Cover:
Ich finde schön, dass man an der Art des Covers erkennen kann, dass es sich bei dem Buch um Cecilia Ahern handelt. Bevor ich das Buch gelesen hatte, erschloss sich mir das Motiv der Katze nicht wirklich, jedoch bin ich jetzt klüger und finde, dass das Motiv sehr gut zur Handlung passt. Man hätte jedoch vielleicht noch die drei Spiralen einfügen können, aber ich finde das Cover sehr schön, eben weil es so schlicht ist.
Meinung:
Das Buch handelt von der 29-jährigen Lucy, die sich selbst vorlügt, mit ihrem Leben glücklich zu sein. Nach und nach verstrickt sie sich so sehr in ihr Lügenmuster, dass sie immer unglücklicher wird und ihr Leben immer mehr droht, aus den Fugen zu geraten. Doch Lucy weiß das geschickt zu ignorieren. Immerhin hat sie doch einen Job und ein schönes, kleines Apartment. Wer achtet darauf, dass sie kaum Platz zum Treten hat, weil alles vollgestellt ist und sie für ihren Job Spanischkenntnisse benötigt, die sie aber nicht besitzt?
Doch als Lucy Post von der Lebensagentur erhält und sich dazu überwindet, sich mit ihrem Leben zu treffen, wird ihr klar, in was für einem miserablen Zustand ihr Leben eigentlich ist. Er macht ihr unmissverständlich klar, dass es so nicht weitergehen kann. Doch ist Lucy bereit, ihr Leben zu ändern und in den Griff zu bekommen?
Ich war anfangs etwas skeptisch, ob ich diesen Roman mögen würde. Ich mag eigentlich keine Romane, die in der Realität spielen, aber doch einige paranormale oder phantastische Elemente haben, die dort normalerweise nichts zu suchen haben. Jedoch hat Cecila Ahern diese Dinge so geschickt in die Handlung eingeflochten, dass es mich überhaupt nicht gestört hat. Im Gegenteil.
Meine Befürchtungen waren, dass zB niemand Lucys Leben sehen kann und das alles ein wenig in ihrem Kopf stattfindet (so wie bei ihrer Nachbarin und ihrem Sohn), aber dem war nicht so und das hat mir dann sehr zugesagt.
Mich hat Anfangs viel mehr Lucy selbst als Protagonistin gestört. Ich fand sie ziemlich langweilig und unsympathisch. Sie wirkt so weinerlich und lethargisch und ich hatte oft das Bedürfnis, sie einfach mal durchzuschütteln und ihr klar die Meinung zu sagen, nämlich dass sie endlich mal zu Potte kommen soll und ihr Leben in den Griff kriegen. Vielleicht lag es daran, dass Cecilia Ahern es viel zu überdeutlich beschrieben hat, wie dreckig es Lucy eigentlich geht, lange bevor Lucy es selbst merkt. Dadurch kam es zu einigen, etwas zäheren Parts, vielen Wiederholungen und Situationen, bei denen man sich eher mit der Hand vor den Kopf schlägt, als begeistert zu sein.
Anfangs fiel es mir auch etwas schwer, mit der Erzählweise klarzukommen. Lucy berichtet viele Absätze lang über ein Erlebnis und dann erst bekommt man gesagt, dass diese Absätze gelogen waren. Meist musste ich zurückblättern und schauen, welches des Gesagten nun nicht wirklicher Teil der Handlung ist, weil es sich zu perfekt einfügte. Aber das ist nur ein kleiner Kritikpunkt. Jedoch machte mir dies den Einstieg etwas schwer.
Als Lucy dann jedoch auf ihr Leben trifft und man eigentlich erfährt, wie es zu der jetzigen Situation kam, warum es Lucy so schwer fällt, die Dinge anzupacken und wie alle Lügen miteinander zusammen hängen, war ich wirklich sehr gefesselt und wollte, nein MUSSTE weiterlesen. Auf einmal entstand eine irrsinnig große Komplexität an Handlungssträngen, Charakteren, Ereignissen und vielen Gegebenheiten, mit denen man sich als Leser sehr stark identifizieren kann, dass ich teilweise echt beeindruckt war.
Es wurden plötzlich so viele Themen aufgegriffen, mit denen wahrscheinlich jeder schon mal zu tun hatte. Die große Liebe, Trennung, das Bewältigen von Trauer und Verlust, Probleme mit der Arbeit, fehlende Anerkennung in der Familie, Erwartungen die jeder an einen hat, das Herumzerren an der eigenen Person und darüber das Vergessen des eigenen Ichs und die Ziele, die man selbst vielleicht hat.
Die Romantik kommt in diesem Buch nicht zu kurz und obwohl dieser Aspekt nur zweitrangig ist, hätte er etwas deutlicher hervortreten können. Denn ich mochte die Person, mit der Lucy sich einlässt. Schade, dass man nicht mehr von ihm lesen durfte.
Mir hat teilweise der etwas spritzige Humor gefehlt, mit dem Cecilia Ahern mich immer begeistern konnte, aber ich denke, dass dies für die Handlung irgendwie seltsam gewesen wäre, von daher ist es zu verkraften, auch wenn es ein wenig schade ist.
Ein paar Infos zu dieser Lebensagentur wären nett gewesen. Zwar muss man diese nicht zwingend wissen, nur wundert es mich, dass Lucys Familienmitglieder dieses Abkommen unterschreiben mussten und gar nicht genau erläutert wird, wie sie auf die Agentur aufmerksam geworden sind, weshalb die Eltern einer erwachsenen Frau unterschreiben müssen, usw. Ein Gespräch zwischen Lucy und ihrer Mutter am Ende des Buches hätte dem vielleicht Abhilfe getan, aber gut. Nur wundert mich, dass niemand aus Lucys Umfeld seltsam auf ihr Leben reagiert hat. Anscheinend ist es normal, dass alle Leute im Doppelpack rumlaufen. Aber das ist wahrscheinlich eher nebensächlich, weshalb im Buch darauf nicht eingegangen wurde. Jedoch hätten mir diese Infos für ein komplettes Bild gut getan.
Fazit:
Eine sehr nette Geschichte, die jedoch eher für eine kurzweilige Lektüre geeignet ist, die man mal so eben weg liest. Obwohl mir einige Details nicht sehr zugesagt haben und mir hier und da etwas gefehlt hat, hat mir das Buch dennoch gut gefallen und mich überzeugen können. Denn die Themen, die hier angesprochen werden, werden dem Leser so komplex und vielschichtig präsentiert, wie das wahre Leben eben auch ist. Dadurch konnte das Buch wirklich punkten.