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Produktinformation
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Obwohl es Molwanîen nicht gibt, ist klar, dass sich der Staat irgendwo in Osteuropa befindet. Denn der Reiseführer karikiert den trockenen postsozialistischen Charme ehemaliger Warschauer-Pakt-Staaten. Ebenso aufs Korn genommen wird eine Art archaische Rückständigkeit -- ganz so, wie viele Menschen aus dem alten Europa es gegenüber den neuen Nachbarn empfinden. Das ist eigentlich gemein, auch stereotyp, alles zusammen aber irrsinnig komisch! Und Hand aufs Herz: Unsere neuen Partner aus dem Osten müssen so viel Spott vertragen können.
Selbst eine fiktive Sprache wird kreiert, die mit ihrer Vokal-Armut irgendwie slawisch-baltisch daherkommt. Eigentlich unverständlich, rufen molwanîsche Wörter Erinnerungen wach an Momente, in denen wir irgendwo im Osteuropa hilflos eine Speisekarte zu verstehen versuchten. Apropos Gastronomie: In der Pension Zegmar in Lutenblag, der Hauptstadt Molwanîens, gibt es Zimmer mit hinreißendem Blick auf die Altstadt. Leider sind diese dem Personal vorbehalten.
Lassen auch Sie sich in molwanîsche Städte und Landschaften entführen, und lernen Sie die Einheimischen kennen. Vertrauen Sie einfach auf das Urteil von Bill Bryson, der sowohl von Humor als auch Reiseberichten und Bestsellern eine Menge versteht. Der Autor hält völlig ungelogen dieses Buch für absout brillant. Darauf sollte man einen Heben. Wie wäre es mit einem zeerstum, Molwanîens köstlichen Knoblauchschnaps? --Herwig Slezak -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Ein Schwachpunkt des Buchs ist allerdings, dass man sich auch im Umfang an einem Reiseführer orientiert hat. Dafür trägt die Idee nicht ganz. Irgendwann habe ich angefangen, ein wenig zu blättern, weil die Pointen z.B. bei den Restaurantempfehlungen dann einfach nur noch Varianten voneinander waren und nach der dritten Variante des gleichen Witzes musste ich nich noch die vierte haben.
Trotzdem: Die Idee ist genial - und auch wenn man das Buch nach zwei Dritteln vielleicht nicht mehr weiterliest, weil man die Pointen kennt, sind diese zwei Drittel wirklich gut und eine Kaufempfehlung.
Da man sowieso wahrscheinlich nie nach Molwanien fahren wird, muss man das Buch auch nicht komplett lesen. Es ist als "Klolektüre" ideal geeignet, da die Abschnitte jeweils sehr kurz sind und die Form des Reiseführers ja von Natur aus keinen "Plot" hat, den man aus den Augen verlieren könnte.
Kleiner Tip: Die Namen und Ortsbezeichnungen in der erfundenen Sprache im Geiste laut aussprechen. Die Autoren haben da viel versteckt. So gibt es z.B. irgendwo eine Tabletancebar, die "Spretzeleks" heisst. Das kann einem beim bloßen Drüberlesen leicht entgehen.
Nein, politisch korrekt ist das Buch wohl nicht, aber wer derlei Vorgaben konsequent einhalten will, wird generell nicht viel zu lachen bekommen. Im übrigen: außer der sicherlich unglücklich gewählten Namensähnlichkeit hat dieses Molwanien nun wirklich keine Gemeinsamkeiten mit irgendeinem real existierenden Land. Die fiktiven Molwanier sind faul und ungepflegt, haben einen ausgeprägten Hang zum Betrug und können häufig auch gefährlich werden. Viele sind zumindest unfreundlich, und dort, wo man Freundlichkeit vorfindet, scheint die nicht selten auf Debilität zu beruhen. Die markanten Persönlichkeiten der molwanischen Geschichte waren Versager, Aufschneider, Wirrköpfe oder Verbrecher, manche alles zugleich. Wer darin ein wirklich existierendes Volk wiederzuerkennen meint, muss sich fragen lassen, ob er nicht in erster Linie selbst derjenige mit den Vorurteilen ist.
Ein großer Teil des Spottes richtet sich ohnehin nicht gegen irgendwelche Menschen oder Länder, sondern geißelt den sattsam bekannten Stil von Reiseführern. Ein echtes Schmankerl in dieser Hinsicht sind immer wieder die Kommentare des Besserwissers Philippe, der mit arrogantem Duktus gegenüber den ach-so-blöden Pauschaltouristen jeweils den besonderen Tipp für Erlebnisse abseits der ausgetrampelten Touristenpfade präsentiert - nur dass sich diese Tipps eben regelmäßig als sündhaft teurer Super-Nepp oder anderweitiges Desaster erweisen.
Einziges Manko, das aber m.E. insgesamt keinen Punktabzug rechtfertigt: Irgendwann beginnen sich die Gags zumindest ihrer Art nach zu wiederholen. Die Autoren haben es sich nicht nehmen lassen, auch hinsichtlich des Umfanges recht genau einen möglichen echten Reiseführer zu simulieren. Nach dem soundsovielten Hotel, dessen desolater Zustand mit euphorischem Ton geschildert wird, verbrauchen sich die Gags daher ein wenig.
Insgesamt aber ein Riesenspaß! Der reiseführerartige Aufbau des Buches mag dazu verlocken, es einem Freund für die Lektüre einer einzelnen Passage mal kurz auszuhändigen. Lassen Sie das sein, sie kriegen es nicht mehr zurück!
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