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Produktinformation
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Es gibt einen recht unscheinbaren, aber entlarvenden Satz in Der Mond und das Mädchen des Büchner-Preisträgers von 2007, Martin Mosebach. Er kommt recht unauffällig daher, ist aber symptomatisch für des Autors Schreibkonzept. Er lautet: "Ich heiße Despina Mahmoudi", sagte sie, als sei das der erste Satz aus einem bedeutenden Roman des neunzehnten Jahrhunderts, und das war er vielleicht auch. In diesen Worten steckt das ganze Dilemma des Romans -- und sein eigentümlicher Reiz. Denn Der Mond und das Mädchen versucht tatsächlich, ein bedeutender Roman aus längst vergangenen Zeiten zu sein, auch wenn er in der Jetztzeit spielt: Ein Buch, das schon im Erscheinungsjahr die etwas angestaubte Aura des Klassikers verströmen soll. Längst verklungene und auf der Liste der bedrohten Wörter stehende Wendungen bringt uns Mosebach dabei ans Ohr. "Angelegentlich" schreibt er im Buch, und "blümerant". Das Telefon heißt "Telephon", als wäre die Entwicklung der Rechtschreibung am Apparat vorbeigegangen, das Handy "Telephon in seiner Brusttasche". Fast scheint es, als habe der Autor vorm 21. Jahrhundert, seinen Befindlich- und Begrifflichkeiten Angst.
Trotzdem: Mosebachs Stil verklärt die Gegenwart auf zauberische Weise. Und der Umstand, dass sich das Buch auch als Hommage an Shakespeares Sommernachtstraum verstehen lässt -- eine Hommage zudem, deren Bezüge zu entschlüsseln Freude macht --, gibt der Geschichte einen sonderbaren Charme. Der Mond und das Mädchen ist wohl kein großer, bedeutender Roman, der es zum Klassiker bringen wird. Aber er gibt seinem Leser Seite für Seite die Illusion, einer zu sein. Und das ist mehr, als die meisten anderen Bücher der neueren Literatur versprechen könnten. -- Thomas Köster, Literaturanzeiger.de
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
35 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Ein gepflegtes Stück Literatur,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Mond und das Mädchen - Roman (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich ist es gar kein Roman, sondern eine Novelle. Der Text hat alle Merkmale einer solchen: die relative Kürze, das eingeschränkte Personal, das Falkenmotiv in der Form eines Eherings, das plötzliche Ereignis und die Wende. Aber wer liest heute noch Novellen. Also nennt sich Mosebachs neuester Titel ,Der Mond und das Mädchen' doch lieber ,Roman'. Dem 19. Jahrhundert ist allerdings nicht nur die Gattung, sondern auch die Sprache entnommen. Es ist eine Hochsprache, in der Mosebach schreibt. Sie ist gewählt, geschmeidig, genau, erhaben, stilsicher, gewandt und elegant. Es ist eine Kunstsprache für die es Könnerschaft braucht und sicherlich kann man eine solch hohe Sprache genießen. Sicherlich ist Mosebach auch ein hintergründiger Erzähler, der es versteht, Fährten zu legen und seinen Text symbolisch zu verdichten. Es ist ein beziehungsreiches Werk. Mehrfaches Lesen ist sicher ergiebig.Was aber wird eigentlich erzählt? Es geht um die junge Ehe von Hans und Ina. Hans, ein erfolgreicher Bänker, sucht in Abwesenheit seiner jungvermählten Gattin eine Wohnung für das gemeinsame Leben. Seine Wahl soll schicksalsentscheidend werden. Das Paar zieht in eine obere Wohnung eines etwas heruntergekommenen Hauses in der Frankfurter Bahnhofsnähe. Sie richten sich nett ein, auch die lästige Schwiegermama werden sie irgendwann los, aber irgendetwas ist im Gange, irgendetwas scheint nicht zu stimmen. Die Erzählung hat eine subtile unheimliche Gegenströmung, die von der schönen Sprache nur überblendet wird. Zunächst beschmutzt eine Taube das noch nicht bezogene eheliche Schlafzimmer, der schäbige marokkanische Hauswart Souad, der mit einer kleinen zwielichtigen Gesellschaft die Abende im Hof des Mehrstockhauses verbringt, der ungestraft fremde Post öffnet, alles beobachtet, über jeden Bescheid weiß und der dem Hauseigentümer nicht die Mietgelder überweist bemächtigt sich Hansens. Aber nicht nur von ihm wird Hans in den Bann gezogen. Da sind auch noch die Witteckinds. Ein Intellektuellen-Ehepaar, die ein Stockwerk