Dem Verlag freies Geistesleben gebührt große Achtung. Er hat mit Susanne Schäfer zusammen ein Buch herausgebracht, das einzig dasteht. Darin wird von Frau Schäfer selbst Schritt für Schritt aufgezeichnet, wie ein Mensch mit mehreren schweren Behinderungen gesund werden kann. Ein Wunder geschieht! Doch nirgends wird mit Sensationsschlagzeilen gefochten. Nein, der Leser muss all die von Frau Schäfer gemachten Prozesse mitdurchstehen. Und wahrlich ist's ein Gang, man scheut sich, dies auszusprechen, der durch die Hölle führt. Susanne Schäfer ist ein Phänomen. Bereits in zwei vorangegangenen Büchern dokumentiert sie bestechend ehrlich ihre Auseinandersetzung mit Autismus und Narkolepsie (Schlafkrankheit). Mit nicht erlahmendem Interesse und vorbildlicher Widerstandskraft stellt sie sich jetzt auch noch dem zusätzlich diagnostizierten juvenilen Parkinson-Syndrom. Die Behandlung mit L-Dopa wird geschildert, dessen Wirkungen bis ins letzte Detail beschrieben. Die guten und schrecklichen Phasen lernen wir kennen. An Kongressen wird Kontakt zu Spezialisten der Neurologie und zu Mitpatienten gesucht, bis die Frage an Frau Schäfer herantritt, ob sie sich zu einem Hirnschrittmacher entschließen könnte. Dies wird abgelehnt. In misslichen Verhältnissen, was die innere und äußere Lebenslage betrifft, forscht sie jedoch unermütlich-rebellisch weiter. Hilfe erfährt sie durch einzelne Freunde und Freundinnen, die Mutter und Piebald, ihren Tauben-Mitbewohner, ihren Geistboten. Anregung und Forschungsresultate bedeutender Menschen prüft sie auf Herz und Nieren. Dabei wird Rudolf Steiner zentral für sie. Susanne Schäfer erkennt existenziell, dass der Mensch nicht hirngesteuert ist, dass an den Nervenschnittstellen, den Synapsen, Wesentliches geschieht, dass der menschliche Wille dort eingreifen kann. Und so geschieht es, dass Frau Schäfer auf ihrem unverwechselbaren Weg der Christus-Kraft begegnet, die Geistesfeuer, Zukunftsmut und Frieden verleiht: Heilung bewirkend. Doch diese gilt es zu stabilisieren. Mit Lebensfreude entledigt sich die unkonventionelle Frau ihres Hausrates und betreibt mit viel Humor einen Trödelmarktstand. Medikamente werden keine mehr eingenommen! Susanne Schäfer entpuppt sich als Mensch, der zum Lebendigen vordringt, das nicht vorausgedacht, determiniert werden kann, sondern nur aus dem Moment heraus neu geschaffen wird. Und die bald 41-jährige Frau Schäfer setzt sich nach diesem Schicksalsmarathon nicht zur Ruhe. Es geht weiter, auf Leben und Tod. Gemäß dem internationalen Knochenmark-Spenderregister ist sie weit und breit der einzige Mensch, der einem an Marmorknochenkrankheit leidenden Kleinstkind helfen kann. Die Kinder sind ihre Hoffnung. Susanne Schäfer willigt ein.
Martin Reinhard / Gegenwart Nr. 3/2007