Ildikó von Kürthy's Roman „Mondscheintarif" ist, wie es schon Wolfgang Joop auf der Rückseite des Buches beschrieb, ein Angriff auf die Lachmuskeln. War ich anfangs noch voll der Skepsis, dass es sich hier wieder um einen typischen „Frauenroman" handelt, so fing ich nach ein paar Seiten lauthals zu lachen an. Der ironische Unterton in diesem Roman ist einfach köstlich.
Der Roman ist in zwei Erzählebenen geschrieben: Einmal in der Gegenwart, einer Zeitspanne zwischen 17:12 Uhr und 00:01 Uhr, in der die Protagonistin Cora Hübsch, auf einen Anruf von Dr. med. Daniel Hofmann wartet. Und zum anderen in der Vergangenheit, in der beschrieben wird, wie die beiden sich kennen gelernt haben und wie sich die ganze Geschichte bis zu dem erwarteten Anruf entwickelt hat.
Das herrliche an diesem Roman ist der Monolog von Cora Hübsch. Die Art und Weise, wie sie ironisch über die Dinge „nachdenkt", während sie auf den Anruf von Daniel Hofmann wartet. Wenn man sich dann irgendwann fragt, warum sie denn nicht einfach den Hörer in die Hand nimmt, erfährt man auf Seite 51 den Grund: „Verliebtsein ist Marketing. Wenn du irgendwann geliebt wirst, dann kannst du so sein, wie du bist. Aber bis dahin musst du bestimmte Spielregeln einhalten, um dich für die zweite Runde zu qualifizieren. Und eine dieser Spielregeln lautet ganz klar: Nach dem ersten Sex rufst du ihn nicht an. Nie. Unter keinen Umständen." Und noch schöner wird es dann mit „Ein Mann fühlt sich seiner Männlichkeit beraubt, wenn eine Frau ihm zuvorkommt. Die Stunden oder Tage, die zwischen dem ersten Sex und seinem nächsten Anruf liegen, sind die einzige Zeit, in der das Männchen Herr der Lage ist."
Und so erfahren wir über frühere Lover von Cora Hübsch, wie sich das Telefonieren zu früher, als man noch bei den Eltern wohnte und es keinen Anrufbeantworter gab, verändert hat. Wir erfahren ihre Meinung über Epilationsgeräte („Leichtes Unbehagen nach der ersten Anwendung des Gerätes...das ich nicht lache. Genauso könnte man sagen, die Entfernung eines Blinddarms ohne Narkose würde bloß ein wenig ziepen..."), Wolfgang Petry, die Parfümerie Douglas („Bei Douglas Make-up zu kaufen ist, als würde man in der Wäscheabteilung von Cindy Crawford bedient.") u.a. Am Ende gibt es dann eine sehr überraschende Wendung des Ganzen und ein Happy End. Das Buch zu lesen, macht einfach Spass und daher 5 Sterne.