Aus der Amazon.de-Redaktion
Obwohl es Molwanîen nicht gibt, ist klar, dass sich der Staat irgendwo in Osteuropa befindet. Denn der Reiseführer karikiert den trockenen postsozialistischen Charme ehemaliger Warschauer-Pakt-Staaten. Ebenso aufs Korn genommen wird eine Art archaische Rückständigkeit -- ganz so, wie viele Menschen aus dem alten Europa es gegenüber den neuen Nachbarn empfinden. Das ist eigentlich gemein, auch stereotyp, alles zusammen aber irrsinnig komisch! Und Hand aufs Herz: Unsere neuen Partner aus dem Osten müssen so viel Spott vertragen können.
Selbst eine fiktive Sprache wird kreiert, die mit ihrer Vokal-Armut irgendwie slawisch-baltisch daherkommt. Eigentlich unverständlich, rufen molwanîsche Wörter Erinnerungen wach an Momente, in denen wir irgendwo im Osteuropa hilflos eine Speisekarte zu verstehen versuchten. Apropos Gastronomie: In der Pension Zegmar in Lutenblag, der Hauptstadt Molwanîens, gibt es Zimmer mit hinreißendem Blick auf die Altstadt. Leider sind diese dem Personal vorbehalten.
Lassen auch Sie sich in molwanîsche Städte und Landschaften entführen, und lernen Sie die Einheimischen kennen. Vertrauen Sie einfach auf das Urteil von Bill Bryson, der sowohl von Humor als auch Reiseberichten und Bestsellern eine Menge versteht. Der Autor hält völlig ungelogen dieses Buch für absout brillant. Darauf sollte man einen Heben. Wie wäre es mit einem zeerstum, Molwanîens köstlichen Knoblauchschnaps? --Herwig Slezak -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
"Was hält uns noch? Nichts - auf nach Molwanîen!" (Stern )
"Ein ideales Buch für Menschen, die am liebsten zu Hause verreisen - während sie sich in ihrem Lesesessel scheckig lachen." (Der Spiegel )
Kurzbeschreibung
Traumziel Molwanîen: Da müssen Sie hin. Da kommen Sie nie hin. Molwanîen gibt’s nämlich gar nicht. Aber den ersten umfassenden Reiseführer dazu. Und der erfindet ein ganzes Land – komplett mit Sprache, Geschichte, Restauranttipps und Kleidergrößen. Die brillante Idee reist um den Globus und wird zum Bestseller von Australien bis Italien, denn Molwanîen ist überall.
Unsere Welt ist klein geworden: Eine halbe Tagesreise führt um die halbe Welt; bumsvolle Touristenflieger landen in den entlegensten Winkeln der Erde, und auch die kleinste Fallafelbude in Damaskus ist längst kein Geheimtipp mehr. Wohin also soll sich der rastlose menschliche Entdeckergeist wenden? Vielleicht an einen Ort in unserer Fantasie, vielleicht an das bislang vom Tourismus sträflich vernachlässigte, sagenumwobene Kleinod Osteuropas: Molwanîen. Ein gastfreundliches Land, in dem schon zum Frühstück ein Glas „Zeerstum“ gereicht wird, der traditionelle Knoblauchschnaps, den man allerdings niemals innerlich anwenden sollte. Eine Pilgerstätte für Ornithologen auf der Suche nach der seltenen Molwanîschen Drossel, die jeden Herbst in eindrucksvollem Formationsflug in ihr 2,5 Kilometer entferntes Winterquartier zieht, wobei Tausende sich verirren und vor Erschöpfung verenden. Eine Oase für Liebhaber unberührter Natur, die zu sich selbst finden wollen in Molwanîens „Großen Ebenen“, einer Landschaft, die wegen ihrer unvergleichlichen Ödnis und Langeweile von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Da wollen Sie nicht hin? Da können Sie gar nicht hin, aber Sie werden Ihren Freunden davon erzählen.
