Meine Rezension bezieht sich auf den Vorgänger dieser Ausgabe!
Was ich nicht verstehen kann ist, dass man überall persönliche und subjektive Bewertungen von Lehrbüchern findet. Ein Lehrbuch zu empfehlen ist nicht ganz so einfach, schon alleine deswegen, weil ein jeder Leser andere Grundlagen mitbringt, einen gewissen Schreib- und Darstellungsstil bevorzugt und, vor allem, unterschiedliche Ansprüche stellt.
Der "große Alberts" macht seinem Namen alle Ehre, denn er bietet viel mehr als nur die Grundlagen der Zellbiologie. So ziemlich jedes Thema, was die Zellbiologie irgendwie betrifft wird grundlegend behandelt, wie z.B. Biochemie, Molekularbiologie, Entwicklungsbiologie, Zelluläre Physiologie, Immunologie, Neurologie und Histologie. Was allerdings zu wünschen übrig lässt ist die minimalistische Behandlung der Pflanzenbiologie und der Mikrobiologie (insbesondere die Darstellung von Viren hätte etwas ausführlicher sein können). Außerdem sind die molekularbiologischen und biochemischen Methoden ausbaufähig.
Obwohl der Alberts ein Mehrautorenbuch ist, so sind fast alle Kapitel, Stellen und Passagen sehr gut und verständlich beschrieben. Auch die Strukturierung und Gliederung des Buches sind sehr gut gelungen.
Zudem bietet der Alberts einen umfassenden Überblick über die behandelten Themen. Ich erkläre das hier mal z.B. anhand der Apoptose. In vielen Lehrbüchern findet man einen Weg der Apoptose beschrieben, den anderen nur angerissen; im Alberts findet man beide in der gleichen Ausführlichkeit dargestellt. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Nicht umsonst hat der Alberts so viele Seiten. Und trotzdem bleibt der Text immer gut strukturiert und übersichtlich, der Alberts ist trotz seiner Größe und seinem Status als Lehrbuch als Nachschlagewerk zu empfehlen, der Gliederung sei dank.
Ein Nachteil dieser Vielseitigkeit, macht sich in der Detailliertheit bemerkbar. Für den einen oder anderen (Master/Diplom -) Prüfling mag der Alberts nicht ausführlich genug sein, da sollte man dann zu Alternativen, wie z.B. dem Lodish greifen.
Die Abbildungen im Alberts sind eher Geschmackssache: das Design ist recht bunt, und spricht nicht unbedingt jeden an. Zudem sind nicht alle Abbildungen wirklich gelungen, einige sind einfach zu bunt, nicht schön anzuschauen oder liegen einfach etwas neben dem didaktischen Ziel. Dafür gibt es aber viele sehr, sehr gute Abbildungen, die einem den Text viel leichter verständlich machen und sich schnell einprägen. Wer aber hauptsächlich auf gute Bilder setzt, ist wohl mit dem Lodish besser dran.
Die DVD ist wirklich sehr gut gelungen, viele einsichtige, selbsterklärende Animationen und Videos mit hervorragenden Sprechern. Es ist nicht notwendig die entsprechenden kapitel im Buch gelesen zu haben, wünschenswert, aber nicht notwendig.
Hinzu kommen viele hervorragende rasterelektronenmikroskopische Aufnahmen und histologische Schnitte mit entsprechender Kennzeichnung, dass man auch immer genau weis, was man wo sieht. Die DVD kann man eigentlich immer im Vollbildmodus anzusehen, was nicht selbstverständlich ist!
Was ich zu bemängeln habe ist, dass man um die CD abspielen zu können (warum auch immer) Netscape und unbedingt AdobeReader 5.0 braucht. Zudem kann man sich 3D-Modelle von Proteinen nur mit Chime ansehen, welches aber selbst nicht auf der CD drauf ist.
Das Buch bietet zudem einen Index und Glossar, sehr hilfreich.
Preis/Leistung: Das Buch ist sein Geld allemal Wert, das ändert aber nichts daran, dass das Buch selbst sehr teuer ist, das Geld hat nicht jeder. Was mich persönlich besonders ärgert, ist das Taschenbuchformat. Wieso muss ich für die gebundene Ausgabe fast 40% mehr hinblättern?
Fazit: Ein sehr vielseitiges Buch, das grundlegende Prinzipien und Sachverhalte der Biologie sehr gut erklärt und dabei in den meisten Fällen genügend in die Tiefe geht. Gerade in den Kapiteln zur Genetik und Biochemie merkt man, wie gut das Buch vermittelt. Die einzelnen Kapitel und Themen sind sehr übersichtlich gestaltet und ermöglichen (dank vieler Subunterschriften und Fettdrucke) sogar zum Nachschlagen von einzelnen Begriffen.
Negativ anzumerken ist, dass einzelne wenige Themen, wie z.B. die Virologie kaum behandelt werden. Manche der Abbildungen erfüllen nicht ganz ihren Zweck, was angesichts des sonst positiven Eindrucks des Buches schade ist. Zudem ist das Buch sehr teuer, selbst als Softcover.
Ich habe sehr viele Bücher zu Hause stehen, aber ich bin selbst immer wieder überrascht, wie gut sich der Alberts lesen lässt. In kaum einem anderen Buch kann ich so gut schmökern, wie im Alberts.
Mein Tipp:
Wer mehr Tiefe zu den einzelnen Themen will (gerade im Methodeteil), greift zum Lodish. Wer weniger bezahlen will, greift zum Karp oder einfach zu der Studentenausgabe. Ansonsten kann ich nur jedem, der beabsichtigt in der Biologie sein Geld zu verdienen zu diesem Buch raten, da es eigentlich alles hat, was man sich von einem guten Lehrbuch wünscht.