Angezogen von der großartigen Besetzung des Films durch Katharina Thalbach, Fritzi Haberlandt, Andreas Schmidt und Birol Ünel war dieser Film ein absolutes Muss, für den ich sogar bereit war, einen anstehenden Berlinbesuch so zu gestalten, dass ich dort diesen Film sehen konnte. (Leider lässt es die dramatische Kinosituation in Braunschweig nicht zu, einen ausgesprochenen Cineasten auch nur ansatzweise auf seine Kosten kommen zu lassen.) Im Vorfeld war es die Neugier, wie es eine Katharina Thalbach schafft, eine Frau zu mimen, die weder einer Femme Fatale gleicht, noch eine beneidenswerte Position in der Gesellschaft belegt, sich gleich mehrere Liebhaber zuzulegen. Auch dass sie bereits über 50 ist, lässt die Fragezeichen noch größer erscheinen. Ich nehme es vorweg: Sie schafft es: Jeden Lidschlag, jedes Lächeln, die Verzweiflung, den Mut und die Hoffnung, die Ekstase und vor allem die Leidenschaft nimmt man ihr nicht nur ab, man fühlt mit und lässt sich mitreißen.
Katharina Thalbach spielt Hanna, die zuerst auf der, wenn auch einer sehr bescheidenen, Sonnenseite des Lebens steht. Weder der Verlust ihrer Arbeit noch ihre Männerlosigkeit lassen sie verzweifeln. Mit Lebensmut und Lebensfreude, mit Humor, kindlichen Wünschen und Träumen bewältigt sie ihren Alltag. Sie findet eine neue Arbeit in einer Tankstelle und teilt sich diesen Job mit ihrer besten Freundin Dani, die an ihrer Arbeitslosigkeit fast zu zerbrechen scheint. Erst als ihre Tochter durch einen Autounfall ums Leben kommt, wird Hanna, wenn auch nur für kurze Zeit, aus der Bahn geworfen.
An der Rolle von Birol Ünel hatte ich nicht eine Sekunde lang Zweifel. Ihm habe ich von Anfang an den Part des Mannes zugetraut, der Hannas Sehnsucht nach ohnmächtiger, leidenschaftlicher Liebe ohne Wenn und Aber gerecht wird. Er ist das Sinnbild für einen Mann, den man lieben muss, aber den man niemals besitzen kann. Das weiß und spürt Hanna von Anfang an, gibt sich ihm trotzdem voll und ganz hin, genießt und nimmt, was sie bekommen kann. Das jähe Ende folgt recht schnell, ihr Schmerz darüber wird deutlich spürbar. Doch auch daran zerbricht Hanna nicht. Sie geht ihren Weg, wenn auch mit einem kleinen Umweg über eine Hochzeit mit einem langjährigen und vor allem langweiligen Verehrer. Das diese Ehe von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist, ist sofort spürbar. Und dass es für Hanna hoffnungsvoll weiter geht, spürt man ebenfalls, spätestens dann, wenn der Abspann läuft.
Katharina Thalbach und Birol Ünel spielen ein ausgesprochen ungewöhnliches Paar in einer kurzen und leidenschaftlichen Romanze. Ich habe für die Beiden kein Happy End erwartet und das wird es auch nicht geben. Trotzdem ist es ein bewegend freundlicher Film, der jeden Zuschauer zutiefst berührt (insofern er Zugang zu diesem Film findet), aber auch lächelnd den Kinosaal bzw. den Fernsehsessel verlassen lässt.