Plötzlich und unerwartet biegt da ein Meisterwerk des Großmeisters um die Ecke, was mir genau das liefert, worauf ich gewartet habe. Patton verzichtet fast vollständig auf seine typische brutale Zerstücklung von aufkeimender Songstruktur und wilder Geräuschakrobatik und gibt mal wieder eine Kostprobe zum Besten, warum er immer noch als bester Sänger unserer Zeit gilt.
Begleitet von einer Big Band mit integriertem Chor steckt er italienische Schnulzen in ein modernes Gewand und legt soviel Liebe und Inbrunst in die Songs, dass einem Angst und Bange wird. Gekonnt balanciert er auf einem Drahtseil knapp über dem Schmalzbecken, bleibt aber jederzeit trittsicher. Wieviel Spaß ihm dieses Projekt anscheinend bereitet hat, kann man auch sehr schön in den Liveausschnitten bei Youtube sehen, wo man auch bemerken wird, dass gar nicht mal viele Produktionskniffe notwendig waren um seine Stimme für den Tonträger zu schönen.
Selbstverständlich wird sich auch bei diesem Projekt die breite Masse wieder verständislos abwenden, denn Patton ist und bleibt einfach ein Weirdo, der niemals den Mainstream bedienen wird, auch wenn er es ohne weiteres könnte. Auch wenn das ganze hier weitestgehend seltsam instrumentierter Pop ist, lugt doch immer wieder der Wahnsinn durch die Tür, Mr Bungle schaut zu Fenster rein und auch Faith no more macht man gelegentlich aus, auch wenn diese Stücke vermutlich nichts für jeden sind, der sich damals die Easy Single gekauft hat. Manchmal klingt es nach Eis am Stiel, gelegentlich nach Mafiatorte und immer nach großen Gefühlen.
Was bleibt noch zu bemerken? Ich bin hocherfreut, fast das gesamte Album hält die Qualität, ist großartig instrumentiert und großartig pompös produziert. Liebe es! Ach ja, bevor gemeckert wird, dass das Produkt ja noch gar nicht erschienen ist: Auf itunes kann man es bereits seit dem 30.4 erstehen.