Ich liebe Reisebücher. Nicht die Reiseführer, die auf alle erdenkliche Art und Weise, mal gut, mal weniger gut, Sehenswürdigkeiten beschreiben. Die sehe ich mir lieber selbst an. Und den lonely planet" hat man, um sich vor Ort zurecht zu finden. Aber geglückte Reisebücher, die sind selten.
Gerade über Indien, wo doch die Großmeister des Genres Meisterleistungen abgeliefert haben, oder anders gefragt: Braucht man nach Ilja Trojanow (Reise zu den Inneren Ufern"), Helge Timmerberg (Shiva Moon") und Andreas Altmann (Notbremse nicht zu früh ziehen") noch ein Buch, um den Kulturkreis zu verstehen?
Ja, ein authentischeres kann da nicht schaden. Schreibprofis schreiben vielleicht abgehobener und geschliffener als Mareike Schuldt in ihrer indischen Reisepost Wo der Mond auf dem Rücken schläft". Doch bei ihr ist man von der ersten bis zur letzten Seite ein Teil der Reise. Im e-mail-nach-Hause-Stil" geschrieben, ist es eine sehr direkte Beschreibung, die jeden Backpacker von eigenen Erlebnissen, sei es nun in Indien oder in anderen Teilen Asiens, träumen lässt.
Fast auf jeder Seite spürt man: Indien kann niemanden indifferent lassen, man liebt es oder man hasst es. Da die Autorin die Reise in sehr jungen Jahren durchgeführt hat, spürt man im Laufe der Seiten eine Entwicklung: Zuerst ein unglaublicher Schlag, dieses Überfordert sein, das jeder Indienreisende als eine Art Kulturschock erlebt. Dann ein sich immer mehr gewöhnen, die Bereitschaft, die Andersartigkeit zu akzeptieren. Und letztendlich liefert sie viele Schlüssel, um diese Türe mit sieben Siegeln, die den Zugang nach Indien versperrt, zu öffnen.
Besonders geglückt sind Beschreibungen wie die zu Auroville, einer Community zum Aussteigen, Meditieren und um zu sich selbst zu finden: Zuerst hat die Autorin eine fast übergroße Skepsis, die mehr und mehr einer Faszination weicht, ohne dabei die Distanz zu verlieren.
Aber im Gegensatz zu den großen Doyen der Reiseliteratur kommt es nie von Oben herab, Mareike Schuldt hebt nicht ab, sie bleibt die junge deutsche Backpackerin, die auch keine Hemmungen hat, mal zu schimpfen über den Subkontinent, den sie ganz offensichtlich liebt.
Ein schönes Buch, eindringlich, ehrlich und authentisch geschrieben. Und der adäquate Einstieg zur Droge Indien.