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Monotheismus und die Sprache der Gewalt
 
 
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Monotheismus und die Sprache der Gewalt [Gebundene Ausgabe]

Jan Assmann
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 64 Seiten
  • Verlag: Picus Verlag; Auflage: 1., Aufl. (1. Januar 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3854525168
  • ISBN-13: 978-3854525165
  • Größe und/oder Gewicht: 18 x 12,6 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Jan Assmann
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Angesichts der aktuellen Weltlage, die von einem bislang unbekannten und von niemandem vorausgesehenen Ausmaß von Gewalt bestimmt wird, die sich auf Gott und die heiligen Schriften beruft, begibt sich der Ägyptologe und Kulturtheoretiker Jan Assmann auf die Suche nach dem Zusammenhang zwischen Gewaltbereitschaft und monotheistischen Religionen. Vor allem auf die Exklusivität des einen Gottes sowie das immer wieder beschworene Bild eines eifernden, zürnenden, strafenden Gottes führt der Autor mithilfe von Zitaten aus dem Alten Testament diese Disposition zur Gewalt zurück. Auch wenn es einen Zusammenhang zwischen dem ausschließlichen Wahrheitsbegriff des Monotheismus und der Gewalt in der Sprache gibt, bestreitet Assmann, dass die Gewalt eine dem Monotheismus notwendig eingeschriebene Konsequenz darstelle. Vielmehr entstammt die Gewalt letztlich jenem politischen Druck, aus dem der Monotheismus den Einzelnen befreien will.

Klappentext

Ein kulturwissenschaftlicher Essay zum Zusammenhang von Gewalt und Religion

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32 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Mit diesem Band wird ein Ende 2004 von Jan Assmann in Wien gehaltener Vortrag vorgelegt, der sich mit der Sprache der Gewalt im Alten Testament befasst. Das Problem, das erörtert wird, ist nicht die physische Gewalt, mit der der Monotheismus durchgesetzt wurde, sondern die Funktion des Themas Gewalt in den heiligen Texten (S. 22). Ein in Zeiten des sich auf die Schrift berufenden djihad hochaktuelles und brisantes Thema, dessen sich Assmann aus historischer Perspektive annimmt.

Zunächst definiert Assmann den Monotheismus in seinen Erscheinungsformen. In Abgrenzung zu polytheistischen Religionen seien Judentum, Christentum und Islam exklusive Religionen, die zu gewalttätiger Abgrenzung gegen Andersgläubige auffordern, vor allem aber gegen andere im eigenen Einflussbereich. Der Grund sei die ihnen gemeinsame Devise "Keine anderen Götter!" Es folgt eine Analyse mehrerer Stellen des Alten Testaments, das Assmann als besonders eindrückliches Fallbeispiel für die Gewalt in monotheistischen Religionen dient. Schließlich bespricht Assmann drei dem Monotheismus eigene Phänomene: Performativer Schriftgebrauch, Martyrium und Konversion (S. 46ff.). Er beweist hier wieder einmal, wie er wichtige Gesichtspunkte seines Themas mit wenigen Worten auf den Punkt bringen kann.

Mehrfach sichert sich Assmann gegen Kritik ab, sein Begriff von Monotheismus sei ein "ahistorischer Popanz" (S. 25). Eigentlich ist das kleinformatige Büchlein, das nur 63 Seiten stark ist (der eigentliche Vortrag umfasst sogar nur 40 Seiten) eher eine Quellensammlung und Ergänzung zu zwei anderen Büchern von Assmann, nämlich "Die Mosaische Unterscheidung oder der Preis des Monotheismus" (2000) und "Moses der Ägypter. Entzifferung einer Gedächtnisspur" von 2001. Das ist kein Vorwurf. Aufgrund der für den Verfasser typischen Prägnanz und pointierten Textauswertung ist das Buch ohne weiteres für sich allein verständlich.

Das Vorwort, offensichtlich von einem Kulturpolitiker geschrieben, der in etwas übertriebener Weise auf political correctness bedacht ist, hätte man sich sparen können. Stattdessen wünscht man sich eine Erweiterung der Untersuchung beispielsweise auf den Koran und das Neue Testament. Nichtsdestotrotz ist es das Verdienst des Verlages, eine bedeutsame kulturtheoretische Schrift herausgebracht zu haben, die zur Anschaffung sehr empfohlen werden kann.
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23 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Michael Dienstbier TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
"Die Sprache der Gewalt in den heiligen Schriften der Juden, Christen, Muslime und vieler anderer auf einen exklusiven Wahrheitsbegriff gegründeter Religion ist ein Phänomen, das zunächst einmal jenseits aller Kritik und Polemik verstanden werden will und das umso mehr, als, wie gesagt, die heutige Welt in bislang unbekanntem und von niemanden vorhergesehenem Umfang von Gewalt heimgesucht wird, die sich auf Gott und die heiligen Schriften beruft" (20).

