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Der Monolog der Lautsprecher und andere Geschichten aus dem geteilten Berlin
 
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Der Monolog der Lautsprecher und andere Geschichten aus dem geteilten Berlin [Broschiert]

Peter Pragal , Eckart D. Stratenschulte
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Produktinformation

  • Broschiert: 184 Seiten
  • Verlag: dtv (1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423361492
  • ISBN-13: 978-3423361491
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12,4 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 985.791 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Peter Pragal
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Berlin vor dem Mauerfall: Für das Tragen eines scharfen Küchenmessers kann man nach alliiertem Recht (theoretisch) mit dem Tode bestraft werden. Die Besetzer des in West-Berlin gelegenen, offiziell aber zu Ost-Berlin gehörigen Lénne-Dreiecks flüchten vor West-Berliner Polizisten über die Mauer in den Osten und werden von dort wohlbehalten wieder in den Westn eskortiert. Ost und West liefern sich über Jahre einen Lautsprecher-Krieg an der Mauer. Das Leben in Berlin vor 1989 hatte einige Besonderheiten zu bieten, die aus heutiger Sicht fast schon unglaublich erscheinen. Die Autoren haben diese spannenden, tragischen, im Rückblick oft auch komischen Geschichten zusammengetragen und lassen so die Zeit vor 1989 wieder lebendig erscheinen.

Peter Pragal, geboren 1939 in Breslau. Studium der Publizistik und Politologie in Münster und München. 1966 Redaktionsmitglied der ›Süddeutschen Zeitung‹; 1974 bis 1979 DDR-Korrespondent in Ost-Berlin; 1979 Wechsel zum ›Stern‹. Korrespondent und Büroleiter in Bonn. Von 1984 bis 1990 erneut Korrespondent in Ost-Berlin. 1991 Wechsel zur ›Berliner Zeitung‹. Mitherausgeber des ›Stern‹-Buches ›40 Jahre DDR‹.

