Aus der Amazon.de-Redaktion
Cora Hübsch (Gruschenka Stevens) ist mit ihren Nerven so ziemlich am Ende. Am Mittwoch hat sie zum ersten Mal mit Daniel (Tim Bergmann) geschlafen. Da war sie sich ganz sicher, dass sie mit dem jungen Arzt nun endlich den Mann ihres Lebens gefunden hat. Nur ist es jetzt schon Samstagnachmittag, und er hat immer noch nicht angerufen. Und da alle ihre Freundinnen und Freunde Cora gesagt haben, dass er sich entweder innerhalb von drei Tagen oder gar nicht mehr bei ihr melden wird, starrt sie nun wie gebannt auf ihr Telefon. Als könnte ein mal flehentlicher, mal wütender und dann wieder verzweifelter Blick das ersehnte Klingeln erzwingen.
Anders als selbst die bisher besten deutschen Beziehungskomödien geht Huettners romantische Farce immer einen Schritt zu weit und trifft damit buchstäblich ins Schwarze. Wie Ally McBeal oder auch Bridget Jones Schokolade zum Frühstück begegnet Mondscheintarif den Irrungen und Wirrungen im Liebesleben großstädtischer Singles mit genau dem richtigen Maß an Absurdität. Er führt uns eindringlich vor, wie verrückt es im Grunde doch ist, wenn sich Menschen um die 30 plötzlich wieder wie vollkommen ratlose Teenager verhalten. Zugleich sind es aber gerade diese Verrücktheit und Unsicherheit, die Cora und Daniel so sympathisch und liebenswert machen. Außerdem hat Ralf Huettner für die Überdrehtheit seiner Heldin, die Gruschenka Stevens Raum für einige schauspielerische Kabinettstückchen gibt, einen geradezu grandiosen visuellen Stil gefunden. Immer wieder übersetzt er Coras Stimmungen und Sehnsüchte mithilfe digitaler Tricks ganz direkt in Bilder. So tut sich tatsächlich der Boden unter ihren Füßen auf, als Cora in einer peinlichen Situation vor Scham versinken möchte.
Huettners Ideenreichtum, der unter anderem ein Telefongespräch in ein Tennisspiel verwandelt, scheint hier fast grenzenlos zu sein. Immer wieder gelingt es ihm, uns mit einem Bild, einem Schnitt oder einem Trick zu überraschen. Einen Film wie Mondscheintarif gab es so im deutschen Kino noch nicht, und man kann nur hoffen, dass der seit Jahren übersehene und unterschätzte Huettner nun endlich die verdiente Anerkennung findet. --Sascha Westphal
Video Jakob Kurzinhalt
Movieman.de
Moviemans Kommentar zur DVD: Trotz nicht ganz perfekter Bildwerte gibt's die Höchstnote, denn der bravouröse Sound begeistert und die Ausstattung läßt kaum Wünsche offen: Vom Regiekommentar über entfallene Szenen bis zu Musikvideo und Trailer etc. ist an alles gedacht worden. Der Film legt ein hohhes Tempo vor, das er bis zum Schluß hält. Mit großem Einfallsreichtum wird das Medium Film ausgereizt und so darf man sich weder über eine Musical-Sequenz noch über abgedrehte Traumszenen wundern. Etwas nervend ist Frau Tabatabai, die man vielleicht nicht immer so gern in Großaufnahmen ihre Selbsverliebtheit ausbreiten sehen möchte. Sie wäre so gerne ein echter Beauty-Star, wozu allerdings alle Vorraussetzungen fehlen. Ein in Beziehungsfragen herrlich weiser, komischer und rasanter Film.MO
Bild: Die Optik wirkt sehr glatt und rauscharm, was ein wenig auf Kosten des Kontrastes geht, der teilweise ein klein wenig untertariert ist (00.08:45, schwarzes Haar, keine Konturen sichtbar). Auch die Schärfe ist nicht vollständig klar konturiert. Die Farbgebung des Filmes ist stark stilistisch gefärbt und arbeitet mit zahlreichen Blau-Verfremdungen, die die Disc sauber abbildet. Selbst Hintergründe bleiben erfreulich rauscharm, fast sogar rauschfrei (00.24.35, Tür).
Ton: Ein greifbares und authentisches Klangbild. Die Stimmen klingen außerordentlich klar und obertonreich, die Songs werden in umfassendem Luxussound serviert und sind ggf. perfekt mit der eingeblendeten Sprecherin abgestimmt, so daß es nicht zu Überlagerungen kommt (00.36.25). Die Ambienz ist weiträumig und lebensecht angelegt (00.30.00, Restaurant) und bietet eine sehr stimmige Kulisse. Perfekt. --movieman.de