In seinem Vortrag "Monotheismus und die Sprache der Gewalt", den der Ägyptologe und Kulturtheoretiker 2006 im Wieder Rathaus gehalten hat, analysiert Jan Assmann, wie die Gewaltexzesse in Alten und Neuen Testament zu interpretieren sind. Assmanns These ist, "dass sich die monotheistische Gewalt vor allem nach innen wendet und nicht nacht außen" (40). Die zahlreichen Massaker, die vor allem die Tora, also die ersten fünf Bücher Mose, durchziehen, seien nicht als Aufruf zu Gewalt gegen Andersgläubige, sondern vielmehr metaphorisch gegen Abweichler in den eigenen Reihen zu verstehen. Die Radikalität lasse sich aus der historischen Ausnahmesituation der jüdischen Gefangenschaft in Ägypten verstehen, die es unbedingt notwendig machte, die jüdische Identität mit allen Mitteln zu bewahren.

Das Problem sei aber, dass dieses ursprüngliche Bedeutungsschema im heutigen kulturellen Gedächtnis kaum mehr eine Rolle spiele, so dass die Gewaltszenen nun als Rechtfertigung zur Gewalt gegenüber Andersgläubigen herangezogen werden: "Die Sprache der Gewalt wird als eine Ressource im politischen Machtkampf missbraucht" (60) schlussfolgert Assmann. Daher sei es so wichtig, die historische Entwicklung dieser Texte nachzuvollziehen und sich bewusst zu machen.

Fazit: Nach seinen beiden Darstellungen "Moses der Ägypter" und "Die Mosaische Unterscheidung" ist Assmann heftig kritisiert worden. Er habe den monotheistischen Religionen den Krieg erklärt, hieß es des Öfteren. Dieser Vorwurf lässt sich hier nicht erneuern. Sachlich und präzise analysiert er die gewalttätige Sprache der Bibel und rekonstruiert ihren historischen Entwicklungsprozess. Dank der Kürze ist die Darstellung für jeden an der Thematik Interessierten zu empfehlen.
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Format:Gebundene Ausgabe
Der Autor erläutert in diesem höchst interessanten Vortrag, dass "die Gewalt dem Monotheismus nicht als notwendige Konsequenz eingeschrieben ist." (S. 56) sowie dass "die Sprache der Gewalt dem politischen Druck entstammt, aus dem der Monotheismus gerade befreien will" (S. 56). Daraus folgert er, abschliessend: "Die Sprache der Gewalt, wird als eine Ressource im politischen Machtkampf missbraucht (...). Daher kommt est darauf han, die Motive zu historisieren, indem man sie in ihre Ursprungssituation zurückführt." (S. 57).

Das ist sicher richtig, und die "historisierenden" Erläuterungen im Vortrag sind ein geistreicher Beitrag zu einer plausiblen Entstehungsgeschichte der monotheistischen Semantik. Leider ist Geschichte aber nur Rohmaterial; man könnte sagen: ein Müllhaufen, worin jeder nach Belieben nach Ideen und Weltanschauungen wühlt. Daraus wird eine imaginäre Welt konstruiert, die mit der Vergangenheit eine gewisse Ähnlichkeit haben mag, oder auch nicht. Schaut euch den Begriff "ground zero" an: 1945 bezeichnete dieser Begriff Hiroshima, und potentiell eine amerikanische Schande. Dieser Begriff wurd nun auf die beiden WTT angewandt, und als Symbol unschuldigen amerikanischen Leidens umgepolt The War Complex: World War II in Our Time. Proximität ist nie automatisch Kausalität.

Die Feststellung des Historikers "so war es damals nicht" dürfte in der politischen Auseinandersetzung wenig Gewicht tragen (das bewiest der Streit um des Propheten Bart betr. des Begriffs "djihad" - den gewisse Zeloten kämpferisch, statt eifernd, deuten). Übrigens all dies hatte Dostojevski bereits Jesus durch den Grossen Inquisitor sagen lassen. Als "historisierender" Vortrag ist somit der Text interessant. Was man damit praktisch machen kann, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

Und ich will nicht davon sprechen, dass für den monotheistischen Gläubiger die Schrift göttlichen Ursprungs ist - mit Historizität hat für sie das Wort Gottes schon gar nichts zu tun. Eine "historische" Auslegung würde nicht zur Kenntnis genommen, so wie z.B. die katholische Kirche die Tatsache nicht war haben will, dass die "Jungfrau" Maria auf ein Übersetzungsfehler eines Textes von Isaiah zurückzuführen ist.

