Wie auch bei vielen anderen Büchern kommt es drauf an, wer das Buch liest. Es kommt drauf an was man studiert, wie ausgeprägt die eigenen Vorkenntnisse sind und wie man mit dem Schreibstil eines Buches zurechtkommt. Daher ist jede Rezension natürlich in gewisser Weise subjektiv.
Meine Rezension bezieht sich auf die 6. englische Auflage.
Der Lodish muss sich die Spitze der Zellbiologie- Lehrbücher mit 2 weiteren Teilen: dem etablierten großen Alberts(Molecular Biology of the Cell) und dem recht neuen (aber ebenfalls sehr guten) Pollard (Cell Biology).
Wie jedes andere Buch hat der Lodish natürlich seine Stärken und Schwächen, die ich hier aufzuzeigen versuche.
Inhalt:
Was den Lodish von anderen Werken abhebt ist die unglaubliche Detailliertheit, mit denen der Großteil der Themen behandelt wird. In der Riege der Zellbiologie - Bücher macht dem Lodish in dieser Beziehung keiner was vor.
Es werden (fast) alle relevanten Themen der Zellbiologie sorgfältig dargestellt und abgehandelt; von den absoluten genetischen und biochemischen Grundlagen über die sorgfältige Darstellung grundlegender zellulärer Prozesse und der ausführlichen Beschreibung aller Organellen und deren Funktion bis hin zur Einführung in die Neurophysiologie, Entwicklungsbiologie und Immunologie. Wer die entsprechenden Kapitel durchgelesen hat kann wirklich von sich behaupten gut informiert zu sein, besonders da der Lodish für ein Lehrbuch hochaktuell ist.
Ebenfalls hervorzuheben ist der Anspruch auf Vollständigkeit, den das Buch erhebt(in den meisten Fällen).
So werden z.B. bei der Darstellung von transzellulären Signalwegen die 8 häufigsten bzw. wichtigsten Rezeptor- Signalkaskaden beschrieben. In vielen Büchern sind an dieser Stelle nur 3 bis 4 aufgeführt. Aber das ist nur ein Beispiel von vielen.
Abgerundet wird das ganze durch ein anständiges Glossar, das die wichtigsten Begriffe enthält.
Ein großes Plus erhält der Lodish von mir für seine zahlreichen sehr gut ausgearbeiteten und dargestellten Methoden. Die Autoren präsentieren zahlreiche klassische und moderne Methoden der Zell- und Molekularbiologie sowie der Biochemie und das nicht nur verständlich sondern auch (für ein Zellbiologiebuch) noch sehr ausführlich. Davon könnten sich einige moderne Biochemie - und Zellbiologiebücher ruhig mal was abschauen. Ganz allgemein muss man hier erwähnen, dass die Autoren es schaffen dem Leser etwas biochemisches Grundverständnis näher zu bringen, denn einigen Artikeln merkt man deutlich an, das hier ein biochemisch orientierter Autor zu Werk gegangen ist. Das ist gerade im Zusammenhang mit den vorgestellten Methoden sehr wertvoll.
Inhaltlich gibt es aber auch negative Punkte:
-leider ist gerade das Kapitel über die grundlegende Genetik etwas zu kurz geraten. Hier hätte man etwas ausführlicher arbeiten dürfen.
-zudem gibt es einzelne Themen die ich (gerade im Lodish) gerne etwas ausführlicher beschrieben gesehen hätte, dazu gehören unter anderem die Apoptose, die Darstellung von Mikroorganismen und das Verwenden von viralen Vektoren
Darstellung/Stil:
Hier muss ich dem Lodish (leider) ein paar Punkte abziehen.
Der Text ist in meinen Augen nicht einfach zu lesen, und das liegt nicht an meinen Englischkenntnissen. Gerade durch die Komplexität einiger Themen und die dargebotene detaillierte Darstellung ist es recht anstrengend, einige Kapitel zu lesen. Zudem hätten ein paar mehr Subunterschriften dem Werk nicht geschadet, denn so verliert man leicht mal den Überblick.
