Da mußte erst ein deutscher Filmschaffender vorbeikommen um zu bemerken,dass es über den 1938 geborenen Jean Giraud("Leutnant Blueberry")alias Gir alias Moebius trotz seiner Bekanntheit und unermeßlichen Akzeptanz im Comicmetier noch keinen Film gibt. 2003 kontaktierte er Moebius deswegen,der sich zuerst nicht sehr begeistert zeigte,letztendlich aber dann doch zusagte,den Film zu machen. Hasko Baumann organisierte dann noch etliche andere Szenegrößen,die über Moebius reden wollten,schrieb das Drehbuch und führte Regie. Der Film wurde letztendlich 2006 fertig gestellt,ist nur knapp über 70 Minuten lang,dabei aber ziemlich informativ und ein Fest für Comicfreunde. Neben Moebius wurden Stan Lee(Jahrgang 1932),Alexandro Jodorowsky(geb. 1929),HR Giger(geb. 1940),Dan O Bannon(1946-2009),Phillippe Druillet(geb. 1944),Enki Bilal(geb. 1951),Mike Mignola(geb.1960) und Jim Lee(geb. 1964)interviewt. Durch die geschickt geschnittenen Interviewfragmente läßt sich ein relativ chronologischer Lebensweg von Giraud nachvollziehen. Jodorowsky,Druillet und O Bannon sind frühe Weggefährten von Giraud und kennen ihn schon lange. Und auch die anderen Interviewpartner kennen ihn und wissen etwas über ihn oder zumindest die Wirkung seiner Arbeiten auf das Comicpublikum zu berichten. Fast alle werden zudem beim Zeichnen beobachtet und erstellen eine Exklusivskizze für den Film. Jodorowsky,O Bannon und vor allem Giger und Druillet werden bei sich zu Hause in ihrem natürlichen Umfeld befragt,was auch Wissenswertes über sie selbst preisgibt. Deshalb ist die DVD nicht nur etwas für Moebius-Fans,sondern auch für Comicfans an sich interessant.
Es wird wenig auf die Ursprünge Girauds eingegangen. Aber es wird erzählt,dass er nie einen richtigen Vater hatte,und erst der Anblick der mexikanischen Wüste beim Besuch von Mutter und Stiefvater eine erste Initialzündung war,der die vorhandenen Anlagen ausbrechen liess. Weiter geht es mit seiner Zeit bei dem Magazin "Pilote",der Gründung des Erwachsenenmagazins "Metal Hurlant" mit Druillet(das auf Deutsch unter dem Namen "Schwermetall" und auf amerikanisch als "Heavy Metal" die Comicwelt revolutionieren sollte)und Einzelarbeiten. Dan O Bannon,der Autor des SF-Klassikers "Alien" erzählt von seiner Zusammenarbeit mit Moebius an diesem Film und dem Comic "The Long Tomorrow",Jodorowsky spricht über sein gescheitrtes Filmprojekt "Dune" und natürlich den Inkal-Zyklus und Stan Lee schuf mit Moebius zusammen eine besonders schöne Story um den Silver Surfer. Nicht unerwähnt bleiben sollte der meiner Meinung nach absolut hervorragende Soundtrack des 1952 geborenen Musikers Karl Bartos,der von 1975-1990 Mitglied der Gruppe "Kraftwerk" war und ähnlich angelegte Klangwelten beisteuert,die die oft kühlen futuristischen Visionen Moebius adäquat untermalen. Die Hauptdisc enthält auch noch zwei Audiokommentare(einer in Deutsch,einer in Englisch),ansonsten werden die im Original in französisch,spanisch,englisch und schwyzerdeutsch gehaltenen Interviews je nach Sprachauswahl (Englisch,Deutsch,Französisch)untertitelt und von einem Off-Kommentator begleitet.
Die Bonus-Disc gibt sich mit 125 Minuten üppig,ist aber auch ein bißchen aufgebläht,denn nur wenig unterscheidet sich von den im Film schon gesehenen Statements. Immerhin gibt es einige schöne erweiterte Szenen mit Moebius in Angouleme und Paris,und auch Gigers eigenwilliger Garten in Zürich wird länger gezeigt. Insgesamt gesehen ist die Doppel-DVD mehr als lohnend,auch wenn für manche Fans nicht allzu viele neue Infos dabei waren. Andere Kritiker finden Giraud in diesem Film auch unsympathisch. Das sehe ich gar nicht so. Dass er ein skurriler Typ ist,ist hinlänglich bekannt. Allzu absurde Spinnereien,wie ich sie von ihm schon in etlichen öffentlichen Auftritten in Erlangen gehört habe,bietet er in diesem Film aber nicht.
Der Film war auch auf vielen Festivals ein Publikumsliebling und gewann 2007 den "Judges Choice Award" auf dem internationalen Filmfestival der Comic Con San Diego und 2008 den Preis als "Best Biographical Documentary" auf dem New York International Independent Film and Video Festival.