Der Autor scheut das Wort "Monolatrie" bis zum Schluss, und reiht somit die traditionelle jüdische Religion unter den Monotheismen ein. Da bin ich nicht einverstanden. Die "Eifersucht" Gottes (S. 33) lässt sich nur und ausschliesslich aus der Sicht der Monolathrie verstehen, wo es unter Göttern eine rege Konkurrenz gibt. Die Dreifaltigkeit und Allah sind nicht eifersüchtig, weil sie eben keine Konkurrenz haben. Gleichstellung der drei Religionen ist umsomehr problematisch, als der Judaismus die Offenbarung Gottes an den mythischen Anfang stellt - Gott zieht sich darnach allmählich aus dem Geschäft zurück - während die beiden anderen Monotheismen die Präsenz Gottes (oder seines Stellvertreters) in die damalige historische Gegenwart stellten. Das ist eine Umkehrung des Modells - dafür wäre eine Erklärung nötig. Und da ich gerade dabei bin: Die Jüdische Religion hat klare tribale Grenzen, und Bekehrungen wurden still behandelt (siehe Die Erfindung des jüdischen Volkes: Israels Gründungsmythos auf dem Prüfstand). Die beiden anderen Monotheismen hingegen stellten, im Gegensatz dazu, den universellen Charakter ihrer Religion im Mittelpunkt. Zu diesen beiden zentralen Punkten gibt der Autor keine Antwort - und der Text muss deshalb als "unvollständig" taxiert werden.

Die Glaubwürdigkeitsfrage des Buches hat mit dem Begriff "historisieren" zu tun. Sachliche Kausalzusammenhänge in der Geschichte festzustellen ist schwierig genug. In der Kulturgeschichte ist dies rundweg unmöglich. Es handelt sich dabei durchwegs um persöhnlich-subjektive Konstrukte, die dann von Zeitgenossen übernommen und legitimiert, dann bei jeder Generation neu vertanden, angereichtert, verdreht, zensuriert wurden - da kann man Alles und dessen Gegenteil behaupten - solang's nur geistreich ist. Kommt dazu, dass Kultur keine Grenzen kennt und bei ihren Wanderungen keine feststellbare Markierungen hinterlässt. Plausibilität ist das beste, was man so machen kann. Menschen sind dazu veranlagt oder verdammt, einander Geschichten zu erzählen. Aber auch schöne, oder plausible Geschichten haben nicht notwendigerweise Wahrheitsgehalt, und verdienen den Rang "Historisierung" nicht.

Wieso die jüdische Monolatrie entstand? Hier meine Hypothese. Palestina wurde von Gruppen besiedelt, die aus der Kanaanischen Ebene allmählich in die benachbarten Hügeln zogen, nachdem sie die nötigen Überlebenstechnologien entwickelt hatten (Archeologen würden dies für durchaus möglich halten). Weil es sich hier um Gruppen, und nicht Sippen gehandelt haben mag, wurde ein kultureller, anstatt eines genetischen, Kitt entwickelt, der das Gruppen-Mosaik zum Volk machte. Mehr braucht's eigentlich nicht, davon kann man das Meiste ableiten. Ob die aegyptische" Erfahrung direkt, indirekt (durch generelle kuturelle Diffusion), partiell war - oder ganz erfunden: Das kann man alles getrost beiseite legen.

"Natura non facit saltus" sowie "cultura facit saltus" (übrigens die kanonische Leibnitzer Formula sagt "saltum"): Dieser Gegensatz wird dem Vortrag zugrunde gelegt. Der erste Text stammt aus pre-evolutionärer Zeit, und ist, heute gesehen, evolutionsgeschichtlich problematisch. Es stimmt, dass der natürliche Anpassungsprozess an die Umwelt allmählich erfolgt. Die Änderung der (mir dem Anpassungsprozess dialektisch wirkenden) Umwelt selbst kann aber brutal rasch erfolgen: Kommt ein Meteorit daher, und schon sind abends alle Dinosaurier weg. Derartige Dissonanzen oder "Sprünge" erlauben uns, die geologische Vergangenheit zu unterteilen.

"Cultura facit saltum". Was die Kultur anbelangt: da gibt's einfach Alles. Gewisse fundamentale Änderungen erfolgen unmerklich langsam und sogar unbewusst, so bei Familiensysthemen, oder in der Bevölkerungsdynamik (Die allgemeine Lese- und Schreibefähigkeit dürfte zu den fundamentalsten Errungenschaften der Menschheit gehören. In Vergleich ist die von Braudel als "histoire évenimentielle" Geschichte reine Makulatur. Jedermann weiss, wann Amerika entdeckt wurde. Wer weiss, wann ungefähr sich in seinem Land diese Fähigkeit durchgesetzt hat?) In anderen Fällen geht's rasant - Manien gibt es nicht nur an der Börse. Die Festellung ist somit inhaltsleer. Zentral ist überdies, dass es sich hier unweigerlich um Rezeptionsgeschichte handelt; auf Rezeption können Gesetze der Geschichtsschreibung nicht einfach extrapoliert werden, denn dort is alles subjektiv (jeder rezipiert im stillen Kämmerlein).

"Das umstürzend Neue aus dem exklusiven Monotheismus ist, dass er nicht nur Sache des Kults und vielleicht auch des allgemeinen Weltverhältnisses ist, sondern die gesamte Lebensführung (...) regeln will." (S. 46). So umstürzend neu ist dies auch wieder nicht: Schon bevor 1000 v.Ch. hatte das chinesische Weltbild echt ethische Regeln für Jedenmann - ohne Monotheismus.
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