Da ich harte Rockmusik mag, schnelle Soli liebe, aber auch gute Balladen zum Überleben brauche, habe ich alle CDs der Scorpions im Regal, jedenfalls bis zur 1996er "Pure Instinct". Danach hab ich den Glauben an die Hannoveraner irgendwie verloren, denn was es seitdem Neues gab, war entweder technisierter Klamauk ("Eye II Eye") oder seichter Schnulz. So zum Beispiel die neuen Stücke auf der ansonsten sehr geilen "Acoustica" (habe nur die Dvd) oder eben die Expo-Hymne "Moment of Glory", schlimmer war nur seinerzeit "White Dove". Scorpions mit Kinderchor klingt nunmal nach Kindergarten, da können die Kinder ja nix dafür.
Da ich aber nie vergessen habe, was die Scorpions "Großes" vollbracht haben (und ich rede nicht nur von "Blackout"!), habe ich mir die "Moment of Glory" kürzlich einer skeptischen, aber intensiven akustischen Untersuchung unterzogen, und höre da: Irre geil! Das Zusammenspiel von Orchester und Rockband ist mindestens so geil wie bei Metallica oder Deep Purple, das Songmaterial einwandfrei (abgesehen vom Titeltrack), wobei die Titelauswahl etwas origineller (und länger!) hätte sein dürfen.
Komischerweise gefällt mir sogar "Here in my Heart". Die Hämmer sind jedoch "Hurricane 2000" (nie klang der Klassiker besser, allein das Intro!), und die beiden Instrumentals "Crossfire" und "Deadly Sting Suite". Hut ab, Respekt, ich bin beeindruckt! Auch "Wind of change" kann man so nochmal über sich ergehen lassen und "Still loving you" ist fast besser als das Original, "Lady Starlight" sowieso. Bei "Big City Nights" hätte ich auf den Gastsänger verzichten können und lieber Klaus Meine gehört, naja, man kann nicht alles haben...
Alles in allem bin ich eines Besseren belehrt worden und werde auch in die "Eye II Eye" nochmal reinhören...