Dazu kommen noch die fehlenden Ausformulierungen vieler Abkürzungen. Der Großteil der beschriebenen Proteine werden über ihre Abkürzungen im Text genannt. Leider wird bei vielen diese Abkürzung nicht einmal ausgeschrieben bzw. gezeigt, wo sie denn herkommt. Das wäre aber gerade bei der offensichtlichen Detailverliebtheit unbedingt notwendig, da man dem Text sonst nicht so gut folgen kann. Am Ende eines Kapitels weis man dann nur noch: " Etwas macht irgendetwas, und Irgendetwas anderes macht irgendetwas ganz anderes!" Das am Ende eines Kapitels keine Kapitel- oder Themenzusammenfassungen stehen, macht die ganze Sache noch schlimmer.
Daher würde ich den Lodish weniger als grundlegendes Lehrbuch empfehlen, sondern vielmehr als kompetentes Nachschlagewerk für Fortgeschrittene. Natürlich eignet sich der Lodish auch als Lehrbuch, nur eben eher für Leute, die es ganz genau wissen wollen und keine Probleme mit vielen ungeklärten Abkürzungen haben.
Wohingegen der Lodish ordentlich Punkten kann, sind die meist hervorragenden Abbildungen; übersichtlich, einprägsam und absolut verständlich. Nicht ohne Grund werden viele Abbildungen aus dem Lodish für Vorlesungen verwendet. Leider wird unter manchen Abbildungen auf den Hauptext verwiesen. Das ist eigentlich nicht schlimm, nur muss man bei der nicht ganz optimalen Untergliederung des Haupttextes manchmal die ganze Seite lesen um Zugang zur Bildunterschrift zu finden (auch deswegen hätten ein paar mehr Subunterschriften in Haupttext nicht geschadet).
Sehr gut gelungen sind auch die Online Inhalte, die man sich mittels Zugangscode anschauen kann: trotz ihrer Ausführlichkeit sehr prägnant. Das liegt unter anderem an dem guten Sprecher der Animationen, vor allem aber an den hervorragend präsentierten Animationen selbst. Man findet fast zu jedem Kapitel Videos und Animationen die das wichtigste zuammenfassen.
Leider fehlen mir hier Bilder zu histologischen Präparaten. Auch ein paar (elektronen-) mikroskopische Aufnahmen mit Vergrößerungseinstellung hätten nicht geschadet, aber das ist nebensächlich.
Preis/Leistung:
Hammer! Knapp 50€ für ein gebundenes (!) Buch mit diesem Informationsgehalt ist im Vergleich zur Konkurrenz wahnsinnig gut. Da kommt, mal abgesehen vom Pollard, keiner ran.
Fazit:
Alles in allem ist der Lodish ein sehr gutes Buch, das für viele wohl eher zum Nachschlagen bestimmter Themen oder Sachverhalte dient. Für Nebenfächler oder solche die sich zum ersten mal engagiert mit der Zellbiologie beschäftigen, gibt es bessere Alternativen (z.B Alberts, Karp).Wer sich aber intensiv in die Zellbiologie einlesen will, kommt wohl kaum um den Lodish rum.
Positiv hervorzuheben sind neben der Ausführlichkeit, die hervorragenden Abbildungen von höchster Qualität, die herausragende Darstellung bioanalytischer Methoden sowie das biochemische Verständnis, mit dem hier zu Werke gegangen wurde.
Negativ zu verzeichnen sind allerdings der gewöhnungsbedürftige Schreibstil, die ausbaufähige Gliederung der einzelnen Kapitel und die teilweise Vernachlässigung genetischer Grundlagen.
Wenn ich ein Buch zur Hand nehme, will ich gerne darin lesen, ohne das es mich allzusehr anstrengt. Leider ist das dem Autorenteam nicht ganz gelungen, dafür sind mir Schreibstil und Struktur des Buchs zu durchwachsen.
Tip: Wer eine kostengünstige, aber nicht ganz so tiefgreifende Alternative zum (ohnehin schon recht günstigen) Lodish sucht, der sollte sich mal den Pollard anschauen.