Bei dem Buch "Mittsommer" handelt es sich um einen Reisebericht eines kanadischen Autors, der mit seiner neuseeländischen Freundin und Physiotherapeutin zu Fuß, mit dem Rad, Bahn, Bus und Schiff durch Zentralnorwegen von Jotunheimen über Flåm und Finse zum Hardangerfjord reist. Das ganze wird mit einem Bericht über eine Spitzbergentour abgeschlossen.
Ich stimme mit den anderen Rezensenten damit überein, dass es sich hierbei um eine einigermaßen spannende und anektdotenreiche Lektüre handelt. Besonders die Tatsache, dass der Autor mehrere Jahre in Norwegen gelebt hat, machen in zu einem Kenner diverser norwegischer Eigenheiten, die besonders für den Uneingeweihten interessant sein dürften.
Deutlich negativ sind mir jedoch die vielen Rechtschreibfehler und auch falsche Namen bei Ortsbezeichnungen aufgefallen. Das Lektorat des Buches kann man nur als mangelhaft bezeichnen. Mehrere Male erzählt der Autor Teile derselben Anektdote mit den selben Worten, dazwischen meist nur ein paar Seiten. Negativ fällt auch der Schreibstil auf (oder lag es am Übersetzer?). Spätestens die dritte Landschaftsbeschreibung wirkt platt und unplastisch, dilettantisch ins Tagebuch gekritzelt und kaum überarbeitet. Die Liebe des Autors zu Norwegen äußert sich in einer Land und Leute geradezu anbetenden, völlig unkritischen Schreibweise. Auch die regelmäßigen anzüglichen Bemerkungen nerven. Einzig negativ äußert er sich zu den langen, dunklen Winternächten.
Schade. Das Buch hat mit seinen Anekdoten viel zu bieten, ist in Stil und Lektorat aber dermaßen laienhaft, dass ich es nicht als Reiselektüre empfehlen kann. Eine m.E. deutlich bessere Empfehlung wäre z.B. "Gebrauchsanweisung für Norwegen".