Hartmut Berghoff liefert mit der Modernen Unternehmensgeschichte ein Einstiegswerk erster Klasse ab.
Zum einen ist das Buch klar strukturiert aufgebaut, es werden zunächst allgemeine Definitionen und Klassifizierungen erläutert und dann in einer sinnvollen Weise die verschiedenen Aspekte der Unternehmensgeschichte dargestellt. Dabei geht er zunächst auf so allgemeine Entwicklungen wie die Größe eines Unternehmens oder ihrem Standort (Schwerpunkt sind dabei USA und Deutschland) und ihren wirtschaftlichen Kontext ein und erweitert den Horizont dann mehr und mehr in die Bereiche, die in der allgemeinen BWL oft außen vor gelassen werden, in der Entwicklung der Unternehmensgeschichte aber ebenso wichtig sind - das soziokulturelle Umfeld von der Belegschaft, die unter dem Dach ihres Arbeitgebers auch wohnt bis hin zu Klüngel und Politik sowie die Auswirkungen durch Ereignisse wie die beiden Weltkriege.
Zum anderen schreibt Berghoff flüssig und lebendig, soweit es das Thema eben zulässt. Die Theorie wird immer wieder durch konkrete Fallbeispiele verdeutlicht und durch Zahlen und Graphen untermauert. Auch die Bilder, die als Zeitzeugen dienen, tragen viel zur Stimmung des Textes bei. Das der Schwerpunkt trotz allem vor allem bei den Großen liegt, ist wohl überwiegend der Tatsache geschuldet, dass die geschichtliche Aufarbeitung der KMUs noch zu wünschen übrig lässt und es in der Natur der Sache liegt, das Großunternehmen bessere Archive besitzen als der kleine Handwerksbetrieb. Die Verweise auf weitere Autoren sind zwar stete Begleiter, aber so sanft eingefügt, dass alle, die nur einen Überblick über das Thema wünschen, sie getrost überlesen können.
Für Geschichtsstudenten ist das Buch definitv ein sehr leichter und umfassender Einstieg. Im Haupt- und selbst im Nebenfach "Unternehmensgeschichte" dürfte der Lehrstoff schnell diese Einführung verlassen. Für Studenten bleibt das Buch also ein erster sehr guter Trittstein. Am Ende eines jeden Kapitels ist eine recht ausgiebige Liste weiterführender Literatur für die nächsten Schritte.
Für interessierte Laien ist das Buch wegen seiner guten Lesbarkeit, der nicht zu technischen Sprache und der dezent verborgenen "ordentlichen wissentschaftlichen Dokumentation" ebenfalls rundherum zu empfehlen.
Ganz besonders würde ich das Buch jedoch allen Wirtschaftlern empfehlen, die normalerweise nicht viel mit Geschichte am Hut haben. Im normalen Studium wird in der Regel zu sehr der Fokus auf das Primärunternehmen sowie die Theorie gelegt. Die Moderne Unternehmensgeschichte erinnert jeden künftigen Manger daran, dass Angestellte eben keine Zahlen sind, dass weiche Faktoren ebensowichtig sind wie harte Theorie und letztere oft bloße Mode ist und daher im Unternehmensalltag auf dann auf ihre konkrete Tauglichkeit geprüft werden muss, wenn sie mit einem Nobelpreis honoriert wurde. Als Beispiel sei hier der krasse Wechsel der Empfehlung "Diversifizieren zwecks Risikostreuung!" während der 70er Jahre zum aktuellen "Kernkompetenzen zur Kräftemaximierung" genannt oder die Tatsache, dass die meisten "Fusionen unter Gleichen (Großen)" ein wirtschaftlicher Misserfolg waren.
Ich selbst habe mein Exemplar aus einem Restseller-Verlag, auch der z.Z. niedrige Preis deutet darauf hin, dass die aktuelle Auflage langsam ausläuft. Es bleibt zu hoffen, dass es entweder einen Reprint oder sogar eine Neuauflage geben wird - zwar hat Berghoff auch 2004 schon die Beduetung der modernen Kommunikationspolitik berücksichtigt, aber inzwischen ist dieses Thema natürlich enorm viel präsenter geworden und hat nicht zuletzt die rasanten Überspekualtionen der Spekulanten heute erst ermöglicht.
FAZIT:
Das Buch ist rundherum zu empfehlen. Als sehr guter Einstieg für Hauptstudenten, als interessante Lektüre für Interessierte und eine nicht zu unterschätzende Horizonterweiterung für alle anderen BWLer, Entscheider und Führungskräfte.