Gesundheit und Krankheit kennt jeder von uns aus seinem eigenen alltäglichen Erleben. Außerdem sind beides Themen, mit denen sich Heerscharen von Fachleuten professionell beschäftigen, u.a. allein in Deutschland rund 300.000 Ärzte und Ärztinnen. Daher sollte man meinen, dass klar ist, worum es geht, wenn wir von Gesundheit oder Krankheit sprechen. Es ist aber anders. Gesundheit und Krankheit sind seltsam ungreifbare Sachverhalte, so nah und doch so fern. Das Sozialgesetzbuch definiert Krankheit als regelwidrigen Zustand, also in Abgrenzung einer an Normwerten festgemachten Gesundheit. Was ist dann also Gesundheit? Die berühmte Definition der Weltgesundheitsorganisation lautet: Gesundheit ist als mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Damit sind wir dann so klug wie zuvor und neigen dazu, mit dem Philosophen Hans-Georg Gadamer von der Verborgenheit der Gesundheit zu sprechen, was die Sache zwar nicht auch nicht klarer macht, aber das Problem doch immerhin benennt. Alexa Franke, Professorin für Rehabilitationspsychologie an der Universität Dortmund, hat sich dieses Problems angenommen und ein Lehrbuch daraus gemacht. In gut lesbaren, übersichtlichen Kapiteln geht sie der Frage nach, warum Gesundheit und Krankheit so schwer voneinander abzugrenzen sind, wie man Gesundheit definieren kann, welche unterschiedlichen Ebenen von der Medizin bis zur Ökonomie dabei eine Rolle spielen, was die Besonderheit psychischer Störungen ausmacht, wie der Begriff der Behinderung zu fassen ist, wie bestimmte Modelle von Gesundheit und Krankheit mit Theorien über deren Verursachung zusammenhängen und last not least, welche Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit wir im Alltagsleben pflegen. Jedes Kapitel ist als Lerneinheit aufgebaut, mit prägnanten Einführungstexten und mit Lehrfragen, die eine weiterführende Auseinandersetzung mit dem Thema anregen wollen. Das Buch ist hervorragend für den Unterricht in sozial- und gesundheitswissenschaftlichen Fächern geeignet, insbesondere sei es den Studierenden des Faches Medizin ans Herz gelegt. So manches Problem der Medizin, insbesondere was das Arzt-Patienten-Verhältnis angeht, hat auch damit zu tun, dass Ärzte Gesundheit und Krankheit zu oft als das missverstehen, was sich als Laborwert oder Röntgenbild dingfest machen lässt. Es geht aber um viel mehr und das Buch von Alexa Franke ist ein hilfreicher Reiseführer bei der Erkundung dieses weiten Feldes jenseits des biomedizinischen Modells.