Lisa hat schon mit Mitte zwanzig ein so kaputtoperiertes Leopardengesicht wie manche Mittvierzigerin, kommt vom Koks nicht mehr runter, das sie die Nächte durchstehen lässt. Vivian stellt die müde Beziehung zu ihrem Freund nicht nur eloquent in Frage, bewegt sich mit Ironie und Lebenshunger durchs Nachtleben, fordert das Leben und ihre nächtlich wechselnden Liebhaber heraus, glaubt an die naheliegenden Dinge, die eine Wahrsagerin ihr prophezeit. Tanja ist die Mitläuferin von den dreien, gibt vergleichsweise die Melancholikerin.
Die "Models" in Ulrich Seidls dokumentarischem Film legen sich auf Maschinen, die ihre Körper automatisch trimmen, diskutieren auf der Sonnenbank, welcher ihrer Freunde für einen Dreier in Frage käme, lügen wie gedruckt, schleppen vorsichtshalber ihre Fotografen ab. Beim Casting halten sie Nummern hoch, während sie ihre Körperparameter aufsagen, demütigen sich vor chauvinistischen Fotografen, die ihren Job hedonistisch auskosten ("Das sieht jetzt wie a 92ger Glockerl aus"), verschlingen das Leben und verzehren ihre Jugend und sich selbst. - Ein schleichender Prozess, der, während das Karussell des Geschäfts beschleunigt, das Bewusstsein tötet.
Das Modeln ist bei Ulrich Seidel nur Mittel zu Ruhm und Spaß. Dass es, wie es auf der Coverrückseite heißt, schwierig gewesen sein soll, Models zu finden, die gerne reden, merkt man dem Film nicht an, so authentisch kommt einem vor, was man sieht. Seidel zeigt mal wieder die Realität, bis es wehtut. Gleichzeitig schwingt in "Models" eine Lebensfreude und Erotik mit, die in diesem Kontext verstört und auch mit dem Wiener Schmäh zu tun hat, der das Ganze um Längen harmloser macht, als es ist. Der Film hinterlässt das seltsame Gefühl, etwas im Leben noch nicht richtig verstanden zu haben. Und das ist gut so.