Alles ist neu: Die Band, die das Erscheinen der Best-Of mit einer plattenfirmen-unfreundlichen Bemerkung kommentierte ("Fans sollten sich lieber ihre eigene Best Of brennen!") und auf der letzten Scheibe (Too Loud) gar von den Bossen gezwungen wurde, einen Singletrack aufzunehmen (der dann nicht einmal als Single veröffentlicht wurde) war es satt. Jetzt haben sich die Inchies von ihren "Unterdrückern" und den Kommerzialisierungszwängen getrennt - und scheinen vollkommen ausgewechselt. Vorbei die Zeiten des Neofolk oder Industrial-Folk (das hervorragende Quiet! sollte man kennen). Als Fan der ersten Stunde muss man erstmal kräftig schlucken: Hier wird emotionale, experimentellere, vollkommen andere Musik geboten. Handgemacht zwar, übersät mit interessanten Effekten, die wie Elektronikspielereien wirken aber absolut authentisch sind. Im ersten Anlauf wollte mir nichts gefallen. Die Violinen und das Cello treten nicht mehr melodieführend, sondern nur noch als zusätzliches Schmankerl auf, nichts reizt scheinbar zum Mittanzen oder -gröhlen. Aber Fans lassen sich nicht abschrecken und horchen nochmal genauer hin. Und tatsächlich: Mittlerweile verläßt die Scheibe meinen CD-Player nicht mehr! Eine nie plakative Traurigkeit und Düsternis schwingt überall mit, aber stets begleitet von einem Hoffnung spendenden Sonnenstrahl. Der Gesang Beckmanns (nicht Reinhold sondern Robert!) ist selbstredend wie gewohnt überdimensonal gut, ergießt sich in die Tiefe der Songs. Und diese müssen sich nicht auf 3 oder 4 Minuten beschränken, sondern wabern auch mal spannende 8 Minuten (der Hammer BIRTHING OF A DAY) daher. Richtig heftig und schnell ist der vertrackt bis nervös beginnende erste Titel (UNSATISFIED). Anspieltipp desweiteren COME WITH ME. Doch alles in allem eine CD, die keine Qualitätsunterschiede, keine Ausfälle besitzt, sondern schlichtweg ein Genuß ist. Mit das beste und innovativste, was seit langem aus deutschen Landen an mein Gehör drang! Danke für euren Mut und für dieses Album, Inchies!