Mit Bonusmaterial für das Taschenbuch: Ein Zusatzkapitel von 24 Seiten „Das Beste aus Molwanîen!“
Klappentext
Süddeutsche Zeitung
"Was hält uns noch? Nichts - auf nach Molwanîen!"
Stern
"Ein ideales Buch für Menschen, die am liebsten zu Hause verreisen - während sie sich in ihrem Lesesessel scheckig lachen."
Der Spiegel
Über den Autor
Rob Sitch, Santo Cilauro und Tom Gleisner sind Mitglieder der australischen Comedy-Truppe "Working Dog", die mit ihrer wöchentlichen Show "The Panel" und vielen anderen TV- und Radioproduktionen neben AC/DC und Russell Crowe die erfolgreichsten Entertainer des Landes sind.
Tom Gleisner, Santo Cilauro und Rob Sitch sind Mitglieder der australischen Comedy-Truppe "Working Dog", die mit ihrer wöchentlichen Show "The Panel" und vielen anderen TV- und Radioproduktionen neben AC/DC und Russell Crowe die erfolgreichsten Entertainer des Landes sind.
Gisbert Haefs, 1950 in Wachtendonk am Niederrhein geboren, lebt und schreibt in Bonn. Als Übersetzer und Herausgeber ist er unter anderem für die neuen Werkausgaben von Ambrose Bierce, Rudyard Kipling und Jorge Luis Borges zuständig. Zu eigenem schriftstellerischen Erfolg gelangte er nicht nur durch seine Kriminalromane, sondern auch durch seine farbenprächtigen historischen Werke »Hannibal«, »Alexander« und »Troja«. Mit »Raja« hat Gisbert Haefs ein grandioses Werk vorgelegt, das einmal mehr seinen Ruf als Meister des historischen Romans bestätigt.
Auszug aus Molwanien von Santo Cilauro, Tom Gleisner, Rob Sitch, Gisbert Haefs. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Zwar ist die Republik Molwanien eines der kleinsten Länder Europas, doch hat sie dem anspruchsvollen Touristen viel zu bieten. Großartige Landschaften, prachtvolle neoklassizistische Architektur und Jahrhunderte der Hingabe an Kunst und Kultur sind zugegebenermaßen Mangelware. Der furchtlose Reisende wird in diesem einzigartigen, küstenfreien Nationalstaat jedoch viel zu seiner Erbauung finden - von der Hauptstadt Lutenblag mit ihrem bezaubernden Netz gasgetriebener Straßenbahnen bis zu den dichtbewaldeten Postenwalj-Bergen im Süden, wo Besucher ein Glas hausgebrannten zeerstum(Knoblauchschnaps) genießen können, während sie zusehen, wie ein in herkömmliche Tracht gekleideter Bauer sein Maultier prügelt. Molwanien, der Welt größter Produzent von Roter Beete und Ursprung des Keuchhustens, ist ein geschichtsträchtiges Land, und allenthalben findet sich wunderbar bewahrte und gehegte Vergangenheit, so zum Beispiel in Städten wie Gyrorik, wo man einen der ältesten weltweit noch in Betrieb befindlichen Kernreaktoren besichtigen kann. Was Bauwerke und öffentliche Denkmäler angeht, ist Molwanien doppelt gesegnet, da das Land zwei Goldene Zeitalter erlebt hat: eine Periode der Schauergotik unter dem Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Karl IV. und die späten 50er Jahre des 20. Jahrhunderts, in denen des Landes sowjetisch inspirierter Flirt mit ungestähltem Beton dem Stadtpanorama seine unverwüstliche Prägung gab. Zugunsten der an Umweltschutz interessierten Reisenden hat Molwanien sich nachhaltig dem Konzept des Öko-Tourismus verschrieben. Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Führers befanden sich zahlreiche "grüne Hotels" im Bau, die meisten tief in den bedrohten Mischwäldern des Nordostens, aus deren Holz sie auch errichtet werden. Natürlich ist Molwanien aber auch ganz der eigenen Modernität zugewandt, und Städte wie Lutenblag verfügen über eine Nachtclubszene, die in Europa als besonders hip gilt. Hier können Touristen trendbewußte molwanische Studenten treffen, die zu den Klängen einer fzdari-Band (von einem Besucher beschrieben als "Techno-Trance meets Mazurka") die Nacht durchtanzen. Desgleichen bietet sich eine Besichtigung des gewaltigen Autowerks in Bardjov an, wo stolze Werktätige Molwaniens heimischen Kraftwagen herstellen, den Skumptamit seinem raffinierten, stilvollen Sperrholzinterieur. Bei einer Reise in diesen Teil der Welt kommen auch Gourmets auf ihre Kosten, und Molwaniens cuisinehat zweifellos einen weiten Weg zurückgelegt seit der Zeit, da man nur ein paar schmierige, schummrig beleuchtete und überteuerte Cafés im Zentrum von Lutenblag fand. Heute sind solche Lokale im ganzen Land zahlreich anzutreffen. Was auch immer Sie suchen mögen, in Molwanien werden Sie es wahrscheinlich finden. Sie brauchen nur diesen Reiseführer und ein paar Impfungen*, und schon kann's losgehen!
