Aus der Amazon.de-Redaktion
Die gefährlichste Klippe im Leben eines Künstlers ist die Heirat, besonders eine glückliche lautet ein treffendes Zitat, das sich auch im Falle von Elvis Costello und seiner Frau, der Jazz-Diseuse Diana Krall, nicht gänzlich von der Hand weisen lässt. Deren beider Musik zeichnete sich in jüngster Vergangenheit weniger durch Biss und Originalität aus, als vielmehr durch eine Tendenz zum schmusigen Nestbau. Doch auf seinem neuen Album
Momofuku hat sich Elvis Costello glücklicherweise von Streichern und Knödelarien verabschiedet, um sich endlich wieder in rockiger Bestform zu präsentieren, und zwar mit 12 Songs, die allesamt den Meistertitel verdienen.
Schön, dass es überhaupt dazu kam, denn eigentlich war Declan MacManus, der seit 1969 auf der Bühne steht, der Entwicklung des Musikbusiness bis zum Abwinken überdrüssig, genauer gesagt der MP3-Piraterie im Internet und den damit verbundenen stetig wachsenden Problemen. Doch wie der Zufall es wollte, ergab sich am Rande eines anderen Projekts die Gelegenheit für einige viel versprechende Off-Takes im Studio. Elvis Costello und seine grandiosen Imposters triumphierten über den Frust, und legten den Grundstein für Momofuku, Musik ohne Kinkerlitzchen und doppelten Boden, dafür mit jeder Menge erfrischender Spontaneität und Einfallsreichtum. Um ein Zeichen gegen das digitale Raubkopieren zu setzen, erschien Momofuku in den USA zunächst ausschließlich als Doppelalbum auf Vinyl, bevor wir es nun hierzulande auch als Silberling in den Händen halten dürfen. Obwohl nach dem Erfinder einer Instant-Nudelsuppe benannt, besitzt Momofuku die Power einer frisch zubereiteten konzentrierten Rinderkraftbrühe. Bereits bei dem Eingangsstück No Hiding Place geht derartig die Post ab, dass man sich die Augen reibend und fragt: Ist das wirklich der Elvis, der einst gemeinsam mit Anne Sofie von Otter die Songs auf For The Stars trällerte? Jawohl, er ists! Davon kann man sich im Verlauf in besinnlicheren Songs wie Flutter And Wow oder Harry Worth überzeugen. Hier schmachtet Costellos Stimme wie eh und je, dicht davor zu brechen, wie die Augen eines weidwunden Rehs. Gekonnt ist eben gekonnt und auch nach fast 40 Jahren Bühnenshow noch kein bisschen langweilig. Ansonsten wummert die Vox-Orgel, jault die Telecaster und knüppeln Bass und Drums, dass es eine reine Wonne ist; -eine kongeniale Partnerschaft zwischen der rumpelnden Muppets-Band unter der Leitung Woody Allens, jedoch gänzlich ohne Ulk. Momofuku kündet von den wirklich guten Tagen des Rock n Roll, denen die Allermeisten attestierten, sie seien längst vorüber. Mit diesem Album hat sie Elvis Costello eines Besseren belehrt. Andreas Schultz