Eine fragile Stimme, eine große Persönlichkeit begrüßt einen mit "Shape" zu den Klängen einer akustischen Gitarre. Solche Starter mag ich. Auch wenn ich Sophie um ihre Frische und gleichzeitige Altersklugheit teilweise sehr beneide. Die Texte laufen, die Melodie fließen und wer glaubt, nach den ersten Minuten kommt nichts Überaschendes mehr, wird gleich zu Beginn - wie gesagt - mit "Shape" eines Besseren belehrt. "The boat is full" wirkt dagegen ein wenig blutarm. Ich mag Frau Hunger lieber in der puren und etwas ruhigen Version. Da kommt mir "A Protest Song" gerade recht, mit seinem sehnsüchtig-schmachtenden "Hello Valentine..." im Refrain. Wie sie hier ein jedes Wort zur Gitarre singt ist eine wahre Wonne. Ja, es wird nur noch übertrumpft durch das komplett auf Deutsch gesungene "Walzer für Niemand", dass mich von der ersten bis zur letzten Nano-Sekunde begeistert. Der Text und die zarte Darbietung, begleitet von Klavier, Glockenspiel und einer distanzierten Posaune lassen die zweieinhalb Minuten viel zu schnell vergehen. "Birth-day" packt einen wieder bei der Hand und reist einen ein Stück in eine andere Richtung und begeistert mit Gitarre und Mundharmonika gleichermaßen und erinnert in der Darbietung an die ganz alten Hasinnen Carole King und Joan Baez. Bei "Sophie Hunger Blues" hat man das Gefühl, Sophie sitzt mit ihrer Gitarre direkt neben einem, ist glänzend aufgelegt und haut in die Seiten. "Round and round" lässt einen kreiseln, wie der Namen vermuten ließ, bis einem angenehm schwindelig ist. Eine perfekt Überleitung zum "Partylied" auf "Monday's Ghost", dem Stück "The Tourist", dass textlich keine Wünsche übrig lässt und mit seinem Sirenen-Gesang im Refrain durchaus in Erinnerung bleibt, aber - eben weil es wieder ein eher schnelleres Lied ist - nicht zu meinen Lieblingsliedern gehört und für mich das Gesamtbild der CD etwas stört. Dann doch lieber "Teenage spirit", dass mit treibenden Percuission und bedrohlichem Donnergrollen beginnt und sich gut in die Alternative-Indie-Riege von Florence + The Machines, Emiliana Torrini und Co. einreiht. Und dann rieseln sie wieder, die Schneeflocken. Genau mit dem Lied "Rise and fall" beginnt der Schneepegel wieder zur steigen. Überaschende Instrumentierung auf "Drainpipes" mit Klavier, Querflöte und wenn man dann glaubt, es kommt nichts mehr, fangen die Bläser an zu sägen und Sophie an dramatisch zu singen, wie bei einem Stück Schweizer Oper. Diese Schiene wird weiter bedient auf dem Titellied "Monday's ghost", dass mit einer Art Menuett startet, während Sophie singend eine Moritat erzählt und ein Sophiechor im Hintergrund brummt. Ein Meisterwerk an Lied, denn wer glaubt, an der Stelle gibt es musikalisch nichts mehr zu entdecken, der hat den englisch-schwitzerdütschen, atemlos-lassenden Mittelteil überhört. Zum Verschnaufen gibt es wieder einen bezaubernden Ballade-Anfang mit "House of Gods", dass jazzig mit Gitarre, Klavier, Upright-Bass, Schlagzeug und Posaune (großartiges Solo) begleitet und mit einer "hitverdächtigen" Melodie aufwartet. Aber auch hier gibt es ein Grande Finale.
Was Sophie hier abgeliefert hat, begeistert nicht nur die Schweizer (Platz 1 in den dortigen Charts), sondern auch hier viele eingeweihte Insider-Musikliebhaber. Das unkonventionelle, sehr erwachsene und persönlichkeitsstarke Debut "Monday's Ghost" hat mich begeistert...von der ersten bis zur letzten Sekunde.
Anspieltipps:
"Walzer für Niemand"
"Shape"
"Round and round"