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27 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dylan in modernen Zeiten, 19. Februar 2007
Das Jahr 2006 war für Bob Dylan eines der Besten seit langem. Zum halbrunden Jubiläum war er in den Medien so omnipräsent, daß man meinen konnte, die 60er Jahre seien zurückgekommen, überall wurde dem Meister überschwänglich zum 65. gratuliert, er selbst ließ sich in schlicht hervorragenden Radiosendungen (was bei dem sonst extrem medienscheuen Dylan ein wahres Wunder ist) zu Themen des Lebens (Musik natürlich, Frauen, Knäste, Lyrik, Baseball usw.) vernehmen, gab Intervievs, führte seine "Neverending Tour" weiter und veröffentlichte im September zur Krönung ein hervorragendes Album, das den schon ausgezeichneten Vorgängern (das triumphale "Time Out Of Mind" und "Love And Theft) die Krone aufsetzt.
Auf "Time Out Of Mind" herrschte ein düsterer, pessimistischer, gar todessehnsüchtiger Ton zu spartanisch produzierter Musik vor, "Love And Theft" unternahm eine manchmal etwas chaotisch Reise quer durch die amerikanische Musik des 20. Jahrhunderts.
"Modern Times" eröffnet mit dem klassischen Rocksong "Thunder On The Mountain", der den Hörer nach Hells Kitchen, Midtown Manhattan, entführt und ihm Alicia Keys an die Seite stellt, "Spirit On The Water" ist eine melancholische Hymne an eine vergangene Liebe (in langsamem Swing, so daß man dazu auch noch tanzen kann, aber nur ganz langsam), "Rollin' and Tumblin'" zitert, wie der Titel schon verspricht, virtuos und kongenial einige Bluesklassiker, "When The Deal Goes Down" ist ein melancholischer Walzer (Tanzsong Nr. 2) und ein hemmungslos sentimentales Liebeslied, wie man es von Dylan schon lang nicht mehr gehört hat, "Someday Baby" skizziert einmal mehr eine unglückliche Liebesgeschichte und damit ein ewig gültiges Bluesthema.
Einer der stärksten Songs, den Dylan je geschrieben hat, ist zweifelsohne der "Workingman's Blues #2", ein Song über den Niedergang, allerdings mit einer recht fidelen Altersweisheit und zu einer aufwärts strebenden Melodie mit Spieluhr - Piano vorgetragen, der dem Thema die Düsternis nimmt einen den Lichtstreifen am Horizont erahnen läßt. Mit "Beyond The Horizon" zitiert Dylan ein weiteres mal die mittlerweile liebgewonnene Swingmusik seiner Jugend (Tanzsong Nr. 3) und singt unsterbliche Zeilen wie "Beyond the horizon, in the springtime or fall, love waits forever for one and for all", einfach wunderschön, in "Nettie Moore" wird die Heldin eines Folksongs liebevoll gezeichnet, "The Levees Gonna Break" zitiert wieder bewußt einige Bluesklassiker und ruft hintergründig die Flut von New Orleans ins Gedächtnis zurück. Dylan schließt hier mit der majestätischen Western - Ballade "Ain't Talkin'", in der er einmal mehr die Rolle des aus dem Paradies vertriebenen, von aller Welt verlassenen und verratenen Outlaws übernimmt, ein Song über Einsamkeit und Verzweiflung, wie nur Dylan ihn schreiben kann.
Das wohl etwas ironisch betitelte Album orientiert sich also ganz an klassischem Material und jeder Song bringt das Künststück fertig, uralt und doch brandneu zu klingen, Dylan hat hier eine Platte voller Evergreens geschrieben, die man immer wieder mit größtem Genuß hören kann.
Man kann nur hoffen, daß der Meister uns noch sehr lange erhalten bleibt.
Unbedingte Kaufempfehlung.
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Auferstehung, 18. März 2007
Oh Ha!!!
Was ist denn das? Nachdem man auf "Time out of mind" schon das Gefühl hatte, der gute Bob würde in seiner Todessehnsucht demnächst abnippeln, kommt einem hier schon der Opener "Thunder on the Mountain" derartig frisch und tight entgegen, dass man sich schon fragt, was Mr. Dylan so in der Zwischenzeit getrieben hat. "spirit on the water" ist schön smoothy und jazzig und Dylan nölt dazu, wie man es lange nicht gehört hat. "Rollin and Tumblin" ist der perfekte Song, um den Spritpreisen zu trotzen und den Highway in Angriff zu nehmen, dann wirds wieder softer. "Someday baby" besticht durch einen Soundteppich, der dich einlullt, bis es zu spät ist und so gehts munter weiter. Zum Abschluss kommt noch "ain't talking", mit wunderschönen Streichern und einer Stimme wie Öl.
Ich will noch nicht von Alterswerk sprechen, schließlich ist Dylan ja noch keine Mumie, aber mit Modern Times gelingt ihm das musikalische Gegenstück zur modernen Zeit: ein richtig cooles und unaufgeregtes Album, just Music halt, ganz ohne Pathos und Schmalz. Klasse!
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20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
The Modern Times Are A-Changin', 23. Oktober 2006
Nach fünf ewigen Jahren des Wartens hat es nun endlich das Licht der Welt erblickt des Meisters 44. Album das beste seit rund zwei Jahrzehnten. Dylan selbst sagte zuletzt der Musikpresse, dass er schon seit 20 Jahren kein gutes Album mehr gehört hat. So ganz mag man ihm das natürlich nicht glauben, wenn man sich allein seine Solowerke in dieser Zeit betrachtet, die mal mehr, mal weniger solide daherkamen.
Modern Times ist, was man gemeinhin ein spätes Meisterwerk nennt! Natürlich wird hier die Musik nicht neu definiert, keine Elektronik verwendet und auf Platitüden verzichtet. Dylan anno 2006 ist, wie auch vor 40 Jahren schon, jemand der nicht abgefahren sein will. Grundsolide wäre ein Wort das ihm Nahe kommt, oder weise. Ihm selbst würde es natürlich nicht gefallen ihn so zu bezeichnen.
Aber genau das ist es, was sein neues Album wieder einmal so unwiderstehlich macht. Keinen Moment klingt es aufgesetzt, überfordernd oder gar modern und trotzdem so perfekt, wie seit 20 Jahren (fast) kein anderes. Songs wie Spirit on the water oder Ain't talkin' sind Juwelen, die sich einreihen in ein Lebenswerk das allein durch die Songtexte ganze Bücher füllen könnte. Musikalisch reihen sich fein akzentuierte Streicher in eine Reihe mit Mundharmonika, Slidegitarre und jazzigem Schlagzeug. Dazu Dylans einzigartig näselnde Stimme, verbittert, gebrochen und doch versöhnlich. Es ist berührend ihn wieder in einer solchen Höchstform zu hören!
Ja, es sind Geschichten die nicht abgefahren und überdreht sind, sondern das widerspiegeln, was einem jeden Morgen beim Blick in den Spiegel durch den Kopf geht, oder bei einer einsamen Heimfahrt von der Arbeit oder einem viel zu langen Abend in einer Bar, nachdem die letzten Freunde auch schon gegangen sind es ist das ganz normale Leben, das ihn trotz all des Erfolgs und der Drogen immer wieder einholt. Das darf man einfach nicht verpassen!
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