Herbert Rosendorfer wurde 1934 in Gries/Bozen geboren, zog 1939 nach München. Von der Akademie der Bildenden Künste wechselte er zur Juristerei. Als Staatsanwalt und später Amtsrichter begann er mit dem schreiben von Romanen und Erzählungen. Als Professor für bayerische Literaturgeschichte erhielt er 1999 den Literaturpreis der Stadt München. Sein Auflagen stärkstes Buch war "Briefe in die chinesische Vergangenheit". In seinem Buch "Großes Solo für Anton" erweist er sich ebenso, wie in dem kürzlich erschienenen Buch "Monolog in Schwarz", als erfindungsreicher Fabulant.
Herbert Rosendorfer erzählt die 15 Geschichten dieses schmalen Buches meisterhaft und versteht es wieder einmal den Leser mit schwarzem Humor und absonderlichen Begebenheiten zu unterhalten. Dabei geht es bei den allzu menschlichen Geschichten um ersonnene Begebenheiten aus unserem Alltag, die der Autor, dem Leser erlebnisreich und zuweilen satirisch, vor Augen führt. Hinter den scheinbar unzähligen skurrilen Absurditäten verbergen sich, geistreich vorgetragen, zweifellos viele Probleme unserer Zeit, die Herbert Rosendorfer messescharf beobachtet und ungeschönt bei Namen nennt.
Wie gesagt, die Freunde des schwarzen Humors kommen gewiss voll auf ihre Kosten, wenn der Autor erzählt wie ein Totbeter unliebsame Zeitgenossen aus dem Leben befördert; ein Chemiker Hunde, die ständig bellen, explodieren lässt; ein monologisierender Kunstprofessor zu der unglaublichen Erkenntnis kommt "nur das, was Kunst ist, ist nicht Kunst"; ein Staatsanwalt aus lauter Frust mordet; wie ein Omnibusfahrer das Positive seines Spätschichtjobs darin sieht, genug Zeit zu haben, um vor dem Dienst zehn Glas Weißbier zu trinken; ein armer Straßenmusikant seinen Mitstreiter betrügt und dann aus dessen Leben verschwindet; ein Adliger in einfachen Hotels absteigt, um sich an der Schuhpoliermaschine kostenlos die Haare zu färben und schließlich erfahren wir, dass Jesus in Deutschland in unseren Tagen nicht zur Welt kommen könnte, weil eine Obdach suchende hochschwangere türkische Frau in Begleitung ihres Mann am Heiligabend überall abgewiesen wird.
Herbert Rosendorfer ist nicht nur ein brillanter Beobachter von Mensch und Umwelt, er ist ein wahres Energiebündel an nicht enden wollender Phantasie. Bei der kurzweiligen Lektüre habe ich nicht nur geschmunzelt, sondern von Zeit zu Zeit laut gelacht. Ich kann dieses Buch mit Nachdruck empfehlen auch wegen der extrem somnambulen Klarsichtigkeit des Schreibstils.