Eckart D. Stratenschulte, Jahrgang 1952, Diplomsoziologe und Dr. phil., ist Leiter der Europäischen Akademie in Berlin. Er lebt seit über zwanzig Jahren dort und hat zahlreiche Veröffentlichungen über Berlin vorgelegt, u.a. die ›Kleine Geschichte Berlins‹ (dtv 8383).EXCERPT: Massenflucht in den OstenKurz vor fünf Uhr, wenige Minuten nach Sonnenaufgang, rückte die Staatsmacht mit neun Hundertschaften an. Von den Mannschaftswagen sprangen Polizeibeamte mit Schutzhelmen und umstellten das Gelände. Spezialtrupps machten sich daran, Sperrzäune zu zerschneiden. Wasserwerfer gingen in Stellung, gepanzerte Fahrzeuge setzten sich in Bewegung, um Hindernisse wegzuräumen. Über Lautsprecher wurden die Besetzer aufgefordert, das Areal zu verlassen.Die meisten folgten dem Appell, freilich auf höchst ungewöhnliche Weise. Über selbstgezimmerte Leitern und übereinandergetürmte Metallgitter kletterten sie auf die Mauerkrone und ließen sich auf der Betonröhre in vier Metern Höhe nieder - unerreichbar für die Ordnungshüter im Westen. »Oben bleiben. Noch nicht springen«, rief ein Grenztruppen- Offizier.Auf der Ost-Berliner Seite rumpelten Armee-Wagen heran, Soldaten legten Sprungmatten aus. »Jetzt«, kommandierte ein Uniformierter. Dann sprang einer nach dem anderen Hinab. Insgesamt 182 Personen, wie die Besatzung eines britischen Militärhubschraubers zählte. Man schrieb den 1. Juli 1988. Ein denkwürdiger Tag: Zum ersten Mal in der Geschichte der geteilten Stadt wurden Berliner und Alliierte Zeugen einer Massenflucht von West nach Ost.»Die ganze Aktion hat vielleicht 20 Minuten gedauert«, erinnert sich Stephan Noé. Er gehörte zu denen, die nicht wegliefen. Die DDR, in seinen Augen »ein repressiver Staat«, hatte gegen den damaligen Charlottenburger Bezirksverordneten der Alternativen Liste ein Einreiseverbot verhängt. Noé wartete darauf, von der West-Berliner Polizei festgenommen zu werden. Aber die war klug genug, den designierten Pressesprecher der AL-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus unbehelligt zu lassen. »Darüber«, meint er rückblickend, »habe ich mich tierisch geärgert.«Die Erwartung, daß man gerade ihn greifen würde, leitete Noé aus seiner Funktion ab. Er war Sprecher der Besetzer des Lenné-Dreiecks, eines bunten Völkchens aus Umweltschützern und Alternativen, Punks und Autonomen. Zeitweise mehr als 300 Personen, die fünf Wochen lang auf einem vier Hektar großen »Niemandsland« zwischen Ost und West kampierten. »Manche fanden es bescheuert, sich ausgerechnet einen AL-Heini zu nehmen«, sagt Noé. »Aber ich war einer der quatschen konnte und der Kontakte hatte.« Also machte er den Verbindungsmann zu den Medien, zu den Politikern, teilweise auch zur Polizei.Das Gebiet, das sich die jungen Leute für ihre Aktion aussuchten, war in der Vier-Sektoren-Stadt ein Kuriosum. Nur wenige hundert Meter vom Potsdamer Platz gelegen, gehörte es zum Ost-Berliner Stadtbezirk Mitte. Wie ein spitzes Dreieck, dessen Schenkel die Lenné- und die Bellevuestraße bildeten, ragte es in den West-Berliner Bezirk Tiergarten. Beim Mauerbau hatte die DDR diesen Flecken ausgespart. Er blieb, rechtlich zum Ost-Sektor gehörend, westlich der Mauer. So wurde er zum Brachland, zum Biotop mit einer Vielfalt seltener Pflanzen.Jahrelang hatte der Senat versucht, diesen toten Winkel westlich des »antiimperialistischen Schutzwalles« der DDR abzukaufen, unter anderem deshalb, weil man durch diesen Streifen eine Schnellstraße entlang der Demarkationslinie bauen wollte. Doch erst im März 1988 kam der Deal zustande. Im Rahmen eines umfassenden Gebietsaustausches wurde vereinbart, daß das Lenné-Dreieck mit Wirkung vom 1. Juli zu Berlin (West) gehört.Kaum hatten DDR-Grenzer den Zaun um das Areal abgerissen, ließen sich am 26. Mai Naturschützer und Mitglieder der Bürgerinitiative Westtangente darauf nieder, um die Senatspläne zu verhindern. »Es war eine Mischung aus ökologischem Ansinnen und bewußter Provokation«, beschreibt Noé die damaligen Motive. Zugleich kamen aber auch Leute, denen es weniger um den Erhalt der Flora als um die Demonstration einer »alternativen Lebensart« und um den Protest gegen das kapitalistische System ging: Anarchisten, Autonome, Aktivisten aus der Kreuzberger Szene. »Für viele war das ein Abenteuerspielplatz.«Anfangs waren DDR-Wachsoldaten durch die Grenzanlage gekommen und hatten versucht, die ersten Landnehmer abzudrängen. Doch schon bald ließ man die Besetzer gewähren. Auch als diese begannen, Zelte zu errichten, Hütten zu bauen und Beete anzulegen. »Die Grenzer standen auf ihren Leitern hinter der Mauer und guckten, was Sache war«, erzählt Noé. »Es gab auch Trupps, die fotografierten und filmten.« Ansonsten beschränkte sich die Kommunikation auf kurze, belanglose Gespräche.Gleich zu Beginn hatten die Polit-Camper das Flurstück umbenannt. Aus dem Lenné-Dreieck, für das ein preußischer Gartenbaudirektor Pate gestanden hatte, wurde das »Norbert-Kubat-Dreieck«. So hieß ein junger Autonomer, der im Jahr zuvor bei Krawallen festgenommen worden war und im Gefängnis Selbstmord begangen hatte.»Falls Ihr Bock auf Sommer, Leben. Lachen und Streiten habt«, so warben die Besetzer in einem Flugblatt, »dann kommt gefälligst her, damit wir den Platz halten können.« Das Echo blieb nicht aus. Tag für Tag kam Verstärkung aus der linksalternativen Szene. Nicht nur aus Berlin, sondern auch aus Westdeutschland. Unter ihnen Leute, die keinen festen Wohnsitz hatten. Aber auch solche, die morgens zur Arbeit gingen. Noé: »Bei allen Unterschieden gab es einen Minimalkonsens: dieses Gelände gehört uns. Da wollen wir nicht weg.«Zug um Zug wurde das Lager zu einer Art Wehrdorf ausgebaut. Aus Furcht vor Neonazis und Polizisten hoben die Besetzer um die rund 30 Behausungen Gräben aus, legten Erdwälle an und errichteten Barrikaden. Es gab eine (zu einem späteren Zeitpunkt) Volxküche«, ein »Rudi-Dutschke-Haus« und einen Angerweg namens »Pesttangente«. Über der Siedlung, zu der auch ein Wachtturm gehörte, wehte eine schwarze Piratenflagge.(...)Eine Weile schaute der CDU/FDP-Senat diesem Treiben ohnmächtig zu. Solange der Vertrag über den Flächenaustausch noch nicht in Kraft war, durfte kein West-Berliner Polizist das Lenné-Dreieck betreten. »Keinerlei Zugriff haben, sich von den Besetzern auf der Nase herumtanzen lassen - das war für die Regierenden im Schöneberger Rathaus ein Problem«, räumt Noé ein. Zumal die Beschaffung von Baumaterial nicht ganz astrein war: »Der Vorwurf, es habe eine Begleit-Kriminalität gegeben, war nicht von der Hand zu weisen.«Davon überzeugt, daß es sich bei der Mehrzahl der Besetzte nicht um Naturschützer, sondern »Verfasungsfeinde« handelte, ließ Innensenator Wilhelm Kewenig zwei Wochen nach Beginn der Okkupation das Lenné-Dreieck einzäunen. Angeblich, weil man Munition aus dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gelände vermutete und die Bevölkerung nicht gefährden wollte. In Wahrheit ging es ihm darum, den Ausbau des Camps und den weiteren Zuzug von Besetzern zu erschweren.(...)Je massiver die Polizei ihre Präsenz um das Gelände verstärkte, desto militanter wurde im Besetzer-Dorf die Stimmung. Vergeblich versuchten friedliche Öko-Freaks, »hirnlose Steineschmeißer« von Gewalttaten abzuhalten, die die Uniformierten mit Pflastersteinen und Stahlkugeln attackierten. Diese revanchierten sich mit Beschuß aus ihren Wasserkannen. Noé: »Das hat sich hochgeschaukelt.«Die Scharmützel eskalierten zum Kleinkrieg. Nachts traktierten Polizeibeamte die Besetzter mit unerträglich lauter Musik. Entnervt gingen etliche Besetzer vom Gelände, um sich tagsüber zu Hause richtig auszuschlafen. Auch Noé ist zwischendurch zum Duschen und zum Wechseln der durchnäßten Kleider in seine Wohnung gefahren. »Man mußte ständig neue Klamotten ranschaffen.«Immer härter und aggressiver wurde die Auseinandersetzung. Besetzer griffen zu Brandflaschen, Zwillen und Feuerwerkskörpern, die Staatsmacht schoß mit Tränengas. Es gab Verletzte auf beiden Seiten. Nach einem fast zweistündigen Patronenhagel wurde es den Ost-Grenzern zuviel. Ein Offizier, vorm Gesicht eine Atemschutz-Maske, forderte per Megaphon die West-Polizei auf, den Beschuß des Hoheitsgebietes der DDR »unverzüglich einzustellen«.Je näher der 1. Juli kam, desto mehr wurde den Besetzern bewußt, daß die Tage ihrer »polizeifreien Zone« gezählt waren. Daß der Senat das autonome Dorf räumen würde, war allen Beteiligten klar. »Nächste Woche kommen wir rüber«, riefen einige den DDR-Grenzern zu. »Das laßt man schön bleiben«, kam es prompt zurück.Was die östlichen Machthaber letztlich veranlaßt hat, den bedrängten Besetzern zu helfen, ist auch Noé nicht klar. Vielleicht die Chance, vor einer breiten Öffentlichkeit als Retter in der Not zu erscheinen. Vielleicht aber auch die günstige Gelegenheit, dem Senat als Verantwortlichen eines »repressiven Polizeiapparates« vorzuführen. »Jedenfalls denke ich nicht, daß dies aus reiner Nächstenliebe passiert ist.«(...)