GESCHICHTE
Zwar haben slawische Stämme das heutige Molwanien wohl schon im 5. Jahrhundert besiedelt; die erste Erwähnung des Landes findet sich jedoch im Jahre 721, als der Fürst von Molvanskia, Nikod I., sich zum Herrn eines Reichs erklärte, das nicht nur sein eigenes Land umfaßte, sondern auch Preußen, Germanien und große Teile Skandinaviens. Dies war ein ehrgeiziges Ansinnen des Herrschers, der eben erst zwölf Jahre alt war. Seine expansionistische Herrschaft dauerte nur wenige Wochen. Während des Mittelalters litt Molwanien unter Invasionen durch zahlreiche Heere, darunter Goten, Tataren, Türken, Hunnen, Balten, Lombarden und sogar eine verblüffend streitsüchtige Horde spanischer Nonnen, bis endlich Molwaniens erster König Fjodor I. daranging, sein Land zu vereinigen, indem er möglichst viele seiner Bürger tötete. Jene, die nicht ermordet oder eingekerkert wurden, zwang er in Lehrberufe. Das Reich konvertierte zum Christentum, als der Missionar Sankt Parthag 863 eintraf, kehrte jedoch zum Heidentum zurück, sobald er im folgenden Jahr wieder abreiste. Im Hochmittelalter erfreute sich Molwanien einer kurzen Zeit des Islam, aber des Korans strikte Verurteilung von Alkohol, Gewalt und außerehelichem Sex setzten sich bei der Bevölkerung nie recht durch. Molwanien erlebte eine kurze kulturelle Blüte während der Renaissance; die genaue Dauer dieser Periode geben einige Historiker mit etwa drei Wochen gegen Ende des Jahres 1503 an. Aber auch über diese Zeitspanne hinaus ist ein neues Interesse an Kunst und Kultur nachweisbar; um 1520 wurde im Norden des Landes, in Motensparg, eine von Europas fortschrittlichsten Universitäten errichtet, die Kurse in klassischem Griechisch und Latein sowie Ringerstipendien anbot. 1541 versuchte ein Bauernheer die Landbesitzer zu entmachten, aber der Aufstand wurde niedergeschlagen und der Anführer, Gyidor Dvokic, auf einem rotglühenden Eisenstachel lebendig verbrannt; daher rührt die scherzhafte Redewendung im modernen Molwanisch: "Eich zdern clakka yastenhach!" (wörtlich: "Ich verspüre beträchtliches Aftersengen"). In dieser Zeit bestand das Land aus etlichen halbunabhängigen Fürstentümern und Stadtstaaten, die sich inneren Streitigkeiten hingaben. 1570 kam es zu einem Versuch, die Regionen zu vereinigen; man konnte sich jedoch nicht auf einen Ort für Verhandlungen einigen, und so wurde das Land in einen Zwanzigjährigen Krieg gestürzt, der tatsächlich etwa sechs Monate dauerte. (...)
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.