"Phantasievoll und gewagt", urteilen die Philadelphia Gay News auf dem Backcover, "darauf haben wir schon lange, lange gewartet." Das muß sich auf die Stories der O-Ausgabe beziehen, die NICHT in die gekürzte deutsche Auswahl aufgenommen wurden. Rundum gefallen hat mir nur "Apologie" von Jan Carr, die besonders in den Details überzeugende Geschichte einer alleinerziehenden Mutter mit einer vampirischen kleinen Tochter. "Zum Sterben schön" von Diane de Kelb-Rittenhouse könnte wegen der überzeugenden Erotik zu den Gewinnern zählen, wäre der Plot nicht so vorhersehbar. Die übrigen Stories sind eher bieder, wenig originell und teilweise sogar langweilig. Das Vorwort steckt voller sachlicher Fehler einschließlich der Behauptung, bei "Mitternachtskuß" (O-Ausgabe von 1996) handele es sich um "die erste Sammlung ausschließlich von Frauen verfaßter Vampirgeschichten". Da die Amis, wenn sie "Welt" sagen, Nordamerika meinen, mag verzeihlich erscheinen, daß die Herausgeberin die Anthologie "Blaß sei mein Gesicht" von Barbara Neuwirth übersieht, die bereits 1988 im biederen Österreich erschien und trotzdem weit erotischer, gewagter und subversiver ist als alles in "Mitternachtskuß". Na ja, und Pam Keeseys 1994 in den USA erschienene Anthologie "Daughters of Darkness" (dt. "Draculas Töchter", 1997) hat den "Schönheitsfehler", neben 8 Autorinnen EINEN Autor zu präsentieren, nämlich J. S. le Fanu mit seinem Klassiker einer lesbischen Vampirin, "Carmilla".