen: Das macht den Film zu einem reinen Melo-Dram, in dem nicht nur eine Melodie eine leitmotivische Rolle spielt, sondern die tragische Liebe von zweien, die man feiert, gerade weil sie der beiden Untergang herbeiführt. Hier kann keiner ohne den anderen. Dazu bedarf es nicht einmal des körperlichen Liebesaktes, über den für einen deutschen Film von 1957 erstaunlich oft geredet wird, zu dem es aber nie kommt. Was als spießig wirken könnte, ist nur Bestätigung einer alles, alles übersteigenden Liebe, wie es sie im Melodram bereits in der griechischen Mythologie gibt und im Film beispielsweise in "Hold Your Man" (1933), "Wuthering Heights" (1939), "Alle Herrlichkeit auf Erden" (1955) und in ganz ganz vielen Filmen von Douglas Sirk.
Käutner präsentiert dies alles mit erzählerischer Wucht und so manchem Wagnis. Nicht nur findet sich Komisches und Tragisches, auch lässt der Schnitt es gelegentlich unmittelbar aufeinanderprallen. Beispielsweise schneidet der Film von einem (in der Handlung sehr bedeutsamen) Autounfall direkt auf eine laszive Putzfrau, die zu flottem Swing ihren wiggle walk zur Schau stellt (und die - unschuldig - schon der Anstoß zu so manchem Missverständnis zwischen unseren Liebenden war). Farblich hat Käutner ganze Arbeit geleistet, als hätte er bei den delirierenden europäischen Film-Meistern wie Powell/Pressburger, Sirk, oder bei Ophüls' einzigem Farbfilm "Lola Montez" (1955) sehr genau aufgepasst. Das Paris der Dächer und Hinterhöfe, wie es sich Imre bietet, ist grau, seine Wohnung selbst ist bestenfalls ein farbliches Chaos. Wenn er in einer für ihn fremden Welt ist oder wenn ihn ein Gedanke irritiert/quält, wird es besonders chaotisch-quietschbunt. So fällt ihm einmal nichts Besseres ein, als das ausnahmsweise einmal verdiente Geld sogleich auf den Kopf zu hauen, recht ungeschickt in einem Nobelrestaurant, in dem alles glutrot ist, und in dem natürlich auch unser farblich immer recht opulent ausstaffiertes dekadent-resigniertes Parallelpaar sitzt. Ein Slip, der eine wichtige Rolle spielt, ist grün, aber das Kleidungsstück ist wieder nur Anlass von Missverständnissen. Die Farbe der aufkeimenden Gefühle ist genauso falsch wie das Glutrot der Liebe (das uns noch in Vorhängen eines Hausgenossen von Imre oder als "Rotlicht" begegnen wird, wenn Imre Anne-Claire der Prostitution verdächtigt). In ein paar Fantasiesequenzen treibt es Käutner dann noch bunter, von denen die mittlere am interessantesten ist: Sie zeigt mit verfremdenden Weitwinkellinsen einen fast getanzten (und akkurat zur Musik zu sehenden) Kampf zwischen Imre und einem imaginierten Nebenbuhler, wobei Anne-Claire als Hure erscheint. Das alles zeigt recht eindrücklich (und übrigens ohne abmildernde Vorwarnung wie etwa die üblichen Nebelschwaden), wie überzogen und absurd die Phantasien eines Liebenden sind, dessen Unschuld sowohl die Liebe als auch die wirren Gedanken um selbige ins nahezu Unfassbare steigert.
Das Paradoxe, diese Nähe, ja Verquickung vom Schönen und vom Schrecklichen, von Wahrheit und Lüge, von Komik und Tragik, das alles ist so auf die Spitze getrieben, dass nicht einmal die etwas seltsame Vorstellung einer Ente als Haus- und Ausführtier an der Leine stört (man fühlt sich fast an Loriots Tierhandlungssketch erinnert: "Ich hätte gern eine Ente, so als guter Kamerad, mit dem man so richtig durch dick und dünn..."). Wird sich gegen das ganze Chaos die reine Liebe durchsetzen können, für die natürlich die von Anne-Claire bevorzugte Unschuldsfarbe Weiß steht (sowie drei Orangen, die wie eine aufgehende Sonne die Liebe erwecken)? Einen interessanten Hinweis liefert der imdb-Eintrag des Filmes, in dem Horst Buchholz als "Monpti (young)" und Boy Gobert als "Monpti (old)" gelistet wird. Gobert, das ist der Mann des Parallelpaares, dieser desillusionierten, obgleich offensichtlich viel wohlhabenderen Leute. Soll das etwa wirklich zeigen, was aus Imre und Anne-Claire einmal werden könnte? Es wäre konsequent, angesichts dessen das vorzuziehen, was wirklich aus ihnen wird. Was dies ist, verrate ich nicht. Aber es ist die vollkommene melodramatische Konsequenz. Vielleicht ist die Liebe ja wirklich, wie Helmut Käutner sie am Ende nach einem Gedicht nennt: lyrisch in ihrem ideellen Wesen, tragisch in ihrem Geschick, komisch in der Wirklichkeit.