Autorenportrait

Eckart D. Stratenschulte, Jahrgang 1952, Diplomsoziologe und Dr. phil., ist Leiter der Europäischen Akademie in Berlin. Er lebt seit über zwanzig Jahren dort und hat zahlreiche Veröffentlichungen über Berlin vorgelegt, u.a. die "Kleine Geschichte Berlins". Peter Pragal, geboren 1939 in Breslau. Studium der Publizistik und Politologie in Münster und München. 1966 Redaktionsmitglied der "Süddeutschen Zeitung"; 1974 bis 1979 DDR-Korrespondent in Ost-Berlin; 1979 Wechsel zum "Stern". Korrespondent und Büroleiter in Bonn. Von 1984 bis 1990 erneut Korrespondent in Ost-Berlin. 1991 Wechsel zur "Berliner Zeitung". Mitherausgeber des "Stern"-Buches "40 Jahre DDR".

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Format:Broschiert
Die Autoren haben Zeitzeugen des geteilten Berlins befragt und erzählen spannende und machmal auch absurde Geschichten die sich zwischen 1948 und 1989 ereignet haben. Es wird davon berichtet, was einige Jahrzehnte lang Wirklichkeit in Berlin war.
Es geht um Abwässerbeseitigung, Verfassungsrechte, oder auch um die Frage, wie ein kleiner Junge hätte gerettet werden können, der beim Spielen in die Spree gefallen ist.
Aus allem wird erkennbar, mit welchen Problem die Stadt in der Zeit der Teilung fertigwerden mußte.
Ein lesenswertes Buch für Berliner und Interessierte aus allen Generationen.
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