Zur Person des Friedrich Glauser:
1896 in Wien geboren, 1918 wegen "liederlichem und ausschweifendem Lebenswandel" entmündigt -
Morphinist - Dadaist - Fremdenlegionär in Marokko - Casserolier in Paris - Kohlenkumpel in Belgien - Hilfsgärtner in Basel und Anstaltsinsasse.
Er schrieb anfangs "wie zum Spiel, zum Zeitvertreib, so nebenbei".
Später die "Wachtmeister-Studer"-Romane: "Geschichten, die meinen Kameraden gefallen, weil sie spannend sind und doch so geschrieben sind, dass auch Leute, denen alles Höhere fremd ist, sie verstehen."
Friedrich Glauser fiel am Vorabend seiner Hochzeit ins Koma und starb am 08. Dezember 1938 in Nervi bei Genua.
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*Der Gefangenenwärter mit dem dreifachen Kinn und der roten Nase brummte etwas von "ewigem Gstürm", - weil ihn Studer vom Mittagessen wegholte. Aber Studer war immerhin ein Fahnderwachtmeister von der Berner Kantonspolizei, und so konnte man ihn nicht ohne weiteres zum Teufel jagen.
Der Wärter Liechti stand also auf, füllte sein Wasserglas mit Rotwein, leerte es auf einen Zug, nahm einen Schlüsselbund und kam mit zum Häftling Schlumpf, den der Wachtmeister vor knapp einer Stunde eingeliefert hatte.
Gänge ... Dunkle lange Gänge ... Die Mauern waren dick. Das Schloß Thun schien für Ewigkeiten gebaut. Überall hockte noch die Kälte des Winters ... [ Friedrich Glauser / Wachtmeister Studer / 1936 ]
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Zum Inhalt:
Friedrich Glauser war seit früher Jugend süchtig. Zeitlebens war er vom Morphium beherrscht, vom "Mo", wie er es nannte. Von seinen 42 Lebensjahren verbrachte er über acht Jahre in Irrenhäusern, psychiatrischen Anstalten und Kliniken. Dort interniert schrieb er seine ersten "Wachtmeister-Studer"-Romane. Sie begründeten letztendlich seinen Ruf als Vater der deutschsprachigen Kriminalliteratur.
"Mo -Der Lebensroman des Friedrich Glauser" ist eine literarische Annäherung an diese Vatergestalt. Glausers Romane und Erzählungen, seine autobiographischenBerichte sowie seine Briefe spiegeln ein bewegtes Leben wider, das eine ebenso faszinierende wie tragische Suche nach innerer Ruhe, nach Beständigkeit und dem verzweifelten Wunsch ist, "doch ein wenig anders leben" zu können.
Frank Göhre: "Ich gehe Glausers Wegen nach, begebe mich auf seine Spur, erkunde die weißen Räume zwischen den biografischen Fakten deas wissentschaftlich hervorragend dokumentierten Lebens von Glauser. Ich zeichne das Bild eines in sich Verstrickten, eines Untriebigen, spüre den Möglichkeiten und Wirklichkeiten eines gelebten Lebens nach.
Das Faktische der Biografie öffnet sich der Fiktion und umgekehrt, wird zu einer Variation, zum Roman einer Lebensgeschichte voller Brüche und Lücken. Im Roman befreit sich Glausers Geschichte von der strengen Chronologie des faktischen Lebenslaufs und geht möglichen anderen Veränderungen nach ..."
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Fazit: Dieses Buch ist uneingeschränkt empfehlenswert! Nein, eigentlich reicht dieses nicht: Dieses Buch ist Pflicht für alle Interessierten an der deutschsprachigen Kriminalliteratur!
Frank Göhre ist den Lebensspuren Friedrich Glausers akribisch, aber auch höchst lesenswert, nachgegangen. In einer Mischung aus Fiktion und Fakten, die die weißen Räume des biografischen Gerüsts ausleuchtet, macht er deutlich, dass dieser Getriebene unser Zeitgenosse ist.
Dem Pendragon sei Dank für diese wahrlich beeindruckende wie auch wichtige Veröffentlichung !!
Es grüßt ein höchst zufriedener sowie beeindruckter -
Reinhard Busse