der entwurf eines entwurfs sei sein moby dick, schreibt melville; sicher nicht ganz ohne untertreibung, denkt man sich. aber der gute lugt so oft bescheiden und freundlich zwischen den zeilen dieses buches hervor, dass man ihm sein understatement letztendlich doch abnimmt. der wahre künstler zweifelt eben, denk man sich.
gemusst hätte er das trotzdem nicht. sicher, sein roman ist nicht einfach, ist keiner, den man binnen einer woche durchgelesen hat (was schon dem schieren umfang von knapp 1000 seiten geschuldet ist), nein, aber er ist einer, der ungeheuer angenehm zu lesen ist.
bringe geduld auf, o leser, oder lass es bleiben. aber wenn du geduld hast, wirst du belohnt: man wird (ohne zeigefinger) belehrt über nautisches und walfängerisches, bekommt einblicke in den umgang auf see und in geschundene seelen, spürt freundschaft, kann lachen und ist bisweilen tief erschüttert. man lernt und versinkt, man schwankt und betrinkt sich an unerhört klugen metaphern und betrachtungsweisen. man liest ein buch, dass so tief und umfangreich ist, wie das meer selbst.
ich ärgere mich, dass ich nicht schon früher den mut (denn den braucht man, angesichts der vielen menschen, die einen vor diesem langweiligen schinken warnen) aufbrachte, dieses buch zu lesen. aber vielleicht habe ich ja auf diese übersetzung gewartet? sie ist ausgesprochen gut gelungen und gibt sich auch im anhang große mühe, einem dieses immense werk näher zu bringen.
wer etwa über die seefahrer-begriffe stolpert, schlägt einfach im anhang nach, da gibt es ein glossar (kleines wörterbuch) der nautischen sprache, da wird alles erklärt.
noch eine sache: hier gibt es immer wieder rezensenten, die sich über die altertümliche sprache beschweren -- nun ja -- da das buch um 1850 geschrieben wurde, kann man da vielleicht nochmal ein auge zudrücken, oder? ;-)
und zuletzt noch ein wort an die buchbinder: großartige arbeit! jeder cent lohnt sich hier! die fadenheftung, der gute einband, das gilb-resistente dünndruckpapier, machen bestimmt noch in hundert jahren eine gute figur. übrigens: durch das dünndruckpapier sehen die tausend seiten aus wie höchstens 400. vielleicht ein grund mehr, keine angst vor diesem "roman-ungetüm" zu haben...