Sergeant Steve Reilly und George Hutchins, zwei Kriegsveteranen des 2. Weltkriegs, die in Frankreich hängenblieben, stehen im Mittelpunkt des Romans Mond über Omaha.
Man sollte sich nicht vom ersten Kapitel (Landung der US-Army am Strand von Omaha = Deckname für einen französischen Küstenabschnitt) abschrecken lassen; es ist ein schreckliches Kriegsgemetzel. Der Roman spielt ungefähr 20 Jahre später. Die Amerikaner sind immer noch vor Ort, wenn auch als Bewahrer eines Kriegerfriedhofs. Wie haben die verbliebenen Veteranen die Landung verarbeitet? Jean Amila hat ein paar Überraschungen, teils nach einem Muster des Autorenduos Pierre Boileau und Thomas Narcéjac, parat.
Es ist ein Krimi, gewiss, aber mehr. Es ist ein Nachkriegsroman. Er behandelt das merkwürdige Verhältnis zwischen den Einheimischen und den Besatzern der US-Enklave; damit auch das Aufeinandertreffen zweier Kulturen.
Stilistisch zählt Amila zum »schwarzen Krimi«. Mir scheint, ein Merkmal dieses Genres zu sein, dass der Autor seine Figuren nicht psychologisch tiefschürfend ausarbeitet und sie dann gemäss ihrem Charakter und dem Plot laufen zu lassen. Amila behält alle Fäden in der Hand und lässt an diesen seine Protagonisten tanzen, wie es ihm in den Sinn kommt. Da wird oft kurzerhand eine Entscheidung getroffen, die der Leser nicht erwartet. Gerade das macht den Reiz des Romans aus.
Insgesamt ein spannender Roman mit Krimicharakter. Nicht nur der Schluss überrascht.