Dieses Buch wurde sowohl vom paleo-liberalen" Ökonom Erich Streissler (in der Presse") als auch vom linken Blogger Robert Misik (in der taz) sehr positiv rezensiert. Verblüfft habe ich es gekauft und wurde nicht enttäuscht. Schulmeister zeigt auf klare Weise, wie die großen Probleme wie Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit, soziale Ungleichheit und Umweltverschlechterung über mehr als drei Jahrzehnte herangewachsen sind. Dieser Prozess wurde zunehmend vom Neoliberalismus geprägt, einer Ideologie, welche nicht die Interessen des Realkapitals legitimiert, sondern jene des Finanzkapitals.
Die große Krise markiert den Anfang vom Ende des Finanzkapitalismus und damit zugleich den Beginn der Talsohle im langfristigen Entwicklungszyklus (der letzte hatte 1929 eingesetzt). Um die kommende Transformationskrise" zu einem wieder stärker realkapitalistisch" geprägten Systems möglichst gut zu überstehen, schlägt der Autor einen New Deal" für Europa vor: Die bedrückendsten Probleme sollten gemeinsam durch eine expansive Gesamtstrategie bekämpft werden. Dazu bedarf es höherer Beiträge der Reichen", insbesondere der Reichen an Geld" (Finanztransaktionssteuer, Abgabe auf Wertpapierdepots, höherer Spitzensteuersatz). Schulmeister zeigt, dass sich die Vermögenden damit selber nutzen würden: Eine kollektive Sparpolitik werde nämlich die Krise verschärfen und eine massive Entwertung der Staatsanleihen nach sich ziehen.
Die nahezu 30 Einzelmaßnahmen eines New Deal" werden konkret beschrieben. Viele davon widersprechen der herrschenden Weltanschauung diametral, etwa der Vorschlag, fundamental wichtige Preise wie jener für Erdöl oder der Zinssatz nicht mehr durch (spekulative) Märkte bestimmen zu lassen. Allerdings, die Gründe dafür führt Schulmeister handfest" aus.