unter Hans und Ina wohnen. Der eigentümlichen Anziehung, die Britta Witteckind, eine Schauspielerin auf Hans ausübt, entspricht die Antipathie, die von ihrem Mann ausgeht. Später soll Hans unter kuriosen Umständen mit Britta Ehebruch begehen. Hierbei verliert er seinen Ehering. Dafür findet er jedoch den Ehering seines Vormieters. Dieser wiederum tritt plötzlich auf und fordert seinen Ring zurück, um seine gescheiterte Ehe doch noch zu retten. Er erhält schließlich erneut unter kuriosen Umständen den verlustig gegangenen Ring von Hans. Alles in diesem Roman scheint einer dunklen und unerklärlichen Gesetzmäßigkeit zu folgen. Niemand scheint frei handeln oder auch nur sprechen zu können. Und dieser Bann wird erst gebrochen, als Ina in einer beherzten Tat ihrem Ehemann eine Bierflasche über die Rübe zieht. Nun erst scheint es Tag und licht zu werden. Und tatsächlich spielt der Hauptteil der Handlung nachts. Dies mag ein Zeichen für die dunkle und unheimliche Macht sein, die in dem Werk trotz der schönen Sprache regiert. Zeichen über Zeichen. Es wimmelt von Anspielungen. Auch der Titel ,Der Mond und das Mädchen'. Hören wir da nicht Schuberts Konzert ,Der Tod und das Mädchen'? Die Taube, der wandernde Ring. Es geschehen Zeichen und Wunder und doch ist alles so, als wäre es ganz normal. Die Frage ist aber: Was will mir dieser Roman eigentlich sagen? Ich weiß es nicht. Er ist sicher ein Stück sehr guter Literatur und ein Genuss für denjenigen, der gute Sprache liebt und überhaupt sich an Kunst erfreuen kann. Und das ist ja auch legitim. Hierzu hört man ja auch gute Musik. Er ist darüber hinaus ein Fall für den Literaturwissenschaftler. Aber er ist nicht unbedingt Literatur, die mich begeistert. Thomas Reuter Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
53 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Schöne Leere,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Mond und das Mädchen - Roman (Gebundene Ausgabe)
Schön geschrieben und anfangs genussvoll zu lesen, bis man sehr schnell verblüfft fragt, wann kommt, was kommen sollte, was einen Roman kennzeichnet? Ein junger Ehemann des 21. Jahrhunderts, der in seinen Gedanken zu seiner jungen Frau, die er das Mädchen nennt, den Jahren von 1860 zu entstammen scheint, so verklemmt und altertümlich sind seine Handlungen und Ansichten, begeistert nicht wirklich als Protagonist. Die Treffen im Hinterhof sollen geheimnisvoll wirken, sind nett zu lesen, aber nichtssagend. Sie laufen ins Leere. Die verendete Taube als Gruselelement eingesetzt, wird nie wieder erwähnt. Wozu dann dieser Einwurf? Man hatte sich ein geistreiches mystisches Geschehen erhofft bei soviel Vorschusslorbeeren der Presse und bei dieser altdeutsch-schönen Sprache. Erstaunt, dass gar nichts kommt, liest man natürlich weiter. Plötzlich ist das Buch zu Ende - hat man etwas nicht mitbekommen? Fast entsteht der Eindruck, der Autor habe sein eigenes Buch satt gehabt und es Knall auf Fall beendet. Als Leser fühlt man sich um eine Geschichte betrogen. Schade um die Sprache, schade um Zeit und Geld!
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31 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Schön geschrieben - aber ich fürchte, ich habe die Geschichte nicht wirklich verstanden,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Mond und das Mädchen - Roman (Gebundene Ausgabe)
Mosebach hat eine schöne Sprache. Das Büchlein ist auch - in seiner Hardcoverversion - schön aufgemacht, liegt schlank und gut in der Hand. Ich hatte durchaus Lust am Lesen. Die Geschichte lockt auch, da sind viele interessante Fäden, wohin wirds führen? Aber ich muss gestehen, mich hat es leider nicht wirklich irgendwohin geführt. Was war der Sinn - einmal von der Milieuschilderung abgesehen? Ein schnelles, antiklimaktisches Ende irgendwie - und zurück bleibt bei mir fast ein Gefühl, ich sei "abgezockt" worden, wofür habe ich mir die Zeit zum Lesen genommen, wenn am Schluss eigentlich doch gar keine Geschichte erzählt wurde. Ich bin also etwas enttäuscht - und weiss nicht genau, ob von mir als unverständigem Leser oder von Buch und Autor.
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