Jemand der sich für Kuntgeschichte interessiert, kennt natürlich auch die Arbeiten von Amadeo Modigliani. Mit dieser geringen Vorbildung bin ich interessiert an diesen Film heran gegangen und war von der Inzenierung und vorallem von der schauspielerischen Leitung Andy Garcias durchweg begeistert.
Vielleicht denkt man manchmal während des Films: Typisch, so sieht die Welt ihre Künstler. Ständig betrunken, ständig den Drogen verfallen, liegen ihnen auch noch alle Frauen zu Füssen.
Modiglianis Biografie ist allerdings noch erschreckender als wie es hier im Film gezeigt werden konnte.
"Er" prägte zu Lebzeiten dieses Künstlerbild nachhaltig (wurde nach seinem Tod schon fast mystifiziert), was bis heute noch bestand hat. Doch ist dieses vermeindliche Künstlerbild in Anwendung auf andere Künstler, egal zu welcher Epoche und Zeit, in 99% der Fälle eher ein Vorurteil oder Wunschbild von Kunstinterssierten.
So orgiastisch wie Modigliani hat auch sein Zeitgenosse, dass vermeindlich größte Genie des 20ten Jahrhunderts, Picasso, nie gelebt. Im Gegenteil. Picasso galt als absolut rational, geschickt auch im Umgang bei der Entwicklung seines Erfolgs.
Auch wenn der Film keinen Anspruch auf biografische Korrektheit legt, so ist er den Tatsachen der Modigliani Biografie, den Kunsthistoriker über Jahrzente zusammen getragen haben, recht Nahe.
Es gibt lediglich zwei Aspekte die zum Zwecke der Dramaturgie des Films sicher bewußt geändert wurden:
Sein Verhältnis zu Picasso war nie feindseliger Natur, auch wenn Modigliani die Erfolgsmaschinerie Picassos, der damals schon als etablierter Künstler galt, nicht sonderlich mochte. Picasso hat Modigliani sogar mehrfach unter die Arme gegriffen
und war zu keiner Zeit so dicklich wie hier in diesem Film.
Die rührende Begegnung Modis mit Renoir, dem Altmeister des Impressionismus, hat es zwar gegeben (aber zufällig und nicht durch Picasso arrangiert), endete aber im Streit. Modigliani empfand die Akte Renoirs für einen so alten Mann viel zu lüstern und damit unangemessen.
Die wenigen Unstimmigkeiten stören den Film nicht.
Es wird eine durchweg glaubhafte Geschichte dieses ungewöhnlichen Künstlers und seines Umfeldes in stimmungsvollen Bildern erzählt, die betroffen macht und gleichzeitig fasziniert.
Absolut sehenswert !!!