Das Glück meiner Generation, einen Jugendhelden zu haben, mit dem man zusammen älter werden kann? Jedenfalls ist es mir überhaupt nicht peinlich, mich wie ein kleines Kinde auf die neue CD von Bob Dylan gefreut zu haben. Vorbestellt lag sie endlich in meinem Briefkasten. Und statt sie sofort aufzulegen (ja, so nennen es die in den Fünfziger Geborenen noch), öffnete ich einen guten Wein, stellte mir einen Antipastiteller zusammen, setzte mich auf die Küchenablage ' und hörte.
Ich hörte den Folksinger, den Blueser, den Rocker, den Gospelsänger und den ewig Suchenden. Das war damals mein Irrtum, als auch ich es Dylan kurz übel nahm, seinen Stil zu wechseln. Ich meinte, er suche Antworten für mich. Und ich ertrug es damals schlecht, dass er Antworten für sich sucht. Von denen konnte ich mir ja aussuchen, was mir zusagte. Und jetzt, in seinem wunderschönen Modern Times sagt er mir, dass sich das Grundsätzliche nie ändert. Die neuen Zeiten sind die alten ' der neue Mensch ist der alte. Die wichtigen Fragen sind immer die gleichen. Für eine solch banale Message braucht es außergewöhnliche Künstler, damit wir sie ertragen. Bob Dylan ist einer von ihnen.
Schön, dass ich noch eine limitierte DeLuxe Edition erwischte. Denn die vier Videos führen in ihrer Schrägheit dem ganzen Klimbim des Videozeitalters seine Selbstüberschätzung vor Augen. Aber da die zehn Songs so schön sind, haben die Käufer der Normalausgabe nicht Pech, sondern ebenfalls Glück. Das Glück, mit neuen Songs von Bob Dylan Freundschaft zu schliessen.
Mein Fazit: Als Fan im Urteil alles andere als neutral, sage ich nur: kaufen und sich freuen.