Jenseits des Alltagsbegriffs MOBBING schafft es der Facharzt für Psychiatie und Psychotherapie, Peter Teuschel, die ganze Bandbreite beim Thema Mobbing - speziell hier am Arbeitsplatz - aufzuzeigen. In einer Erfahrungsspanne von über einem Jahrzehnt hat er sich mit den diversen Aspekten beschäftigt und hier nun sehr lesefreundlich niedergefasst. Auch wenn man gerne noch ein paar Graphiken zur Auflockerung gehabt hätte, ist das Buch eine glänzende Hilfe, sich fachlich fundiert mit Mobbing zu befassen. Für Berater, Ärzte, Betriebsräte und Gutachter schafft Teuschel ein übersichtliches Werk, das tatsächlich im sogenannten "Alltagsgeschäft" hilft, ohne dass man sich durch ein Textmonstrum durchschlagen muss.
Das Buch ist in vier Abschnitte mit Unterkapiteln aufgegliedert und hat zwar vornehmlich medizinisches Fachpersonal als Adressat, kann aber durchaus auch für andere helfende Berufe hilfreich sein.
Zunächst definiert Peter Teuschel Mobbing und macht Aussagen zu Dauer, Ausmaß, Täter-Opfer-Beziehung und Häufigkeit, ehe er Mobbing ganz klar von anderen Konflikten am Arbeitsplatz abgrenzt und die einzelnen Phasen des Mobbings benennt. Hilfreich sind hier auch die demographischen Daten, die aufzeigen, dass Mobbingopfer am häufigsten weiblich sind. Dann macht der Autor noch Aussagen zu den Berufsgruppen, zur Altersverteilung und auch zum beruflichen Status sowie zu den unterschiedlichen Ursachen.
Im zweiten Abschnitt geht es um Mobbing-Opfer als Patienten mit klaren Abgrenzungen der einzelnen Verantwortlichkeiten unterschiedlicher Berufszweige.
Eine Typologisierung der Mobbing-Patienten hilft dabei, sich darüber klar zu werden, wie unterschiedlich die Bedürfnisse und Fähigkeiten der einzelnen Patienten sind. Peter Teuschel befasst sich zudem mit den ganz originären Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, Gutachten sowie der Zusammenarbeit mit Rechtsanwälten.
Erst im dritten großen Abschnitt geht es um die gesundheitlichen und sozialen Folgen von Mobbing unter besonderer Berücksichtigung psychosomatischer und psychiatrischer Krankheitsbilder. Diese werden mit den entsprechenden Diagnoseziffern beschrieben. Desweiteren befasst sich Teuschel - wenn auch leider nur in einem kleinen Unterkapitel - mit den nichtmedizinischen Folgen von Mobbing, und zwar für den Betrieb, das Opfer und die Gesellschaft.
Ein letzter, vierter Abschnitt zeigt dann die Möglichkeiten der therapeutischen Behandlung von Mobbing-Opfern auf. Hier zeigt der Autor die Optionen der ambulanten bzw. stationären Behandlung ebenso auf wie die Behandlung mit Psychopharmaka und Psychotherapie.
Dabei wird hier professionell auf die Einzelfragen eingegangen. Die Durchdringung des Buches mit excellenten Fallbeispielen, die ausgesprochen authentisch wirken, sowie die Hervorhebung markanter Merksätze machen das Buch zu einem ungewöhnlich klaren Hilfsinstrument, den einzelnen, von Mobbing betroffenen Menschen wirksame Unterstützung zu schenken.
Wer über das (alltags-) psychologische Grundwissen hinaus zutreffende Einschätzungen, klare Vorgaben und ausreichende Hintergrundinformationen haben möchte, der liegt mit diesem so gründlich recherchierten Buch genau richtig!