Ich mag Konzeption, Stil und Thematik der "Reiseberichte" von Dr.Carmen Rohrbach sehr, die übrigens durch den Verlag Frederking & Thaler in einem absolut passenden, würdigen Rahmen dargeboten werden.
Was ist das Besondere an diesen Schilderungen?
Zunächst: alle ihre Reisen sind bestens vorbereitet durch Literaturstudium und jahrelange Vorarbeiten, immer auch den Versuch, die Landessprache (ein wenig) zu lernen und vor allem, viel Zeit zu haben. Die Autorin ist insgesamt etwa ein 3/4 Jahr mit dem Auto, auf dem Rücken der Pferde oder zu Fuß, in Gruppen, mit Begleiter(n) oder allein kreuz und quer durch dieses riesige Land gereist. Dabei ist es ihr wichtig, die Menschen in ihrem Lebensraum zu besuchen, sie zu verstehen und einfach mit ihnen zu leben und zusammen zu sein. So entstehen Freundschaften und wir werden Zeugen bewegender Begegnungen. Sie nimmt uns einfach mit auf ihren Pfaden und versteht es, Stimmungen, Erlebnisse und Erfahrungen so zu schildern, dass wir wirklich dabei sind und sozusagen hautnahe miterleben, was sie uns da so alles zeigt. Das schließt ein wenig von der bedrückenden jüngeren Geschichte dieses Volkes ein, geht dann über in die sehr intensive Schilderung der Natur, der Landschaft, der Tiere und vor allem der Menschen, die in ihren Jurten leben und als Nomaden mit ihren Viehherden immer wieder neue Weidegründe suchen. Wir besuchen Schamanen, dann ein fast ausgestorbenes Völkchen im Norden der Mongolei, halten uns in Klöstern auf, natürlich in der Hauptstadt und kommen schließlich durch wilde absolut menschenleere Regionen.
Als Biologin versteht sie es, uns so ganz nebenbei eine Menge an Wissen zu vermitteln über die Tiere, die ihr über den Weg laufen und die wir ohne sie ganz sicher gar nicht wahrgenommen hätten. Oder wir erleben den überraschenden Moment, als sie zufällig einen Fachkongress in der Hauptstadt Ulaan Baatar besucht und feststellt, dass er just von der Uni Halle ausgerichtet wird, und zwar genau von jenem Institut, an dem sie vor 30 Jahren studiert hatte und mit dem sie schon damals in die Mongolei reisen wollte, was aber zu diesem Zeitpunkt abgelehnt wurde.
Für uns Eilige, die wir in wenigen Tagen oder allenfalls Wochen ein fremdes Land oder eine Stadt "touristisch abarbeiten" ist dieses Buch ein Lehrstück, ein Vorbild und - natürlich - eine unverzichtbare Ergänzung, sollte uns der Weg wirklich einmsal hierhin in die Mongolei führen. Etwa 30 Bilder dokumentieren und komplettieren den Text.
Soll ich Ihnen sagen, worüber ich mich besonders freue? Derzeit ist C.Rohrbach in Südamerika: ziemlich sicher werde ich mich daher im nächsten Jahr wieder an einem weiteren dieser wundervollen Bücher begeistern können.....