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5.0 von 5 Sternen
Moby-Dick! Aber welche Übersetzung?, 16. Juli 2007
Rezension bezieht sich auf: Moby-Dick, oder: Der Wal (Gebundene Ausgabe)
Moby-Dick ist kein Abenteuer Roman.
Wer sich dessen bewusst ist und sich an dieses Stück Weltliteratur heran wagt, stößt vielleicht auf die Frage: welche Übersetzung ist die Beste?
Meiner Meinung nach kommen überhaupt nur zwei in Frage.
Die von Friedhelm Rathjens erschienen bei Zweitausendeins
Und die von Matthias Jendis erschienen im Hanser Verlag.
Der Übersetzer Friedhelm Rathjens sagt: wenn sich das Original sperrig, kompliziert und gespreizt gibt, dann muss auch die Übersetzung originalgetreu sperrig, kompliziert und gespreizt sein.
Das bedeutet, dass Rathjen die langen Satzreihungen Melvilles eben nicht in getrennte Haupt- und Nebensätze auflöst.
Die im original nur durch Semikolons getrennten Wurmsätze, die sich nicht um Lesbarkeit scheren und sich manchmal über eine ganze Seite winden, werden von Rathjens so übersetzt, wie Melville sie vor über 150 Jahren aufgeschrieben hat.
Dadurch wird die Lektüre nicht vereinfacht, aber das möchte Herr Rathjen auch nicht.
Er unternimmt nicht den Versuch, den Roman "zu verbessern" oder ihn gefälliger zu machen.
Rathjen liefert eine möglichst getreue Kopie des Originals.
Der Übersetzer Matthias Jendis überarbeitete Friedhelm Rathjen Übersetzung.
Wo sich Rathjen den Exzessen der Melvillschen Sprache bedingungslos ausliefert
greift Jendis glättend ein und wählt im Zweifelsfall die leichter zu lesende Version.
Konsequent werden Satzungetüme entzerrt und Wiederholungen ausgelassen.
Dazu Friedhelm Rathjen: Der Bearbeiter hat den Text so sehr entrathjent, dass ich ihn nicht wiedererkannte.
Der Hanser Verlag brachte im Jahr 2001 Moby-Dick in der Übersetzung von Matthias Jendis heraus.
Die Kritik bescheinigte dieser Übersetzung eine hervorragende Arbeit.
Drei Jahre später brachte Zweitausendeins die Rathjens Übersetzung heraus.
Welches ist nun das bessere Werk?
Natürlich kann es hierauf keine allgemein gültige Antwort geben.
Jedenfalls bin ich froh, dass ich mich für die Version von Herrn Rathjens entschieben habe.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Viel diskutierte Neuübersetzung des "Welt-Meer-Klassikers"!, 22. Dezember 2004
Der New Yorker Herman Melville (1819 bis 1891) war ein recht glückloser Autor. Seine Romane und Erzählungen - so auch Moby Dick (1850) - konnten Kritiker und Leser zeitlebens nicht wirklich erwärmen. Melville registrierte dies mit gewissem Trotz. Es sei besser, auf der Suche nach Originalität zu scheitern, als mit einer Nachahmung Erfolg zu haben, so seine Überzeugung. Der Ruhm begann nach dem Ersten Weltkrieg. 1925 kam der Film zum Wal-Drama in die Lichtspielhäuser, die erste deutsche Buchübersetzung erschien im gleichen Jahr. Moby Dick ist für Melville die geniale Basis um religiösen und philosophischen Weisheiten der Menschheitsgeschichte in seinen Figuren ein literarisches Denkmal zu setzen. Dessen Leistung für die Weltliteratur musste seine zeitgenössischen Leser mit Fassungslosigkeit erfüllen. Dem jetzt vorliegenden aufwendigen Buch liegt die jüngst vollendete kongeniale Neuübersetzung von Friedhelm Rathjen zugrunde.
Der sagenumwobene weiße mörderische Wal und sein von unbändigem Hass getriebener einbeiniger Jäger Kapitän Ahab sind längst Legende geworden. Dutzende Generationen von Lesern verfielen dieser Geschichte. Der lebensfeindlich-vampirhafte Schiffsführer und sein geisterhafter Fisch liefern sich einen geradezu biblischen Kampf, der gnadenlos nahezu alles Menschliche und Lebende in den donnernden Abgrund der kalten See hinunterreißt. Melville erzählt von der wohl schwersten Seereise seiner Jugend. Der Grünschnabel Ismael ist auf der Suche nach Arbeit und trägt sich euphorisch und naiv in die Mannschaftsliste von Ahab ein. Das Drama kann beginnen.
