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Das Buch beweist eindrucksvoll: Es gibt kein typisches Schaf, das die Mobbing-Wölfe aus dem Wald lockt. Vielmehr kann jeder in die Schusslinie geraten, manchmal unabhängig vom eigenen Verhalten. Je eher man das Mobbing erkennt, je schneller und offener man es anspricht, desto eher lässt sich die Meute noch beändigen. Leymann beschreibt die psychologischen und empirischen Hintergründe. Schlussfolgerungen überlässt er dem Leser, mit "guten Ratschlägen" geht er sparsam um. Die Sprache ist, für einen Wissenschaftler, ziemlich gut lesbar.
Als Ergänzungslektüre kann ich mein aktuelles Lieblingsbuch "Der Feind in meinem Büro" von Wehrle empfehlen, das mitten aus der Praxis gegriffen ist und auch Tipps gegen mobbende Chefs gibt. Wer sich für den psychologischen Hintergrund von Konflikten interessiert (oder gar selbst Psychologe ist), kann auch zu "Klärungshilfe" von Thomann und Schulz von Thun greifen.
Leymanns Buch "Mobbing – Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man sich dagegen wehren kann" stammt zwar bereits aus dem Jahre 1993 (bisher gibt es keine erweitere/überarbeitete Auflage), aber da es die grundlegenden Fragen zum Thema Mobbing behandelt, hat es nicht an Aktualität verloren. Leymann erläutert in einer äußerst übersichtlichen Art und Weise und in einem in höchstem Maße angenehmen Schreibstil das Was, Wie, Wer, Wie oft, Wann und Warum sowie Folgen und Gegenmaßnahmen des Mobbingprozesses.
Die 184 Seiten Text werden durch über 20 anschauliche Fallbeispiele abgerundet. Dies ist ein weiterer Faktor, der das Lesen nicht nur erleichtert, sondern es regelrecht spannend und lebendig macht. So stellte es für mich - als Zwangsleserin, das heißt als Mensch, der nur liest, wenn er muss - kein Problem dar, das Buch innerhalb eines Tages zu lesen. Wohlbemerkt - was ein weiterer Vorteil dieses Buches ist - ist es gut möglich, es ohne größeres Fachwissen zu lesen, also auch als Laie oder als Themen-Einsteiger, wie ich selbst einer bin. Als reines Ratgeber-Buch für Betroffene, die schon viel über das Phänomen Mobbing wissen, bzw. für Angehörige Betroffener, die reine Lösungsvorschläge suchen, würde ich "Mobbing" von Heinz Leymann allerdings nicht bezeichnen, da sich das Themengebiet "Gegenmaßnahmen" auf etwa 30 Seiten beschränkt. Für interessierte Betroffene und Angehörige Betroffener oder sonstige Interessierte, die auch über den Tellerrand hinausschauen wollen (also auch etwas über das Warum etc. erfahren möchten), kann ich dieses Buch - schon allein aufgrund seines äußerst günstigen Preises im Vergleich zu Literatur mit ähnlichen Buchtiteln (etwa ein Drittel im Vergleich zum durchschnittlichen Preis solcher Bücher)- wärmstens empfehlen! Teurere oder neuere Bücher sind - vor allem für Betroffene und Angehörige – nicht immer unbedingt "besser", da es sich meist um (psychologische) Fachliteratur handelt. (Einen richtigen Vergleich kann ich als Einsteiger auf diesem Gebiet natürlich nicht aufstellen, aber ich werde mich im Laufe der nächsten Jahre auf diesem Gebiet fortbilden und in dieser Zeit sicher ab und an eine Rezension zu Büchern zum Thema Mobbing verfassen.)
Von Leymann und/oder seinem Forschungsteam würde ich mir für die nächste Zeit eine Neuauflage dieses Klassikers wünschen, inklusive einer Erweiterung um neueste Forschungsergebnisse, einer Auflistung von Testverfahren und mit weiteren lebensnahen Erfahrungsberichten - denn "gemobbt" wird weiterhin, auch wenn Betriebsräte, Juristen, ABO-Psychologen, Therapeuten etc. sich seit Jahren um eine Eindämmung dieses menschenzerstörerischen und –verachtenden Verhaltens bemühen.
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