Der 1942 geborene Hans Jansen gehört als Professor für islamisches Denken der Gegenwart an der Universität Utrecht zu den bekanntesten und profiliertesten Islamwissenschaftlern in Europa. Er hat besonders viel publiziert zum frühen Islam und zum islamischen Fundamentalismus.
Mit seiner neuen Mohammed-Biographie macht er diesem Ruf alle Ehre. Indem er die Erzählungen über das Leben Mohammeds zum Ausgangspunkt seiner Suche macht, versucht der dem historischen Kern all dieser Legenden nachzugehen. Das Ergebnis, zu dem Jansen dabei kommt, ist zunächst ernüchternd. Wurde, von den Wundergeschichten einmal abgesehen, das Grundgerüst dieser Erzählungen bisher für historisch gesichert gehalten, unterzieht sie Jansen einer schonungslosen wissenschaftlichen Überprüfung. Er greift auf neueste archäologische und philologische Erkenntnisse zurück, selbst die Argumente der Forscher, die die Existenz Mohammeds überhaupt in Frage stellen, werden diskutiert.
Er folgt detailliert der Wortbedeutung des Namens "Mohammed", beschreibt die Städte Mekka und Medina, und räumt mit vielen überkommenen Bildern auf; er beschreibt die Missionspraxis Mohammeds und greift auch die in der letzten Zeit lebhaft diskutierte Frage nach einer möglichen christlichen Prägung des Islam auf.
Jansen legt mit diesem Buch zum ersten Mal seit langer Zeit eine Mohammed-Biographie vor, die sich auf dem neuesten Forschungsstand zeigt. Obwohl er ausdrücklich betont, dass er sich an Historiker richte und nicht an die Gläubigen, denn "Religion ist nicht überprüfbar", enthält das Werk ein eminent religionskritisches Potential, das für die Auseinandersetzung mit dem Islam, vor allem dem politischen Islam, seine aufklärerische Wirkung nicht verfehlen wird.
Wenn dereinst solche Bücher aus der Mitte des Islam kommen, ist die Zeit der dringend nötigen und schon oft vergeblich herbeigeschriebenen islamischen Aufklärung und Renaissance angebrochen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Ob wir ihn überhaupt erleben werden ?