Moby Dick als Neuübersetzung zu inszenieren; muss als großes Risiko bewertet werden. Zu oft schien die Romanvorlage bereits gedeutet bzw. missdeutet worden zu sein. Umso mehr fasziniert die grandios-opulente Arbeit von Friedhelm Rathjen. Er sorgt dafür, dass sich der Leser komplett der;Welt-Meer-Literatur; hingibt. Der Anhang ist fast 150 Seiten stark und bietet u.a. Texte von Owen Chase, Sophia und Julian Hawthorne, Jean Pierre Lefebvre und auch Herman Melville selbst. Hier werden die harte Arbeit der Walfänger und der schwierige Arbeitsprozess des Autors angemessen gewürdigt.
Dieses ;neue" Buch schafft durch die Mischung aus Sprachästhetik, eng am Original angelehnter Übersetzung und eindringlichen Illustrationen zum Walfang und dessen Risiken unglaublich düstere See-Bilder und gleichzeitig die wunderbare Möglichkeit von der Weite des Ozeans und der Kraft der Naturgewalt Meer vs. Kreatur zu träumen. Die Publikation dieser Neuübersetzung durch ZWEITAUSENDEINS wird dem hohen literarischen Rang des Werkes vollauf gerecht. Sensationell ist die repräsentative Ausstattung des fast eintausendseitigen Werkes. Edle Materialien und bis ins Detail liebevoll gestaltete Extras (s. die oben beschriebene Ausstattung) machen das Buch zu dem Erlebnis von Lesefreude dieses Jahres überhaupt. Einer teuren goldenen Uhr gleich, wird man das literarische Highlight von Generation zu Generation weitertragen. Sein zeitloser Inhalt und die klassisch-schöne Ausstattung machen es zum wahren Kulturgut für Literaturfreunde.
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Bolero ohne Schlussakkord, 1. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Moby-Dick, oder: Der Wal (Gebundene Ausgabe)
Nach zwei äußerst positiven Rezensionen fällt es natürlich schwer, sich negativ über ein Werk der Weltliteratur zu äußern. Dabei beziehen sich die bisherigen Meinungsäußerungen auf dieser Plattform vorrangig auf die Qualität der Übersetzung, die sicher unterstellt werden muss. So hat mich auch das Nachwort des Übersetzers Friedhelm Rathjen mit der Übersetzung versöhnt, nicht aber mit dem zu Grunde liegenden Werk von Herman Melville.
Ich habe die Schwierigkeiten in der Lesbarkeit zunächst den oft späten Abendstunden meiner Lektüre zugewiesen, merkte dann aber schnell, dass es sich tatsächlich nicht um den Abenteuerstoff handelt, den ich seit meiner Jugend in dem Buch vermutet habe (und weshalb ich es nun endlich einmal lesen wollte), sondern um eine literarisch und historisch sicher bedeutsame Beschreibung des Walfangs und seiner Menschen im 19. Jahrhundert. Das etwas 750 Seiten währende Warten auf die erste richtige Begegnung mit dem Hauptakteur Moby Dick und das relativ unspektakuläre Abhandeln dieser Begegnung kam mir letztlich - um es einmal mit einem Vergleich aus der Musik auszudrücken - wie eine 20 Stunden dauernde Aufführung des Bolero vor, bei dem man den auflösenden Schlussakkord vergessen hat.
Wer also ein Buch erwartet, das anhand einer attraktiven Aufmachung unter Zuhilfenahme einer ziemlich komplizierten, aber sicher anspruchsvollen Sprache Tätigkeitsbeschreibungen und Psychogramme der beim Walfang im 19. Jahrhundert beteiligten Menschen bietet, sollte sich das Buch unbedingt kaufen. Wer aber noch einmal die Abenteuersehnsucht seiner Jugend wiedererleben möchte und gute Lesbarkeit und Spannung erwartet, der sollte auf andere Werke zurückgreifen.
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