Selten ist ein witzigeres Buch geschrieben worden! Die Autoren verstehen sich meisterhaft auf alle Humortechniken: Übertreibung, Überraschungsmomente, Parodie - was Sie wollen! Wo haben die Autoren bloß bisher gesteckt? Es ist von keinem der drei irgendeine andere Veröffentlichung zu finden.
Nein, politisch korrekt ist das Buch wohl nicht, aber wer derlei Vorgaben konsequent einhalten will, wird generell nicht viel zu lachen bekommen. Im übrigen: außer der sicherlich unglücklich gewählten Namensähnlichkeit hat dieses Molwanien nun wirklich keine Gemeinsamkeiten mit irgendeinem real existierenden Land. Die fiktiven Molwanier sind faul und ungepflegt, haben einen ausgeprägten Hang zum Betrug und können häufig auch gefährlich werden. Viele sind zumindest unfreundlich, und dort, wo man Freundlichkeit vorfindet, scheint die nicht selten auf Debilität zu beruhen. Die markanten Persönlichkeiten der molwanischen Geschichte waren Versager, Aufschneider, Wirrköpfe oder Verbrecher, manche alles zugleich. Wer darin ein wirklich existierendes Volk wiederzuerkennen meint, muss sich fragen lassen, ob er nicht in erster Linie selbst derjenige mit den Vorurteilen ist.
Ein großer Teil des Spottes richtet sich ohnehin nicht gegen irgendwelche Menschen oder Länder, sondern geißelt den sattsam bekannten Stil von Reiseführern. Ein echtes Schmankerl in dieser Hinsicht sind immer wieder die Kommentare des Besserwissers Philippe, der mit arrogantem Duktus gegenüber den ach-so-blöden Pauschaltouristen jeweils den besonderen Tipp für Erlebnisse abseits der ausgetrampelten Touristenpfade präsentiert - nur dass sich diese Tipps eben regelmäßig als sündhaft teurer Super-Nepp oder anderweitiges Desaster erweisen.
Einziges Manko, das aber m.E. insgesamt keinen Punktabzug rechtfertigt: Irgendwann beginnen sich die Gags zumindest ihrer Art nach zu wiederholen. Die Autoren haben es sich nicht nehmen lassen, auch hinsichtlich des Umfanges recht genau einen möglichen echten Reiseführer zu simulieren. Nach dem soundsovielten Hotel, dessen desolater Zustand mit euphorischem Ton geschildert wird, verbrauchen sich die Gags daher ein wenig.
Insgesamt aber ein Riesenspaß! Der reiseführerartige Aufbau des Buches mag dazu verlocken, es einem Freund für die Lektüre einer einzelnen Passage mal kurz auszuhändigen. Lassen Sie das sein, sie kriegen es nicht mehr zurück!