Warschau, Polen, Herbst 1939. Mojsche Schuster, Vollwaise, lebt - wie 100 andere Kinder auch - im Waisenhaus von Dr. Korczak. Der Doktor - ein angesehener Mann - spricht im Radio über Erziehung. Die Hörer wissen allerdings nicht, dass er Jude ist.
Nun schlägt die Geschichte zu: Hitler und Stalin schließen ihren berüchtigten Pakt; am 1. September marschieren die deutschen Truppen in Polen ein. Sehr schnell müssen die Juden den gelben Stern tragen; sehr schnell begreift Mojsche, was ihm blühen wird. Aber: Er ist - mit seinen 14 Jahren - unsterblich in Rejsele verliebt. Sie in ihn auch?
Die Lage spitzt sich zu. Mojsche legt seine jüdische Identität ab, flüchtet aus dem Waisenahus und geht zu den Partisanen. Wird er überleben und seine Rejsele noch einmal wiedersehen?
Karlijn Stoffels hat in diesem Jugendbuch (in der ausgezeichneten Übersetzung von Mirjam Pressler) eines der dunkelsten Kapitel des 2. Weltkriegs aufgegriffen: die Vernichtung des polnischen Judentums. Wenn man liest, dass die deutschen Besatzer etwa damals festlegten, dass ein Deutscher 2500 Kalorien, ein Pole 600 und ein Jude 184 Kalorien pro Tag benötigen würde, begreift auch ein Jugendlicher, was das "Herrenvolk" mit Juden und "slawischen Untermenschen" vorhatte.
Eine angenehme und leichte Lektüre ist dieses Buch bei Gott nicht; andererseits erhält der Jugendliche, dem diese Zeit womöglich ähnlich fern ist wie der 30jährige Krieg, sehr viele wichtige Informationen (hier bietet sich zB ein Projekt in der Schule mit den Fächern Deutsch/Geschichte/Religion an!)
Abschließend sei (ungern) verraten, dass die Geschichte ein (spätes) Happyend hat!