Will man dem Klappentext des Umschlags Glauben schenken, so kann Daniel Wildenstein als DIE Kapazität für die Kunstgeschichte des Impressionismus und speziell für das Leben und Werk Claude Monets gelten. Vorliegendes Buch scheint diesen Anspruch zu rechtfertigen. Der Band stellt eine umfangreiche, detaillierte und reich bebilderte Biographie Monets aus Wildensteins Feder dar. Es ist faszinierend, mit welcher Akribie Wildenstein Monets Leben bis in kleinste Einzelheiten rekonstruiert, immer auf der Suche nach Spuren, die die bedeutsamen Wendungen seines Lebens, seiner Persönlichkeit und seiner künstlerischen Entwicklung markieren könnten. Schier verblüffend ist die umfassende Quellenkenntnis Wildensteins, aber auch seine Quellenkritik: er weiß, die vielen, nur zu oft einander widersprechenden Stimmen, Aussagen und Urteile der Zeitgenossen Monets wie auch Monets Bekenntnisse selbst ins rechte Licht zu rücken und ihrer Glaubwürdigkeit gemäß zu werten. Zahlreiche Fehlschlüsse und Vorurteile in der Vita Monets werden so ausgeräumt. Der Text ist flüssig und sehr gut geschrieben, man wird gefesselt von der präsentierten Persönlichkeit. Die Abbildungen und überhaupt die ganze Aufmachung des Bandes sind sehr hochwertig. Ein rundum gelungenes Buch!!!
Einen einzigen Kritikpunkt gibt es: das Buch ist eine Biographie, und so befasst es sich mit der eigentlichen Kunst Monets und deren kunsthistorischen Bedeutung nur in zweiter Linie. Will man mehr über die einzelnen Werke Monets erfahren, wird man auf Schritt und Tritt mit Kennnummern auf das ebenfalls von Wildenstein verfasste vollständige Werkeverzeichnis Monets verwiesen. Dieses Werkeverzeichnis nun sollen die Bände 2 bis 4 eines umfassenden Opus' über Monet darstellen, von dem vorliegende Biographie Band 1 ist (siehe Vorwort; "Band 1" ist auch auf dem Buchrücken eingeprägt). Diese Bände 2 bis 4 scheint es jedoch noch nicht oder nicht mehr zu geben. Das schränkt den Genuss der Biographie leider erheblich ein, da die Informationen zu den einzelnen Bildern, wie schon gesagt, relativ marginal sind.
Deshalb nur 4 Sterne. Aber trotzdem: für einen Neuling auf dem Gebiet Monet wie mich ist dieses Buch eine echte Offenbarung und unbedingt lesenswert!