Als Tom Petty 2008 mit seiner ersten Band Mudcrutch ihr "verspätetes" Debüt-Album herausbrachten, hatte ich in meiner Rezension der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass die aus dem Album herausberstende Spielfreude sich auch auf die Heartreakers übertragen möge. Diese Hoffnung wurde mit MOJO mehr als erfüllt. Hier sind Musik-Profis am Werk, die jede Note lieben, die sie ihren Instrumenten entlocken.
Allerdings muss man gleich zu Beginn sagen, dass dies keine typische Heartbreakers-Platte ist. Der klingelde California-Sound, den man sonst kennt, wird hier nicht bedient. Dafür toben sich Petty und seine Mannen in den Gefilden des Blues, des Country & Western und des Reggae aus. Tom hat schon in mehreren Interviews behauptet, dass die Heartbreakers eigentlich eine astreine Blues-Combo seien. Mit MOJO trägt er dieser Aussage Rechnung. Statt Byrds und Beatles dominieren hier eher Eric Clapton oder Gary Moore und vor allem die klassischen Bluesgrößen wie B.B. King oder Muddy Waters das Parkett.
Das Album hat eigentlich alles, was man sich von einer TP & HB Platte erwartet: Eingängige Melodien (wenn auch nicht im gewohnten Gewand), die in eine meisterhafte und mit traumwandlerischer Leichtigkeit eingespielte Instrumentation gekleidet werden. Dabei erhält Lead-Gitarrist Mike Campbell diesmal mehr Raum für seine Saitenartistik, die er sonst in dieser Breite nur in Konzerten unter Beweis stellt. Darüber hinaus zeigt sich MOJO sehr abwechslungsreich und wartet mit einer stimmigen Dramaturgie auf, die schnelle, langsame, laute und leise Nummern abwechselt, so dass jeder Song seinen logischen Platz im Gesamtwerk hat. Daneben zeigt Petty mit seinen herrlich auf den Punkt gebrachten Lyrics, warum er zu den Großen der Songwriter-Zunft gehört. Pettys meist lakonischer manchmal auch ironischer Stil passt sich wunderbar in die entspannten Blues-Klänge ein. Wer sich die Texte einmal durchliest, wird sich an mehreren Stellen ein herzliches Schmunzeln nicht verkneifen können.
Anspieltipps sind "First Flash of Freedom", das mit herrlicher Instrumentalarbeit und Anleihen an die Psychedelia der 70er aufwartet. In "I should have known it" zeigen Petty und seine Mitstreiter, dass sie das Abrocken nicht verlernt haben. "Something Good Coming" der mit Abstand ruhigsten und melancholischsten Nummer des Albums, wirkt gerade durch ihren Minimalismus sehr persönlich. Als Schmunzelnummer, sowohl musikalisch wie auch inhaltlich, ist eindeutig "Don't Pull Me Over" zu empfehlen, in der die Band ungewohnterweise die Pfade des Reggae betritt und zeigt, dass sie sich auch hier auskennt. Gleichzeitig nutzt Petty - Schelm, der er ist - den Song für einen ironischen Kommentar zur Legalisierung von Marihuana.
Fazit: Wer einfach gute, handgemachte Musik mit intelligenten Texten liebt, und zudem eine Vorliebe für Blues o.ä. besitzt, sollte sich diesen Silberling unbedingt zulegen.
Das gleiche gilt auch für angestammte Tom Petty Fans, die sein Schaffen nicht auf die Zusammenarbeit mit Jeff Lynne reduzieren, denn hier liegen Welten dazwischen.
Und das ist gut so!