Eingangs möchte ich sagen, dass ich ein absoluter Fan der alten Verfilmung aus dem Jahre 1956 mit Gregory Peck bin.
Ich hatte mir von dieser Neuverfilmung auch wirklich nicht allzu viel versprochen (dies gilt eigentlich für alle Remakes (man denke nur an "Der Flug des Phoenix")), jedoch mag ich den Hauptdarsteller Patrick Stewart (Captain Picard). Und da der Film obendrein noch recht günstig angeboten wurde, habe ich zugeschlagen.
Das, was ich dann zu sehen bekam, hatte ich nicht erwartet. Der "neue" Moby Dick ist echt wahnsinnig gut gelungen. An den Klassiker kommt er natürlich nicht heran, das ist ganz klar. Jedoch braucht er den Vergleich wirklich nicht zu scheuen, da beide Filme meiner Meinung nach auch gar nicht wirklich vergleichbar sind.
Sowohl das Original als auch diese Adaption hat Stärken und Schwächen bzw. Dinge, die in dem einen Film besonders hervorgehoben werden und in dem anderen weniger interessant oder gar nicht dargestellt wurden.
Fangen wir mal mit dem Kapitän Ahab an. Keine Frage, Gregory Peck als Ahab ist eine Macht, eigentlich an Charisma kaum zu übertreffen. Jedoch gefällt mir Patrick Stewart in der Rolle des wahnsinnigen Kapitäns beinahe noch besser. Das mag daran liegen, dass er in diesem wesentlich längeren Film auch dementsprechend öfter gezeigt wird. Jedoch finde ich, dass Stewart den Wahnsinn, die Besessenheit, aber auch die tiefe Verzweifelung der kranken Seele Ahabs noch wesentlich intensiver rüberbringt, so dass man bei dieser Verfilmung bald Mitleid mit dieser tragischen Figur haben kann.
Auch finde ich, dass die Not und das Leiden der Mannschaft, allem voran Steuermann Starbuck, wesentlich eindringlicher geschildert wird. Dies wurde mir bei der Originalfassung nicht ganz so bewusst. Aber hier scheint die Lage für das gesamte Schiff bereits kurz nach dem "feierlichen Schwur" auswegs- und hoffnungslos; die totale Beklemmung. Beeindruckend finde ich hierbei vor allem die Szenen im Eismeer.
Auch die übrigen Charaktere werden durch sehr gute Schauspieler verkörpert. Henry Thomas in der Rolle des Ismael beispielsweise ist einfach klasse. Auch die Steuermänner Starbuck und besonders Stubb werden interessant dargestellt. Der Auftritt von Gregory Peck als Father Mapple ist zwar Geschmacksache, jedoch dennoch erwähnenswert.
Manche Tricks in Hinblick auf den weissen Wal an sich wirken etwas hilflos. Wenn man jedoch bedenkt, dass es sich bei dieser Version um einen TV-Film und um keinen millionenschweren "Hollywood-Schinken" a la "Titanic" handelt, kann man das mit einem Augenzwinkern übergehen.
Extras sind bei dieser Doppel-DVD die totale Fehlanzeige, auch das Bild ist leider nur in 4:3 wiedergegeben.
Dennoch gebe ich die volle Punktzahl für diesen beeindruckenden Film.