Fabias Woche ist durchorganisiert: montags Ballett, dienstags Flöten, donnerstags Tennis, freitags Hockey - nur mittwochs darf sie spielen. Ihre Eltern sind den Anforderungen gewachsen, die auf Eltern zukommen, die Kinder haben. So kann Fabia zum Beispiel schon Lesen, bevor sie zur Schule kommt. Aber alles wird anders, als Mama beschließt, zusammen mit Papa auf Dienstreise nach Mailand zu gehen. Und Mama möchte unbedingt mit, denn sie muss neue Schuhe kaufen. Die verhasste Schwester wird gefragt, die für 100 Euro Tagesgage den Babysitterjob übernimmt. Schade nur, dass niemand Tante Pia mag, selbst Fabia nicht, denn Tante Pia bringt fast nie etwas mit und hat keine Ahnung von Kindern. Fabias Tagesablauf kommt kräftig durcheinander, denn Pia kümmert sich nicht um sie, obwohl sie nicht mal kochen muss (hat alles Mama vorgekocht). Mit sieben Jahren sei Fabia alt genug, ihre Termine selbst auf die Reihe zu bekommen, außerdem was soll man mit sieben Jahren im Ballett? Nur weil man es kann? Und macht Blockflöte überhaupt Spaß? Kann man an Hausaufgaben selbst denken oder muss man daran erinnert werden?
Fabia ist entsetzt, denn Pia bringt ihr ganzes Weltbild durcheinander. Über solche Fragen hat sie noch nie nachgedacht und außerdem könnte man für hundert Euro doch deutlich mehr Engagement verlangen.
Wie sich Fabia und Pia trotzdem noch annähern kann man in der überarbeiteten Ausgabe des 1993 erschienen Buches lesen. Kirsten Boie ist ein echter Klassiker gelungen, der aus Sicht von Fabia das moderne Familienleben beschreibt. Egal, ob man das Buch seinen Kindern vorliest oder es als Kind oder Erwachsener liest, man erkennt sich immer wieder in den unterschiedlichen Charakteren. Der Spiegel, der Eltern vorgehalten wird, lässt die Möglichkeit, über die Erziehung der Kinder nachzudenken, ohne dass Kirsten Boie den Zeigefinger hebt. Die 1950 geborene Hanseatin unterstreicht mit diesem Buch ihren Ruf als eine der renommiertesten Autorinnen moderner Kinder- und Jugendromanen.